Sa., 11.11.2017

Schulprojekt zum Thema Zwangsarbeit Verbindung zum Himmel

Haben viele Informationen über die Situation der Zwangsarbeiter in Ochtrup zusammengetragen: (v.l.) Lena Reckels, Lasse Luttermann, Rabea Herrmann, Henrika Heitmann, Cosima Bahr und Lisa Sahle.

Haben viele Informationen über die Situation der Zwangsarbeiter in Ochtrup zusammengetragen: (v.l.) Lena Reckels, Lasse Luttermann, Rabea Herrmann, Henrika Heitmann, Cosima Bahr und Lisa Sahle. Foto: Anne Spill

Ochtrup - 

Die Leistungskurse Kunst und Geschichte des Gymnasiums beschäftigen sich seit einigen Monaten mit dem Thema Zwangsarbeit in Ochtrup. Um die Schicksale der Menschen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, wollen sie ein Mahnmal auf dem Oster-Friedhof errichten.

Von Anne Spill

Es ist ein Thema, das ihnen am Herzen liegt – und von dem sie sich wünschen, dass es stärker in die Öffentlichkeit rückt: Seit einigen Monaten beschäftigten sich Schüler am Städtischen Gymnasium mit dem Leben der Zwangsarbeiter in Och­trup während der NS-Zeit. Mit einer Stele und einer Skulptur wollen die jungen Leute an das Schicksal der Menschen erinnern.

Als Mitschülerin Alena Jasiak im Februar dieses Jahres ihre Facharbeit über dieses Thema vorstellte, war für die beiden Leistungskurse Geschichte und Kunst sofort klar: Das ist etwas, was nicht allein auf Papier niedergeschrieben in einen Schrank wandern sollte – sondern ein wichtiger Teil der Ochtruper Geschichte, der auch andere Töpferstädter etwas angeht, der nicht vergessen oder verdrängt werden sollte. „Man denkt ja, dass es so etwas nur in großen Städten und Firmen gab“, schildert Lisa Sahle. Doch auch in der Heimatstadt seien im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter im Einsatz gewesen. „Da wird das ganze Thema plötzlich sehr greifbar“, hat die Gymnasiastin festgestellt.

Für die Oberstufenschüler stand also fest: „Wir wollten etwas machen, um der Menschen zu gedenken.“ Und da passte es gut, dass sich der Kunst-LK unter Leitung von Karolin Hörsting im Unterricht gerade ohnehin mit dem Thema Skulpturen befasste. Denn eine solche konnten sich die Schüler auch gut für ein Mahnmal vorstellen. Bald schon reifte die Idee: Ein massives Vogelbecken aus Naturstein sollte es werden – als eine Art verbindendes Element von Erde und Himmel. Und das, fanden die Schüler, passe gut auf den Friedhof in der Oster. Denn dort müssen sich einst fünf Gräber von Zwangsarbeiterkindern befunden haben, die aber – vermutlich Ende der Fünfziger – beseitigt wurden.

Die Schüler fragten also kurzerhand bei der Kirchengemeinde St. Lambertus an, ob sie eine Rasenfläche auf dem Friedhof nutzen dürften, um dort eine neue Erinnerungsstätte zu schaffen. Dort stießen sie auf ebenso offene Ohren und helfende Hände wie im Rathaus. „Der Bürgermeister fand das gut und unterstützte unser Anliegen gleich“, berichtet Rabea Herrmann. Überhaupt: Die ganze Stadtverwaltung stehe seither mit Rat und Tat zur Seite.

Doch damit noch nicht genug: Denn eine Skulptur aus Naturstein kostet schon eine veritable Summe. Also wurden die engagierten Schüler bei verschiedenen Firmen in Ochtrup vorstellig und baten um Spenden für ihr Projekt. Manchmal ohne Erfolg, oft aber mit: Und so ist schon ein Teil des benötigten Geldes zusammengekommen. „Wir würden uns aber freuen, wenn wir noch weitere Unterstützer fänden“, hofft der Lehrer des Geschichtskurses, Andreas Pohlmann. Denn nur, wenn die erforderliche Summe gedeckt ist, könnte der Naturstein noch in diesem Jahr bestellt werden.

Aber nicht nur der. Um die Besucher des neuen Mahnmals über den Hintergrund zu informieren, wollen die Gymnasiasten neben dem Vogelbecken eine Stele anbringen. Und dafür hieß es: weiter recherchieren. Einen wichtigen Grundstock an Informationen hatte Alena Jasiak mit ihrer Facharbeit über die Krankenschwester Margund Fehrmann, die sich tapfer und selbstlos um die Kinder der Zwangsarbeiterinnen kümmerte, bereits geliefert. Nun wollten ihre Mitschüler noch tiefer in die Materie eintauchen – und erhielten dabei tatkräftige Hilfe von Stadtarchivarin Karin Schlesiger. Auch wenn „die Quellenlage eher dünn ist“, wie Lehrer Andreas Pohlmann feststellte: Die Schüler trugen so einige interessante wie erschütternde Informationen rund um die Zwangsarbeiter in Ochtrup zusammen. Und so manches Mal tat sich sogar eine Verbindung in die Gegenwart auf.

Viel Zeit und Mühe haben die Gymnasiasten schon in ihr Anliegen gesteckt – auch außerhalb des Unterrichts, an Nachmittagen und Wochenenden. So stellten sie das Projekt zum Beispiel im Mai auf dem Museumstag vor. Bei all dem waren die jungen Leute aber durchaus mit Freude dabei: „Es macht Spaß, kursübergreifend zu arbeiten“, hat zum Beispiel Lena Reckels festgestellt.

Nun geht es auf die Zielgerade. Sobald die Finanzierung steht, soll der Stein für die Skulptur kommen. Denn für den 27. Januar (Samstag) haben die Gymnasiasten die Enthüllung im Kalender stehen. Nicht zufällig: Denn das ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Und bis dahin müssen die Schüler wohl noch – ganz buchstäblich – ordentlich „reinkloppen“. . .

Zum Thema

Wer das Projekt der Schule unterstützten möchte, kann dies zum Beispiel mit einer Spende machen. Die Kontonummer ist über das Sekretariat zu erfahren (Telefon 0 25 53 / 99 31 90).

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