Do., 12.10.2017

Kursus an der VHS Plattdeutsch als Kulturgut erhalten

Blättern im Lehrbuch: Pastor Ludger Bügener (l.) und Ferdi Becker leiten den VHS-Kursus.

Blättern im Lehrbuch: Pastor Ludger Bügener (l.) und Ferdi Becker leiten den VHS-Kursus. Foto: Irmgard Tappe

Ochtrup - 

Ein Kursus in Plattdeutsch startet an der Volkshochschule. Es haben sich bereits einige Interessenten zusammengefunden, die diese liebenswerte und zugleich robuste Mundart gern erlernen wollen. Verstärkung ist aber erwünscht.

Von Irmgard Tappe

Für die ältere Landbevölkerung war Plattdeutsch vielfach die erste Muttersprache. Dann – etwa zu der Zeit, als die Dorfschulen geschlossen wurden – fanden es viele nicht mehr schick, diese Mundart zu beherrschen. „Im Münsterland galt Plattdeutsch damals als Sprache der einfachen Leute. Die Norddeutschen hingegen hatten eine andere Einstellung zu ihrer Mundart. Für sie war es die Sprache der Hanse“, sagt Pastor Ludger Bügener. Der verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt sei sogar stolz gewesen, dass er das Platt seiner Region perfekt beherrschte.

Inzwischen habe das Platt in den Köpfen der Münsterländer zum Glück wieder einen höheren Stellenwert, freut sich Bügener. Auch er zählt zu den Menschen, die das Plattdeutsch von Kindesbeinen an gelernt haben. Ebenso wie der frühere Grundschulrektor Ferdi Becker. Die beiden Dozenten des VHS-Plattdeutschkurses möchten daran mitwirken, dass das „Mönsterländer Platt“ als Kulturgut erhalten bleibt. Am vergangenen Montag sind sie mit einem Infoabend im Kursraum der Villa Winkel gestartet.

Bügener erzählt Historisches zur plattdeutschen Sprache, die noch älter als das Hochdeutsche sein soll. „Bereits vor Luther soll es eine plattdeutsche Bibelübersetzung gegeben haben“, teilt der Geistliche seinen aufmerksamen Zuhörern mit. Unter ihnen ein weiterer Grundschulrektor im Ruhestand, nämlich Manfred Schründer. „Als Vorsitzender des Heimatvereins sollte man auch Plattdeutsch reden können“, schildert er seine Motivation. Auch Bruno Kippelt würde diese liebenswerte und zugleich robuste Mundart gern erlernen, weil es die Mitglieder des Heimatvereins von den Vorstandsmitgliedern erwarten.

Mitreden können

Die Anwesenden haben sich aus unterschiedlichen Gründen entschieden, die Schulbank zu drücken. „Ich bin in eine Gegend gezogen, wo viel Plattdeutsch gesprochen wird. Da möchte ich gern mitreden können“, bemerkt ein Teilnehmer. Und ein Wahl-Ochtruper erklärt, er habe in der Töpferstadt schon so viele Leute Plattdeutsch reden hören. Da habe er Lust bekommen, diese Sprache ebenfalls zu beherrschen.

Während der Einführungsveranstaltung erfahren die Lernwilligen, dass der Kursus ihnen ein Fundament bietet, auf das sie aufbauen können. „Wir wollen den Teilnehmern die Scheu nehmen, Plattdeutsch zu reden“, erklären die Dozenten. Anhand von kurzen Anekdoten werde das Gehör für die Mundart geschult und die Sprache geübt. Natürlich gehöre auch ein bisschen Grammatik dazu. „Aber keine Sorge“, schmunzelt Ferdi Becker, „diese Theorien werden wir spielerisch einfließen lassen.“ Klassenarbeiten, Diktate und stures Vokabelbüffeln stehen allerdings nicht auf dem Plan. „Hausaufgaben aber schon“, kündigt Bügener an. Na dann: Vuoll Plaseer!

Noch Plätze frei

Der Plattdeutsch-Kursus richtet sich sowohl an Anfänger ohne Vorkenntnisse als auch an Menschen, welche die Mundart zwar verstehen, aber nicht sprechen können. Da mit Ludger Bügener und Ferdi Becker zwei Kursleiter zur Verfügung stehen, besteht die Möglichkeit, auf eventuell unterschiedliche Voraussetzungen individuell einzugehen. Der Kursus ist in zwei Blöcke mit je vier Doppelstunden aufgebaut. Der erste Block startet nach den Herbstferien am 6. November (Montag) von 19.30 bis 21 Uhr in der Villa Winkel. Es sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen bei der VHS unter Telefon 0 25 53/ 9 39 80 oder im Netz.

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