Mi., 11.10.2017

Polizei berät zum Thema Einbruchschutz Fenster und Türen zu, Licht an!

Andreas Ewering erläutert, wie die sogenannte Pilzkopfverriegelung funktioniert.

Andreas Ewering erläutert, wie die sogenannte Pilzkopfverriegelung funktioniert. Foto: Anne Spill

Ochtrup - 

Wie Einbrecher vorgehen und wie sich Bewohner gegen ungebetene Gäste schützen können, darüber informierte die Polizei gestern im Rathaus. Die Zuhörer erfuhren dabei mitunter auch Überraschendes.

Von Anne Spill

Ein paar Sekunden dauert es, bis der Einbrecher in ein schlecht gesichertes Haus eingestiegen ist. Wenige Minuten, bis er zielsicher das Schlafzimmer angesteuert und den Schmuck in der Schatulle gefunden hat. Wie bei der Och­­­­­­­­t­ruperin, die am Dienstagmorgen im Rathaus sitzt und den Vortrag von Andreas Ewering verfolgt. „Alles ist weg“, berichtet sie. Um nicht noch einmal Opfer eines Einbruchs zu werden, informiert sich die Frau an diesem Vormittag darüber, wie sie ihre Wohnung besser schützen kann. Neben ihr nutzen noch einige weitere Ochtruper das kostenlose Beratungsangebot der Polizei – die meisten, um vorzubeugen.

Der Täter kommt tagsüber

Dabei erfahren sie einiges, was sie schon gewusst oder erahnt haben, aber mitunter auch Überraschendes: „Am Abend und nachts fürchte ich mich am meisten vor einem Einbrecher“, bekennt eine Besucherin zum Beispiel. Zu Unrecht, wie Kriminalhauptkommissar Ewering deutlich macht: „Die meisten Täter kommen in den Tagesstunden zwischen 7 und 22 Uhr.“ Und das in der Regel auch nicht maskiert, mit einem Fluchtauto und schwerem Gerät: „Das meistverwendete Tatwerkzeug ist ein massiver Schraubenzieher.“ Denn der lasse sich verdeckt transportieren. Ebenso passe das Diebesgut meist in Taschen: Bargeld, Uhren und Schmuck würden am häufigsten gestohlen – „um das große Ölgemälde oder den Flachbildfernseher muss man sich dagegen weniger Sorgen machen“, berichtet der Kriminalhauptkommissar.

Entgegen häufiger Annahmen handele der Täter oft situativ und beobachte die Zielobjekte vorher nicht wochenlang, berichtet Ewering weiter. Er schaue vielmehr nach konkreten Anzeichen, dass ein Bewohner nicht zu Hause ist: „Der Briefkasten quillt über, die Mülltonne steht nachmittags immer noch an der Straße oder es parkt kein Auto vor der Tür“, zählt der Polizist einige Beispiele auf. Auch heruntergelassene Rollläden seien – tagsüber – ein Hinweis für den ungebetenen Gast, dass sich in diesem Haus gerade niemand aufhält.

Wenn der Einbrecher klingelt

Wittere ein Täter seine Chance, klingle er häufig. „Das ist für ihn ja noch vollkommen ungefährlich“, erklärt Ewering. Öffne wider Erwarten jemand, stelle der Einbrecher eben eine unverfängliche Frage – nach dem Weg zum Beispiel. „Machen Sie sich also unbedingt bemerkbar, wenn Sie zu Hause sind und jemand an der Tür steht.“ Denn das sei normalerweise das Letzte, was ein Einbrecher – der in der Regel kein Gewalttäter sei – wolle: dem Hausbewohner begegnen.

Für den Herbst und Winter empfiehlt der technische Berater bei der Polizei außerdem, „während der dunklen Tagesstunden mit Licht zu arbeiten“. Und zwar nicht mit 15-Watt-Lämpchen in der Stehlampe im Fenster: „Wer Ihr Haus von außen sieht, soll denken: So viel Licht lässt keiner an, der nicht zu Hause ist.“ Dank LED-Technik und Zeitschaltuhren sei das heute nachhaltig und kostengünstig machbar.

Die Polizei informieren

Ewering appelliert weiter, immer die Polizei zu rufen, wenn jemandem etwas Verdächtiges auffällt. „Wenn Sie die Nummer der Ochtruper Dienststelle gerade nicht zur Hand haben, scheuen Sie sich nicht, 110 zu rufen.“ Die Beamten seien auf die Mithilfe der Bürger angewiesen.

Die Zuhörer an diesem Vormittag jedenfalls sind sensibilisiert – und nehmen sich die Ratschläge zu Herzen. „Im Bekanntenkreis hat es schon Einbrüche gegeben“, berichtet ein Ochtruper beim Herausgehen. Er selbst sei zum Glück noch kein Opfer geworden. Und das soll auch so bleiben.

Mechanische Sicherung

Neben dem richtigen Verhalten ist die Technik der entscheidende Baustein in Sachen Einbruchschutz. Auf Nummer sicher gehen Hausbesitzer mit neuen Fenstern und Türen nach der sogenannten RC-2-Norm. Wer nachrüsten möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Eine Pilzkopfverriegelung schützt vor einem Aufhebeln der Fenster. „Das ist die komfortable Variante“, erläutert Andreas Ewering. Der preisgünstigere Plan B sei eine Aufschraubsicherung auf beiden Seiten des Fensters. Zusätzlich sollten die Griffe abschließbar sein – für den Fall, dass der Täter die Scheibe einschlägt und versucht, das Fenster zu öffnen. Nur selten würde das Glas flächendeckend zerstört, damit der Einbrecher hindurchsteigen kann. „Das ist mit zu vielen Risiken verbunden.“ Bei Türen empfehle sich eine Dreifachverriegelung, so Ewering. „Wichtig sind außerdem vernünftige Schließbleche und massive Scharniere.“ Der Zylinder sollte mit einem Zieh- und Bohrschutz ausgerüstet sein oder mit einer Schutzrosette versehen werden.

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