Do., 01.12.2016

„dreimann“ zum Abschluss der Ochtruper Kulturtage Gesungene Wetterkarte und Gefühlswelten

Markus Daubenspeck an der Gitarre.

Markus Daubenspeck an der Gitarre. Foto: Martin Fahlbusch

Ochtrup - 

Lieder, Licht und Lyrik hatten am Mittwoch in der Villa Winkel Hochkonjunktur. Guido Dahl als Ankündiger der Ochtruper Kulturtage stellte die Gruppe „dreimann“ als einen kulturellen Leuchtturm der Region vor und machte so die rund 30 Zuhörer regelrecht gespannt.

Von Martin Fahlbusch

Kennt man die Band schon etwas länger, ist die erste Frage, warum sie eigentlich „dreimann“ heißt. Mal sind es vier Herren und eine Dame, dann wieder stimmt die Quote noch weniger und im Moment sind in der angekündigten Formation die Geschlechtsgewichte gleich verteilt. Gottlob. Mit Uta Kröger hat sich eine Bassfrau zu Heide Bertram (Gesang, Instrumente aller Art, Improvisation und „Gelaber“ – wie sie es selbst formulierte) gesellt und bietet Peer Christian Stuwe (Texte, Musik, Gesang, Gitarre) und Markus Daubenspeck (Gitarren) Paroli. Und wie!

Zur allgemeinen Verwirrung trippelte am Mittwoch denen aber noch ein weiterer Mann auf die Bühne hinterher, nämlich Schlagzeuger Jürgen Hintz, der damit zumindest zahlenmäßig die namensgebenden Herren ins Lot brachte.

Egal wie besetzt, bei „dreimann“ sollte man genau hinhören, denn die Texte sind mit Bedacht geschrieben – zwischen Alltag, Wetter, Leben und westfälischer Spökenkiekerei. Irgendwie nicht verwunderlich, wenn man wie Peer Christian Stuwe in Ennigerloh geboren ist und aktuell in Saerbeck lebt und arbeitet – vor allen Dingen auch als freischaffenden Maler und Bildhauer.

Markus Daubenspeck mögen mittlerweile die Haare ausgehen, aber die Ideen und die Gitarrensaiten mitnichten. Und er macht es mit links. Zwischen dunklen Texten und windigen Passagen blitzen immer wieder lichtumstrahlt seine Gitarreneinfälle auf. Die eher zarte Bassfrau Uta Kröger hat einen ordentlichen Wumms und lässt die Finger hurtig und gekonnt über dass satte Instrument fliegen.

Neben dem ruhigen und eher abgeklärten Bandmittelpunkt Stuwe wuselt und scattet, posaunt, jault, fingert, flötet und – vor allem – singt (und das bestens) Heide Bertram. Die muss mitunter bei ihren Spontanmoderationen zwischen den Liedern liebevoll vom musikalischen Rest wieder eingefangen werden – damit die Songs zu ihrem Recht kommen.

Hinter dieser frontalen Viererbande saß bei diesem Programm „Alle Wetter“ Jürgen Hintz und stärkte denen nicht nur taktvoll den Rücken, sondern zeigte auch, dass man eine „Schießbude“ (Musikerjargon für Drums) ganz zart mit bloßen Händen zum Klingen bringen kann.

Ein sicher nicht unwichtiges Element des aktuellen Konzepts von „dreimann“ ist das zumeist bunte Licht, das über die Band gegossen wird – manchmal etwas hektisch und nicht immer zur Freude der Fotografen.

Allein schon die Liedertitel wiesen den aufmerksamen und gut unterhaltenen Zuhörern den Weg. Es begann mit „Sintflut“ und endete mit der Erkenntnis „Im Norden kein Schnee“. Aber das, was mit „Sturm“, „Sommer“, „Regen“ und „Wind“ wie eine gesungene Wetterkarte anmutet, lotet eben auch Gefühlswelten („Er hat mich verlassen“) und Lebensweisheiten („Beschissen wirst du überall“) höchst überzeugend und nachdenkenswert aus. Bei so viel „Weltuntergangsahnung“ und „Träumerei“ ist es dann bemerkenswert und erholsam, dass sich in so viel Nachdenkliches auch schon mal ein Reggae oder ein fetter Blues einschmuggelt. Es lebe die Abwechslung. So wie bei der „Regenstadt“, in der man plötzlich aus den nasskalten Erinnerungen ins Fliegen geraten kann, wenn man die leidigen Erinnerungen nur ordentlich über Bord wirft. Ein feiner Abschluss der 30. Auflage der abwechslungsstarken Ochtruper Kulturtage, die gut noch eine Menge Zuschauer mehr vertragen hätte.

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