Schwierigere Situation für Hebammen
„Hier geht es um Menschen“

Ochtrup -

Die Zahl der Geburten steigt. Doch es gibt immer weniger Hebammen. Oftmals muss eine Hebamme sechs oder sieben Geburten betreuen. Die beiden Ochtruper Hebammen Elke Jansen in de Wal und Elke Iking hören in ihrer Praxi von vielen Müttern, dass ihnen die persönliche Betreuung im Kreißsaal fehlt.

Donnerstag, 17.05.2018, 06:05 Uhr

In vielen Krankenhäusern sind Hebammen Mangelware.
In vielen Krankenhäusern sind Hebammen Mangelware. Foto: dpa

An diesem Morgen hatte Elke Iking Stress. Spontan musste die Ochtruper Hebamme eine ihrer schwangeren Frauen von der Praxis aus mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus begleiten. Kurzfristig bat sie die anderen Frauen im Wartezimmer hinaus, organisierte Termine um. „Die hatten sehr viel Verständnis“, ist die 58-Jährige froh.

Bis zu 20 Frauen monatlich betreuen sie und ihre Kollegin Elke Jansen in de Wal in ihrer Hebammenpraxis an der Brookstraße. Sie haben ordentlich zu tun. Ihr Fokus liegt auf der Vor- und Nachsorge von Schwangerschaft und Geburt. Die Geburt an sich begleiten die beiden Hebammen nicht.

Doch die Berichte der frischgebackenen Mamas aus den Kreißsälen der Krankenhäuser erreichen die zwei Elkes natürlich trotzdem. Nicht selten werde da Kritik laut, weil die Qualität der Betreuung oftmals zu wünschen übrig lasse. Geburten, wie sie Familie Tahat jüngst im Gronauer Antonius-Hospital erlebte (wir berichteten), seien da keine Seltenheit. Oftmals gelte es für die Hebammen in den umliegenden Krankenhäusern, sechs oder sieben Geburten gleichzeitig zu betreuen. „Der Überblick ist da, aber die persönliche Betreuung fehlt dann“, weiß Elke Iking. Den Hebammen macht sie keinen Vorwurf. Die könnten sich schließlich nicht zweiteilen. Grundsätzlich fehle es aber einfach an Personal. Nicht selten befände sich zudem ein Teil der Hebammen in Elternzeit, werde aber voll mitgezählt. „Dann kommen vielleicht noch ein paar Krankmeldungen dazu und dann steht man da. Das kann ja nicht funktionieren“, sagt Elke Iking.

Auch die beiden Ochtruper Hebammen Elke Jansen in de Wal (l.) und Elke Iking wissen um die schwierige Situation ihres Berufstandes.

Auch die beiden Ochtruper Hebammen Elke Jansen in de Wal (l.) und Elke Iking wissen um die schwierige Situation ihres Berufstandes. Foto: Anne Steven

Die Hebammen müssten mehr arbeiten, die Bezahlung sei aber schlecht. Hinzu kommen Wochenend- und Feiertagsdienste sowie Rufbereitschaft. Außerdem hat die Zahl der Geburten in den vergangenen Jahre deutlich zugenommen. 2015 wurden laut Information und Technik NRW als statisches Landesamt in Nordrhein-Westfalen 160 468 Kinder geboren; das waren 3,5 Prozent mehr als 2014 und die Geburtenzahl damit so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr (2002: 163 434).

Die werdenden Mütter machten in vielen Fällen gute Miene zum bösen Spiel. „Die Frauen haben sehr viel Verständnis“, weiß Elke Janse in de Wal. Doch der Personalmangel zöge einen ganzen Rattenschwanz weiterer Probleme nach sich. So seien auch auf den Wöchnerinnen-Stationen zu wenige Krankenschwestern und wichtige Dinge wie beispielsweise die Stillberatung blieben auf der Strecke. Kein Wunder, wenn zwei Schwestern für bis zu 40 Patientinnen zuständig seien. „Die sitzen ja auch nicht herum und trinken Kaffee“, stärkt Elke Jansen in de Wal dem Pflegepersonal den Rücken. In ihrer Praxis muss sie mit ihrer Kollegin dieses Pensum wieder auffangen. „Wir merken das sofort, ob die Frauen im Krankenhaus gut beraten wurden“, erzählt Elke Iking.

Und Elke Jansen in de Wal weiß, dass sich die beschriebenen Probleme von der Geburt und die Betreuung durch eine Hebamme noch weiter ziehen. „Kita-Plätze sind schließlich oftmals auch Mangelware.“ „Da wird der Fachkräftemangel deutlich“, meint ihre Kollegin. „Ja, nur geht es hier eben um Menschen, um die kleinsten“, schränkt Elke Jansen in de Wal ein.

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