Sa., 15.07.2017

Heinz Bruns und Paul Lütkehermölle Seit 70 Jahren in der Kolpingfamilie

Erinnern sich gemeinsam an die altne Zeiten: (v.l.) Heinz Bruns, Präses Ludger Bügener und Paul Lütkehermölle.

Erinnern sich gemeinsam an die altne Zeiten: (v.l.) Heinz Bruns, Präses Ludger Bügener und Paul Lütkehermölle. Foto: Irmgard Tappe

Ochtrup - 

Sieben Jahrzehnte - so lange sind Paul Lütkehermölle und Heinz Bruns bereits Mitglied der Kolpingfamilie. Die beiden haben allerhand zu erzählen. Zum Beispiel von einem Abend im Jahr 1949, als bei einem Festakt die Bühne zusammenkrachte.

Von Irmgard Tappe

„Ach kiek, Paul, gudden Aobend. Du sitzt ja all hier“, stellt Heinz Bruns fest, als er Paul Lütkehermölle am runden Tisch im Restaurant Odysseus entdeckt. „In diesem Hause war früher die Wirtschaft Krechting, und das war unser Vereinslokal“, erzählen die beiden Kolpingbrüder. „Und aus diesem Grund“, sagt Pastor Ludger Bügener, Präses der Kolpingfamilie Ochtrup, „habe ich diesen Ort auch als Treffpunkt für ein Pressegespräch gewählt.“

Die beiden rüstigen Kolpingbrüder tauschen bereits eifrig ihre Erinnerungen an gemeinsame Kolpingjahre aus. „Weißt du noch? Mittwochsabends sind wir hier zusammengekommen. Und bei jedem Treffen wurde das Kolpinglied gesungen.“

Nur Handwerksgesellen aufgenommen

70 Jahre liegt es zurück, dass die damaligen Nachbarjungs Mitglied des Gesellenvereins wurden. Paul Lütkehermölle öffnet seine Brieftasche und holt als Beweisstück seine Mitgliedskarte von 1947 hervor. „Nur Handwerksgesellen wurden aufgenommen. Bauern, Beamte und Angestellte kamen nicht in Frage. Und Frauen auch nicht“, erklärt der 91-Jährige, der Metallschlosser bei der Firma Laurenz war und dort von der Ausbildung bis zur Rente gearbeitet hat.

Heinz Bruns war Bäcker von Beruf, absolvierte seine Ausbildung im elterlichen Betrieb und arbeitete einige Jahre in Münster in der Bäckerei Pohlmeier. „Da möchte ich gerne noch mal wieder hin und gucken, wie es heute aussieht“, bemerkt der 90-Jährige.

Auf die Walz ist keiner der beiden Kolping-Urgesteine gegangen. „Wir waren immer heimatverbunden“, bemerken sie. Dennoch: Als Adolph Kolping in Rom selig gesprochen wurde, haben Paul Lütkehermölle und seine Frau heimatliche Gefilde verlassen, um live dabei zu sein. „Unsere Kinder hatten uns die Reise geschenkt“, sagt Lütkehermölle. Und Heinz Bruns erzählt von den „Kolpingausflügen mit Frauen“. Einmal seien sie mit einem Bus nach Köln gefahren und hätten das Grab Adolph Kolpings besucht. Diese Tagesfahrten der Ochtruper Kolpingfamilie hätten die Jubilare stets gern mitgemacht.

Heimatbühne als Institution

Überhaupt spielten sich ihre Freizeitaktivitäten im Kreise der Kolpingfamilie ab. „Da wurde sehr viel geboten“, erzählen sie und berichten von Volkstanzgruppe, Spielmannszug und Heimatbühne. Lütkehermölle lernte seine spätere Frau in der Volkstanzgruppe kennen und war viele Jahre aktiver Trommler im Spielmannszug. „Beim internationalen Tambourkorps-Wettstreit in Enschede haben wir einmal sogar den dritten Platz geholt“, verkündet er. Und Bruns erinnert sich noch gern an die Heimatbühne, wo jedes Jahr ein plattdeutsches Theaterstück aufgeführt wurde. „Eine Hauptrolle hatte ich allerdings nie. Aber einmal habe ich den Polizisten gespielt“, sagt er.

In Zeiten, als die Leute noch keinen Fernseher hatten, seien die plattdeutschen Aufführen der Kolping-Heimatbühne auch für die Ochtruper Bevölkerung ein Höhepunkt gewesen. „Zehn Aufführungen brachten wir jedes Jahr. Alle waren ausverkauft. Und in den Pausen spielte die Ochtruper Bauernkapelle. Wunderbar war das“, schwärmt Bruns.

Pastor Bügener berichtet, dass die Ochtruper Kolpingfamilie in früheren Zeiten auch Bildungsarbeit geleistet habe. „Bis zur Gründung der Volkshochschulen“, so der Präses, „war Kolping so etwas wie eine kleine VHS.“

Regierungspräsident sackte ein

Viele Josefsschutzfeste und Kolpinggedenktage sowie etliche runde Geburtstage der Ochtruper Kolpingfamilie haben Bruns und Lütkehermölle während ihrer Mitgliedschaft schon erlebt. Besonders das 40-jährige Bestehen im Jahre 1949 ist ihnen noch im Gedächtnis und sorgt für Heiterkeit in der Runde. „Weißt du noch, als die Bühne während des Festaktes plötzlich zusammenkrachte? Auch der Regierungspräsident sackte ein und hielt die Beine in die Luft“, erinnern sich Bügener, Bruns und Lütkehermölle lachend an den Vorfall, den die damaligen Honoratioren zum Glück heil überstanden.

Manch herzerfrischende Anekdote haben die Jubilare aus ihren sieben Kolping-Jahrzehnte zu berichten. „Alles erzählen wir Ihnen aber auch nicht“, meint Bruns verschmitzt. Aber dass sie die Entwicklung vom Gesellenverein zur Kolpingfamilie erlebt haben, ist natürlich kein Geheimnis. Und dass im Laufe dieser Entwicklung auch die Ehefrauen der Kolpingbrüder als Mitglieder aufgenommen wurden, war ihrer Meinung nach eine gute Entscheidung.

„Heute ist es selbstverständlich, dass Frauen und Männer aller Berufe willkommene Mitglieder der Kolpingfamilie sind“, betont Bügener. Die beiden Jubilare Paul Lütkehermölle und Heinz Bruns jedenfalls haben ihr Leben mit der Kolpingfamilie nicht bereut und möchten die schönen Erinnerungen nicht missen.

1947, das zeigt diese Mitgliedskarte, trat Paul Lütkehermölle der Kolpingfamilie bei.

1947, das zeigt diese Mitgliedskarte, trat Paul Lütkehermölle der Kolpingfamilie bei. Foto: Irmgard Tappe

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