Do., 21.07.2016

Suchtberaterin im Gespräch Offen sein – und konsequent

Kim Suer, Beraterin beim Caritasverband.

Kim Suer, Beraterin beim Caritasverband.

Ochtrup - 

Wer mit einer Sucht kämpft, macht das oft nicht allein: Redakteurin Anne Alichmann hat mit Kim Suer von der Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbands Steinfurt über die Rolle von Angehörigen gesprochen.

Von Anne Alichmann

Wer kommt zu Ihnen in die Beratungsstelle?

Kim Suer: In erster Linie Betroffene, die von Alkohol, illegalen Drogen oder Medikamenten abhängig sind. Wir sind außerdem Fachstelle für Glücksspielsucht, und mittlerweile kommen auch immer mehr Leute, die nicht ohne ihr Handy oder das Internet können. Und auch Angehörige suchen die Beratungsstelle auf. Oft ist es ja so, dass die Betroffenen für sich nicht wahrhaben wollen, dass ein Problem besteht. Häufig kommen die Ehepartner, die Eltern oder Freunde – vereinzelt auch Kollegen – zu uns. Die machen sich Sorgen und wollen Informationen einholen, wie man damit umgehen kann.

Wie erkennt denn ein Angehöriger, dass jemand abhängig ist?

Kim Suer: Das kann man nicht so pauschal sagen. Es gibt Menschen, die trinken schon seit Jahren ein, zwei Bier am Abend – die sind aber nicht süchtig danach. Wenn man es ganz konkret wissen möchte: Es gibt den ICD-10-Katalog, der alle Krankheiten auflistet. Da sind hinsichtlich einer Abhängigkeit sechs Kriterien nachzulesen. Sind drei oder mehr davon erfüllt, kann man schon sagen, dass eine Sucht vorliegt. Darunter fällt etwa, dass man – Beispiel Alkoholsucht – nicht kontrollieren kann, wie viel und wann man trinkt.

Was raten Sie den Angehörigen, die besorgt zu Ihnen kommen?

Kim Suer: Dass man damit ganz offen umgeht. Wenn wir beim Thema Alkohol bleiben: Viele Menschen scheuen sich, das anzusprechen, wenn sie bei jemandem häufiger eine Fahne bemerken. Das ist aber genau der falsche Weg. Man sollte einfach sagen: „Ich habe schon öfter gerochen, dass du eine Fahne hast. Woher kommt denn das?“ Außerdem sollten Angehörige konsequent sein. Wenn Eltern zum Beispiel mit einem konsumierenden Sohn zu tun haben und ihm Konsequenzen androhen, dann sollten sie auch in der Lage sein, das durchzuziehen. Häufig geraten die Angehörigen auch in eine Co-Abhängigkeit: eine Ehefrau etwa, die ihren trinkenden Mann schützt, indem sie bei der Arbeit anruft und sagt: „Der ist krank, der kann heute nicht kommen.“ Bei dem Betroffenen entsteht so der Eindruck, dass er nichts ändern muss. Da müssen wir auch bei den Angehörigen intensive Aufklärung leisten.

Haben Sie auch Kontakt zu Hinterbliebenen – zu Angehörigen von verstorbenen Drogenabhängigen?

Kim Suer: Wir haben immer wieder die Situation, dass Leute versterben, die in der Beratungsstelle waren oder zu unseren offenen Treffs gekommen sind. Wir gehen zu den Beerdigungen oder schicken den Angehörigen eine Trauerkarte, die zeigt, dass wir mitbekommen haben, was passiert ist, und es uns leid tut. Für Hinterbliebene bieten wir Gespräche an oder wir vermitteln sie in Trauercafés weiter.

Beratungsstelle

Die Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Steinfurt ­ist sowohl in Borghorst (Kirchplatz 8, Telefon 0 25 52/70 60) als auch in Ochtrup (Parkstraße 6, Telefon 0 25 53/ 93 50 15) zu erreichen.

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