In Ochtruper Töpfe geschaut
Wie ein Vaterunser beim Stutenkerl-Backen helfen kann

Ochtrup -

Zum Nikolaustag gibt es Stutenkerle, das ist zumindest in Ochtrup ein ungeschriebenes Gesetz. Der Heimatverein hat am Dienstag im Spieker in Langenhorst gezeigt, wie man die leckeren Weckmänner selbst backen kann.

Mittwoch, 06.12.2017, 05:12 Uhr

Backkunst zu Nikolaus: Mitglieder des Ochtruper Heimatvereins haben am Dienstag im Spieker Stutenkerle gebacken – natürlich im alten Steinbackofen.
Backkunst zu Nikolaus: Mitglieder des Ochtruper Heimatvereins haben am Dienstag im Spieker Stutenkerle gebacken – natürlich im alten Steinbackofen. Foto: Irmgard Tappe

Bruno Kippelt öffnet die untere Etage des Steinofens und stochert mit einer langen Eisenstange in der Glut. Im Alten Spieker in Langenhorst werden an diesem Morgen Stutenkerle nach altem Rezept gebacken. Mehl, Eier, Butter, Zucker, Milch und Hefe stehen bereit. Die backfreudigen Mitglieder des Arbeitskreises Heimatkunde ebenfalls. 30 Stutenkerle wollen sie backen.

In einer Wanne vermengen sie Mehl, Zucker, Butter und etwas Salz. In einem anderen Gefäß wird die Hefe in lauwarmer Milch aufgelöst. Während Manfred Schründer , Hildegard Schulze Elshoff und Maria Issinghoff die Zutaten vorbereiten, liegt die Teigverarbeitung in den Händen von Markus Issinghoff. Der knetet, was das Zeug hält. 

Der Stutenkerl-Teig muss kräftig geknetet werden, „anners wett dat nix“, sagt Maria Issinghoff (2.v.r.).

Der Stutenkerl-Teig muss kräftig geknetet werden, „anners wett dat nix“, sagt Maria Issinghoff (2.v.r.). Foto: Irmgard Tappe

„Noch etwas Mehl nachschütten. Der Teig klebt an den Händen“, gibt er Anweisungen, während er unermüdlich weiter knetet, bis die Masse geschmeidig ist. „So, jetzt muss das Ganze 45 Minuten gehen“, sagt Issinghoff. Die Frauen decken den Teig ab und stellen ihn an einen warmen Ort.

Kindheitserinnerungen an Äpfel, Nüsse und Apfelsinen

Zeit für die Beteiligten, Erinnerungen an die Nikolausfeste ihrer Kindheit auszutauschen. „Es gab immer einen Stutenkerl, einen Apfel, ein paar Nüsse und wenn man Glück hatte, sogar eine Apfelsine“, erinnern sich Manfred Schründer und Hildegard Schulze Elshoff.

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Beim nächsten Knetdurchlauf nimmt sich jeder der fünf Hobbybäcker vom Heimatverein einen Teigklumpen vor. „Ihr müsst den Teig zur Seite drehen, drücken und gleichzeitig kneten. Anners wett dat nix“, gibt Maria Issinghoff Tipps und demonstriert, wie ein Hefeteig perfekt bearbeitet wird. Die 80-Jährige hat Erfahrung. Sie hat schon unzählige Brote im Laufe ihres Lebens gebacken.

Die schönsten Traditionen im Herbst und Winter

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  • Im Herbst und Winter pflegen die Menschen in Westfalen einige liebgewonnene Traditionen. Kennen Sie alle? Seit über 200 Jahren wird in vielen Orten des Münsterlands das Lambertus-Fest gefeiert – mit Laterne, Pyramide und traditionellem Liedgut. Der Festtag des heiligen Lambert ist der 18. September.

    Foto: mfe
  • Ein weiteres „Laternenfest“ kennt hingegen vermutlich jeder in der Region: Sankt Martin. Vielerorts wird am 11. November die Geschichte des Bischofs von Tours, der mit einem Bettler seinen Mantel teilte, nachgespielt und mit einem Laternenumzug gefeiert.

    Foto: Drunkenmölle
  • Für einige gehört er schon zu St. Martin, andere beißen erst am Nikolaustag beherzt zu: Der Stutenkerl wird aus Hefeteig gebacken und hat traditionell eine Tonpfeife eingesteckt. Diese soll übrigens daher stammen, dass man im evangelischen Raum den Bischofsstab einfach umgedreht hat.

    Foto: Uta Rademacher
  • Mindestens vier Wochen vor Weihnachten beginnt die Adventszeit. An jedem der vier (Advents-) Sonntage wird eine weitere Kerze am Adventskranz angezündet.

    Foto: Hildenbrand, dpa
  • Eine weitere, vielgenutzte Möglichkeit, die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen: Adventskalender in allerlei Variationen.

