Debatte um Klimaschutzkonzept
Manager – ja oder nein?

Ochtrup -

Mit dem 160 Seiten starken Klimaschutzkonzept hat sich jetzt der Ausschuss für Umweltangelegenheiten befasst. Um die 28 empfohlenen Maßnahmen umzusetzen, soll ein Klimaschutzmanager eingestellt werden. Nicht alle Politiker waren damit einverstanden.

Freitag, 12.05.2017, 09:05 Uhr

Für das Klimaschutzkonzept hat das Büro Energielenker zunächst geschaut, wie Ochtrups Energiebilanz aussieht.
Für das Klimaschutzkonzept hat das Büro Energielenker zunächst geschaut, wie Ochtrups Energiebilanz aussieht. Foto: Colourbox

Nach gut einem Jahr intensiver Arbeit ist es nun fertig: das Klimaschutzkonzept für die Stadt Och­trup. Die wichtigsten Punkte aus dem über 160 Seiten starken Endbericht stellte Daniela Windsheimer jetzt im Ausschuss für Umweltangelegenheiten vor.

Die Projektleiterin des Büros Energielenker – früher Infas Enermetric – skizzierte zunächst das Vorgehen. Nachdem der Rat Anfang 2016 einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte, legte das Fachbüro im Frühjahr mit seiner Arbeit los – und zwar mit einer Bestandsaufnahme. Wie ist die Energiebilanz von Ochtrup? Wie steht es um den Klimaschutz in der Töpferstadt?

Die Ergebnisse nahm das Büro im September mit in eine öffentliche Auftaktveranstaltung in der Stadthalle, bei der erste Ideen und Anregungen gesammelt wurden. Es folgten vier Workshops, in denen sich interessierte Ochtruper Gedanken um konkrete Themenfelder wie Mobilität oder Öffentlichkeitsarbeit machten. Begleitet wurde all das von einer Lenkungsgruppe, zu der lokale Akteure zum Beispiel aus der Stadtverwaltung oder Vereinen gehören. „Ein Beratungsgremium“, erläuterte Windsheimer.

28 Maßnahmen

Was dabei herauskam, sortierte und analysierte anschließend das Büro Energielenker. Das Ergebnis ist eine ausführliche Dokumentation sowie ein Katalog mit insgesamt 28 Maßnahmen und einer klaren Empfehlung: Die Stadt Ochtrup sollte einen Klimaschutzmanager beschäftigten, der als zentraler Ansprechpartner die Umsetzung des Konzepts steuert und überwacht. An dessen Einstellung seien zudem einige Fördergelder geknüpft, so Windsheimer.

Ein Vorschlag, der auch bei der Stadtverwaltung Anklang fand: Die Mitarbeiter im Rathaus hätten nämlich keine Kapazitäten mehr, um diese Aufgabe noch zusätzlich zu übernehmen, betonte Birgit Stening in der Sitzung des Ausschusses. „Dennoch schlagen wir vor, nur eine halbe Stelle einzurichten.“ Da diese mit 65 Prozent gefördert würde, kämen auf die Stadt pro Jahr rund 9800 Euro zu. Der Klimaschutzmanager könnte zunächst für drei Jahre eingestellt werden mit Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre.

Geteilte Meinungen

In der Politik rief der empfohlene Fahrplan geteilte Meinungen hervor. Gänzlich überzeugt von dem Konzept zeigten sich die Sozialdemokraten. „Das hat alles Hand und Fuß“, lobte Vincent ten Voorde den Bericht, der keinesfalls „einfach in der Schublade“ verschwinden dürfte. „Die Maßnahmen können wir voll und ganz unterschreiben.“ Auch die Einstellung eines Klimaschutzmanagers unterstütze die SPD . „Das kann die Verwaltung nicht mal eben so nebenbei machen.“ Mit Blick auf den städtischen Haushalt sei das „mehr als zu verkraften“.

Als „Öffentlichkeitsarbeit“ wollte Hermann Holtmann (FDP) das Klimaschutzkonzept verstanden wissen. „Die Menschen werden sensibilisiert.“ Ob solche Maßnahmen funktionierten, hänge aber davon ab, ob sie „praktikabel und bezahlbar“ seien. „Es geht bei den Menschen ums Geld.“ Die Entscheidung über den Klimaschutz falle seiner Meinung nach in Forschungslabors. „Die technische Entwicklung ist maßgeblich.“

Ganz anders sah das Michael Füll von den Grünen. „Ich glaube, dass der Klimawandel nicht in Büros, sondern in den Köpfen der Menschen bekämpft wird.“ Sein Kollege Franz Scheipers machte sich dafür stark, dass der Job des Klimaschutzmanagers, den er als „Koordinationsstelle“ sah, „möglichst kurzfristig geschaffen“ werden sollte.

Die CDU habe „nichts gegen das Konzept an sich“, machte Christa Lenderich deutlich. Aber: „Wir können nicht laufend Konzepte erstellen und dann neue halbe Stellen schaffen“, fand die Christdemokratin.

Fehlende Informationen

Auch die Freien Wähler lehnten die Einstellung eines Klimaschutzmanagers „nach jetzigem Stand“ ab. „Das muss hier erst einmal vernünftig durchgearbeitet werden“, sah Michael Reidegeld die Aufgabe bei der Politik, die einzelnen Maßnahmen des Katalogs abzuklopfen. Zudem fehle es an Informationen zum Beispiel darüber, welche Qualifikationen ein Klimaschutzmanager mitbringen müsste.

Viel Skepsis, viele Fragen, viele Unsicherheiten: Am Ende vertagten die Politiker ihre Entscheidung. Nun soll der Rat in seiner Sitzung Anfang Juni einen Beschluss fassen.

Energiebilanz der Stadt Ochtrup

Der Endenergieverbrauch der Stadt lag 2014 bei 565 723 Megawattstunden. 185 327 Tonnen CO2e (Kohlendioxid-Äquivalente) wurden in dem Jahr ausgestoßen – das sind 9,65 Tonnen pro Einwohner. Bis 2050 sollen die Emissionen in Ochtrup um 85 Prozent reduziert werden, der Endenergiebedarf um 40 Prozent.

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