Do., 07.12.2017

24 Stunden in Ochtrup Eine Drehscheibe für Milch

Richtig rund geht es jeden Morgen und jeden Abend auf dem Melkkarussell auf dem Hof von Jan Franke in der Wester: Der präsentierte auch ganz stolz einige eintägige Kälbchen – eingekuschelt in eine Art Wintermantel..

Richtig rund geht es jeden Morgen und jeden Abend auf dem Melkkarussell auf dem Hof von Jan Franke in der Wester: Der präsentierte auch ganz stolz einige eintägige Kälbchen – eingekuschelt in eine Art Wintermantel.. Foto: Martin Fahlbusch

Ochtrup - 

Die Adventsserie geht weiter. Diesmal hat WN-Mitarbeiter Martin Fahlbusch Ereignisse an einem besonderen Karussell beobachtet, und zwar morgens um 6 Uhr.

„Eine schöne Fahrt, eine tolle Fahrt – und beim nächsten Mal geht‘s rückwärts. Von wegen. Obwohl wir schon lange Dezember haben, fährt Jan Franke mit seinen 200 Kühen nicht Schlitten, sondern Karussell. Vielleicht liegt es an der berühmten Morgenstunde, die hier das alles durcheinanderbringt.

Passgenau auf Höhe

Passgenau auf Höhe Foto: Martin Fahlbusch

Als der Berichterstatter in der Wester den Hof Nr. 282 erreicht haben, blickt Jan Franke schon freundlich aus der Stalltür. „Na, alles frisch? Obwohl, ich sollte leise sein. Gestern hatte unser Nachbar Geburtstag. Da fiel mir das Aufstehen heute Morgen etwas schwerer als sonst. Es war nur mäßig spät, aber es fing eben auch früh an mit der Feierei. So ist das bei den Deutschen“, grinst der holländische Hofbesitzer. Dessen Kondition scheint trotzdem zu stimmen, denn er hilft dem Mann von der Zeitung, sich in Overall und Stiefel zu zwängen. Und natürlich hat der nette Niederländer noch genug Muße, sich eine Zigarette zu drehen. Genau. Mit dem Tabak aus der blauen Packung und den dünnen Blättchen ist er trotz seiner großen Arbeitshände aber auch sowas von geschickt. Der hat nicht nur den Dreh bei seinen filterlosen Zigaretten raus, sondern auch bei seinen Tieren.

Warten, dass es weitergeht.

Warten, dass es weitergeht. Foto: Martin Fahlbusch

Die akustische Begrüßung im großen Kuhstall ist imposant. „Die merken genau, dass heute nicht nur ich komme. Die sind deshalb extra neugierig; sind halt Damen“ Sagt´s und schiebt eine große Schwarz-Weiße, die sich besonders für die Kamera interessiert, mit Leichtigkeit zur Seite. „Wir bugsieren die Herde jetzt in Richtung Melkkarussell-Eingang“, so seine Erläuterung. Wir? Lieber schauen wir zu, wie er in dem Meer von schwarz-weißen Kuhrücken verschwindet, um einige Langschläfer in den Boxen persönlich zum Melkgang einzuladen. Zum Glück ist immer wieder seine Lesebrille zwischen den Tierkörpern zu sehen, die sich in Jan Frankes leicht grauen Harren eingenistet zu haben scheint. „Das ist genau der richtige Moment nachzusehen, ob in der Herde irgendwas nicht stimmt, ob einzelne Tiere irgendwelche Probleme haben,“ erzählt er und schiebt Metalltore in den Weg, damit die Kühe nicht den Rückweg antreten. Vorne am Karusselleingang gibt es keine Kasse mit Fahrchips, sondern eine Art Flaschenhals, der nur immer einer Kuh den Zugang zum Karussell erlaubt. Schön hintereinander. Geschickt zwängt sich der Milchbauer an einer Kuh vorbei und springt behände in den tiefer liegenden Innenteil einer großen runden Halle, deren erhöhter Rand sich langsam dreht. Die Kühe, die auf diese Drehscheibe einzeln und nebeneinander geleitet werden sind nun so ausgerichtet, dass die Euter genau dort zugänglich sind, wo der Bauer, der Schürze und Armstulpen aus Gummi sowie Einmal-Handschuhe übergestreift hat, auf Augenhöhe sich der Euterpflege widmen und die Zitzen säubern kann, bevor die Stutzen der Melkeinrichtung sich festsaugen. Auf einem Monitor kann er den Zulauf der Tiere überwachen und auch von dort aus bestimmen, wohin sie nach der Milchabgabe laufen können. Wasser und Futter warten schon. Bald läuft es auf der tierbeladenen Drehscheibe richtig rund: Kuh kommt, Euter wird vorbereitet, Melkeinheit wird angesetzt, Weiterfahrt. Digitale Messgeräte verkündeten die abgezapfte Literzahl und die Milch wird über Rohrleitungen in einen großen Sammelbehälter gepumpt und langsam heruntergekühlt.

„Bloß keinen Stress. Die Tiere merken das. Die sollen Ruhe beim Melken haben“, sagt Jan Franke. „Wenn es länger dauert, drehe ich mir halt eine. Und noch was: Du musst Natur und Tiere mögen, sonst bist Du falsch in der Landwirtschaft.“

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