    Foto: LH Marketing
  • Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne Weihnachtsmärkte? Ein Besuch auf einem der duftenden Märkte gehört einfach dazu!

    Foto: Markus Lehmann
  • Viele nutzen den Weihnachtsmarktbesuch als Vorwand, um Glühwein zu trinken – gerne auch mit Schuss. An kühlen Wintertagen kommt so mancher schnell auf „Betriebstemperatur“.

    Foto: Jenke
  • Und so sieht das Getränk aus, das dem Film den Namen gegeben hat.

    Foto: Colourbox.de
  • Solche Plätzchenausstecher haben wohl die meisten Kinder des Münsterlands schon einmal in der Hand gehabt. Plätzchen backen gehört bei vielen Familien noch zum vorweihnachtlichen Standardprogramm.

    Foto: Kai Remmers, dpa
  • Auf den 6. Dezember freuen sich besonders die Kinder sehr. Denn dann kommt der Nikolaus und steckt den artigen von ihnen Süßigkeiten und Geschenke in den Stiefel. Knecht Ruprecht, der unartige Kinder mit der Rute straft, ist hingegen aus der Mode gekommen.

    Foto: Colourbox.de
  • Weihnachten ohne Tannenbaum?! Kaum vorstellbar. Man findet ihn beinahe in jedem Haushalt im Münsterland.

    Foto: Colourbox.de
  • Eine Tradition, die wohl niemand gerne aufgibt: Heiligabend werden die Geschenke unter den Christbaum gelegt.

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  • Die Weihnachtsgans ist in vielen Haushalten der Region immer noch ein alljährlicher Brauch.

    Foto: Colourbox.de
  • Neben dem ganzen festlichen Essen, gibt es an den Weihnachtsfeiertagen auch noch süße Verlockungen. Christstollen schmecken in der Weihnachtszeit eben besonders gut.

    Foto: Kai Remmers,dpa
  • Am 26. Dezember wird an die Steinigung des heiligen Stephanus gedacht. Am zweiten Weihnachtstag ziehen viele Münsterländer mit einem Stein in der Tasche von Kneipe zu Kneipe. Wer keinen Stein dabei hat muss eine Runde bezahlen. Mancherorts werden (wie im Bild) regelrechte Stephanus-Partys gefeiert.

    Foto: Brüggemann
  • Für viele gehört es zu Silvester: Beim Bleigießen sollen die entstandenen Werke Aufschluss über das Geschehen im nächsten Jahr geben.

    Foto: Bernd Weißbrod , dpa
  • Kein Jahreswechsel ohne Feuerwerk. Pünktlich zum Jahreswechsel sollen – nach alter Tradition – durch Raketen und Böller die „bösen Geister“ verjagt werden. Dass man auch in den Tagen davor und danach immer wieder Böllerei hört, liegt wohl daran, dass einige auf Nummer sicher gehen wollen.

    Foto: Markus Lehmann
  • Bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, ziehen als Heilige Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar gekleidete Kinder von Haus zu Haus und sammeln Spenden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Sternsinger segnen das Haus mit den Buchstaben „CMB“ und der jeweiligen Jahreszahl. „CMB“ steht entgegen einer weit verbreiteten Meinung jedoch nicht für Caspar, Melchior und Balthasar, sondern – zumindest offiziell – für die lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“, was so viel bedeutet wie „Christus segne dieses Haus“.

    Foto: Angelika Fliegner

Nach ausgiebigem Knetprozess formen die Heimatfreunde die Stutenkerle und bepinseln sie mit Eigelb und Milch. Jetzt noch das Backwerk mit ein paar Rosinen verschönern. Zum Schluss kommt das charakteristische Merkmal – die Tonpfeife – und danach ab mit den gefüllten Backblechen ins Obergeschoss des alten Steinbackofens.

Die Tonpfeife darf bei einem Stutenkerl nicht fehlen.

Die Tonpfeife darf bei einem Stutenkerl nicht fehlen. Foto: Irmgard Trappe

Temperaturmessung per Vaterunser 

Einen Temperaturregler hat das nostalgische Schätzchen allerdings nicht. Für die Heimatfreunde allerdings kein Problem. Bruno Kippelt streut eine Handvoll Mehl auf die Backfläche. „Das Mehl sollte weiß bleiben. Wenn es sich schnell braun färbt, ist die Temperatur zu heiß“, sagt er. Maria Issinghoff kennt noch eine andere Methode. „Den Arm ausgestreckt in den in den Ofen halten und ein Vaterunser dabei beten. Wenn es dir danach immer noch nicht zu heiß wird, dann passt die Temperatur.“ Beide Methoden werden umgesetzt, und nach 20-minütiger Backzeit sind leckere Stutenkerle das Ergebnis.

Goldbraun und knusprig, so sollen die Stutenkerle sein.

Goldbraun und knusprig, so sollen die Stutenkerle sein. Foto: Irmgard Tappe

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