Di., 05.12.2017

Kulturringkonzert in Villa Winkel Pianistin Gerlint Böttcher begeisterte

Gerlint Böttchers facettenreiches Spiel begeisterte das Publikum beim Kulturringkonzert in der Villa Winkel.

Gerlint Böttchers facettenreiches Spiel begeisterte das Publikum beim Kulturringkonzert in der Villa Winkel. Foto: Rieke Tombült

Ochtrup - 

Franz Liszt bleibt der Maßstab für das Klavierspiel. Zum dritten Mal gastierte die international renommierte Pianistin Gerlint Böttcher im Rahmen der Konzerte des Kulturringes in Ochtrup. Erneut traf sie in der Villa Winkel auf ein begeistertes Publikum, das fasziniert dem facettenreichen Spiel folgte. Schwerpunkt des Programms waren Werke von Franz Liszt.

Den Auftakt bildeten sechs Stücke aus Liszts musikalischem Reisetagebuch „Années de Pélerinage-Wanderjahre-erstes Jahr: Schweiz)“. Fanfaren, vollgriffige Klänge, die „Tellskapelle“ führt als eine Art Ouvertüre in das Geschehen ein. Abgeklärt, im richtigen Tonfall baut Gerlint Böttcher das stufenlos schwellende Klanggefüge der „Pastorale“ auf. Nicht immer steht bei Liszt das Virtuose im Vordergrund, die Pianistin zeichnete feinfühlig die versonnenen, stimmungsvollen Momente nach, eben die Ruhepunkte, die Liszt in der Natur suchte. Ausgeprägt im Kernstück des Zyklus „Vallée d’Obermann“. Es ist weniger Abbild der Landschaft als Spiegelung der Seelenlage Liszts. Überlegen die Interpretation durch Gerlint Böttcher: grüblerisch-melancholisch der Einsatz des Hauptmotivs in der linken Hand, darüber fast schemenhaft das kantable Schweben der Akkorde der rechten Hand. Das war die „unerbittliche Einsamkeit“ wie sie Liszt empfunden hat. Konzentriert der Aufbau der ekstatischen Ausbrüche, endend im Oktavendonner kurz vor Schluss im Wahnsinnstempo.

Nach soviel Sturm und Drang begann der zweite Teil ruhiger. Jan Vaclav Vorisek wird den sogenannten Kleinmeistern, was immer das bedeuten mag, zugerechnet. Gerlint Böttcher hat die Schönheit der Musik dieses Zeitgenossen von Franz Schubert wiederentdeckt. Zwei Rhapsodien aus op.1 (Nr.9 g-moll; Nr.10 C-Dur) mögen als Beleg dienen: ungeahnter Melodienreichtum im Mittelteil, von technischem Feuerwerk umrahmt, souverän von der Pianistin gestaltet. Auch Xaver Scher-wenka gehört zu den zu Unrecht Vergessenen, wie die Interpretationen des Impromptus D-Dur und der Novelette f-moll demon­strierten.

Zwei Stücke des im September dieses Jahres verstorbenen Günther F. Kasseckert führten ins 21.Jahrhundert. „Sehr anschauliche Musik“, so die Pianistin. „Nebelgestalten“ und „Feuertanz“ waren dafür ein eindeutiger Beleg.

Franz Liszts wohl bekannteste „Ungarische Rhapsodie (Nr.2 cis-moll)“ mit seinen satztechnischen Sensationen und einer Prestissimostretta mit beidhändigen Oktaven sorgte für einen umjubelten Abschluss. Als Zugabe ließ Gerlint Böttcher die „Halbesel“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens über die Tastatur des Flügels rasen.

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