Sa., 05.03.2016

Endlich eine Aufgabe Efe Osakpanwan darf ein Praktikum bei der Firma Wesbuer machen

Seine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Der Nigerianer Efe Osakpanwan stand plötzlich bei Theo Wesbuer vor der Tür und fragte nach Arbeit. Der Ochtruper Unternehmer setzte sich für den jungen Mann ein – mit Erfolg. Und auch seine Mitarbeiter zogen mit.

Seine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Der Nigerianer Efe Osakpanwan stand plötzlich bei Theo Wesbuer vor der Tür und fragte nach Arbeit. Der Ochtruper Unternehmer setzte sich für den jungen Mann ein – mit Erfolg. Und auch seine Mitarbeiter zogen mit. Foto: Hannah Moritz

Ochtrup - 

Es ist nur ein kleiner Anfang, trotzdem ist Efe Osakpanwan überglücklich. Der Nigerianer darf ein Praktikum bei der Firma Wesbuer in Ochtrup machen. Der 19-Jährige kam als Flüchtling nach Ochtrup. Seiner Hartnäckigkeit und dem Engagements seines Chef ist es zu verdanken, dass der Plan „Praktikum“ geklappt hat.

Von Anne Steven

Das Thema Flüchtlinge und wie man sich für sie engagieren könnte, beschäftigt Theo Wesbuer und seine Mitarbeiter schon eine ganze Weile. Doch als Efe Osakanwan aus Nigeria bei dem Fachhändler für Holz, Werkzeug und Eisenwaren vor der Tür steht, einen handgeschriebenen Zettel mit der Adresse der Firma am Gausebrink in der Hand, und nach Arbeit fragt, wird es plötzlich ziemlich konkret.

Der 19-Jährige hat zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Menge hinter sich. 2015 überfällt die Terrorgruppe „Boko Haram“ sein Heimatdorf. Die Islamisten treiben die Menschen auseinander und erschießen unter anderem Osakanwans Vater. Dem jungen Mann gelingt die Flucht. Zu Fuß geht es durch die Sahara, dann weiter auf einem Schlauchboot übers Mittelmeer. Fünf Tage lang treibt das Boot mit 50 Menschen an Bord über das Meer – drei Tage ohne Nahrung und Wasser.

Gerade noch rechtzeitig wird die italienische Seerettung auf die Flüchtlinge aufmerksam und rettet sie. Mit der Hilfe eines Deutschen, der in Italien lebt und ihm das Zugticket bezahlt, reist Osakanwan zunächst nach München, dann nach Langenfeld, Recklinghausen und schließlich nach Och­trup.

Wesbuer ist zu diesem Zeitpunkt schon mal beim „Internationalen Café“ in der Bücherei St. Lamberti gewesen. „Eigentlich hatte ich ganz andere Dinge im Kopf. Und ich erwischte mich dabei, wie ich in Abwehrhaltung gehen wollte“, erinnert sich der Unternehmer noch gut an den Augenblick, als sich der junge Mann aus Nigeria bei ihm vorstellte, um bei ihm zu arbeiten. „Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, nicht über Flüchtlinge, sondern mit ihnen zu reden und vor allem ihnen zu helfen“, fasst Wesbuer seine Gedankengänge zusammen. Er verspricht, sich zu informieren. „Von da an wurde ich Efe nicht mehr los. Jeden Tag kam er in die Firma und wollte arbeiten“, erzählt der Geschäftsmann.

Das Problem: Osakpanwan ist erst seit wenigen Wochen in Deutschland und hat noch keine Arbeitserlaubnis. Für Wesbuer und seine Mitarbeiter stellt sich die Frage: „Was machen wir mit ihm?“ Während sich der Chef darum bemüht, dass Osakpanwan ein Praktikum bei ihm absolvieren darf, kümmern sich seine Mitarbeiter um den 19-Jährigen. „Arbeiten durfte er nicht. Aber wir haben eine gute Lösung gefunden“, erzählt Wesbuer. Immer, wenn irgendwo im Büro des Unternehmens ein Computer frei wird, darf der junge Nigerianer im Internet surfen, sich im Zehn-Finger-Schreiben üben und via Google-Übersetzer seine Deutsch-Kenntnisse verbessern. Außerdem begleitet er den Chef und dessen Mitarbeiter zu Außenterminen. „Alle haben toll mitgemacht und geholfen“, erzählt der Firmeninhaber. Und ganz nebenbei sorge die Anwesenheit des Nigerianers dafür, dass alle ihre Englischkenntnisse aufbessern könnten.

Nach zwei Wochen kommt dann endlich die Zusage von der Ausländerbehörde in Steinfurt. Osakpanwan darf bei der Firma Wesbuer ein sogenanntes Berufsorientierungspraktikum absolvieren. Die erste Hürde ist genommen und der junge Mann überglücklich. Jetzt gilt es zu prüfen, was die Ausbildung zum Tischler, die Osakpanwan in seiner Heimat Nigeria absolvierte, mit der in Deutschland gemein hat. „Man hat sofort gemerkt, dass er in Nigeria in diesem Bereich gelernt hat“, ist sich Wesbuer sicher, den 19-Jährigen in seinem Un­ternehmen einsetzen zu können. Das Wichtigste sei jetzt, dass er so schnell wie möglich Deutsch lerne. Noch tut er sich schwer. Doch seine Kollegen geben sich alle Mühe und versuchen, den jungen Nigerianer zu integrieren. „Die Tochter eines Mitarbeiters hat sich bereit erklärt, mit ihm deutsche Texte zu lesen. Ein anderer Mitarbeiter hat ihm Fußballschuhe besorgt, damit er auch im Verein kicken kann“, zählt Wesbuer nur einige Aktionen auf. Er selbst nimmt ihn zu allen möglichen Terminen mit – auch in seiner Freizeit. So begleitete der junge Mann ihn beispielsweise zu einem Treffen der Imker.

Und Osakpanwan selbst? Er ist noch ganz überwältigt. „Alle versuchen, mir Deutsch beizubringen und unterstützen mich, wo es nur geht“, erzählt er auf Englisch. Seine Wünsche für die Zukunft sind bescheiden: Deutsch lernen steht ganz oben auf der recht kurzen Liste. Und er würde gerne seine Mutter nach Deutschland holen. Doch das wird schwierig, denn er weiß nicht, wo sie und seine beiden Geschwister sich gerade aufhalten, geschweige denn, ob sie überhaupt noch leben. 

Zum Thema

Das „Internationale Café“ bietet Flüchtlingen, Migranten, Zugezogenen und Ochtrupern Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee oder Tee miteinander ins Gespräch und in Kontakt zu kommen – auch über Sprachbarrieren hinweg. Dazu laden die Bücherei St. Lamberti und der Verein „Miteinander Och­trup“ am heutigen Samstag um 15.30 Uhr in die Bücherei ein.

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