Entsorgung von Verpackungsmüll
Gelbe Tonne statt Sack?

Ochtrup -

Zack, schon wieder ein Loch: Gelbe Säcke reißen verflixt häufig. Und landet ein angeschlagener Beutel dann auch noch bei Wind und Wetter am Straßenrand, verteilt sich der Müll ganz gerne mal in der Nachbarschaft. Mancher wünscht sich daher lieber eine stabile Tonne für seinen Verpackungsabfall. Bislang standen die Aussichten da eher schlecht. Doch jetzt können Sack-Gegner aufhorchen.

Freitag, 18.05.2018, 06:05 Uhr

Verflixt, schon wieder ein Riss: Gelbe Säcke sind nicht besonders stabil.
Verflixt, schon wieder ein Riss: Gelbe Säcke sind nicht besonders stabil. Foto: Wilfried Gerharz

Denn mit dem neuen Verpackungsgesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, besteht theoretisch die Möglichkeit zu einem Wechsel. Welche Optionen es gibt, darüber klärte Eva Witthake, Prokuristin der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt (EGST), jetzt die Mitglieder des Ochtruper Umweltausschusses auf.

Die Expertin erläuterte zunächst einmal den Hintergrund: In Deutschland ist es gesetzlich geregelt, dass der Verbraucher bereits beim Kauf eines verpackten Produktes für die Entsorgung des Drumherums mitbezahlt. Später muss er dafür nicht mehr aufkommen. Die Hersteller beauftragen die sogenannten dualen Systeme, an die sie Lizenzgebühren zahlen, mit der Sammlung und Verwertung der Leichtverpackungen. Die wiederum haben sich bisher gegen eine Umstellung auf die Gelbe Tonne gesträubt, weil sie in den meisten Fällen wohl teurer wäre.

Mit der Einführung des neuen Verpackungsgesetzes haben Kommunen nun die Möglichkeit, den Systembetreibern „geeignete“ Vorgaben zur Art des Sammelsystems, zum Behälter und zur Häufigkeit der Leerungen zu machen. Die EGST bietet den Städten und Gemeinden im Kreisgebiet eine Prüfung an, inwieweit ihre Forderung juristisch durchzusetzen wäre.

Dafür müssen allerdings erst einmal die Kommunen selbst überlegen, was sie wollen: Ist ein stabiler Müllbehälter für den Verpackungsmüll tatsächlich sinnvoll und erwünscht? Entscheidet sich die Ochtruper Politik für die Tonnenvariante, braucht es einen entsprechenden Ratsbeschluss. Und dann heißt es hoffen, dass die anderen Kommunen genauso denken: „Wenn alle Städte und Gemeinden im Kreis eine Gelbe Tonne wollen, dann hätte man eine deutlich bessere Verhandlungsposition“, machte Eva Witthake deutlich.

Die Töpferstädter müssen nun abwägen: Tonne oder Sack? Für den Beutel, der laut Eva Witthake übrigens absichtlich so dünn ist (Fehlwürfe fallen dann buchstäblich stärker ins Gewicht), sprechen nämlich der Expertin zufolge auch einige Argumente. So ist er nicht nur platzsparender, er muss auch nicht gereinigt werden. Außerdem ist die Müllmenge nicht begrenzt, da beliebig viele Säcke an die Straße gestellt werden können. Zudem fällt es schneller auf, wenn der Beutel falsch befüllt wurde – und darum landen auch weniger Fehlwürfe im Gelben Sack.

Vorteil der Tonne ist vor allem die besagte Stabilität. Nichts reißt, und es steht nicht zu befürchten – außer bei Orkanböen vielleicht –, dass der Müll umherweht. Aber: Ist der – sperrigere – Behälter einmal voll, ist er voll. Und da laut Vorschrift die Gelbe Tonne nicht häufiger abgefahren werden darf als die Restmülltonne, würde die Leerung in Ochtrup nur alle vier Wochen erfolgen. Auch darf die Tonne, das ist die Vorgabe, nicht größer sein als ihr Pendant mit dem schwarzen Deckel.

Vor- und Nachteile beider Varianten.

Vor- und Nachteile beider Varianten.

Argumente, mit denen sich jetzt die Fraktionen auseinandersetzen müssen. Am Ende gilt es, sich für eine Variante auszusprechen. Ein Mischsystem durchsetzen zu können, wie es etwa Lienen und Westerkappeln noch haben und bei dem man im Einzelfall zwischen Sack und Tonne wählen kann, ist nach Einschätzung von Eva Witthake eher utopisch.

Ein gewisses Risiko ist im Übrigen auch dabei: Lehnen die dualen Systeme eine gewünschte Umstellung ab und wird der Klageweg beschritten, müsste die Kommune etwaige Prozesskosten selbst tragen.

Die Wertstofftonne

Eine dritte Variante ist die Wertstofftonne. In ihr werden nicht nur Verpackungen, sondern auch „stoffgleiche Nichtverpackungen“ gesammelt. „Das sind zum Beispiel kleine Spielzeuge oder Emsa-Pötte“, erläuterte Eva Witthake. Bei der Wertstofftonne zahlt neben dem „Inverkehrbringer“ auch der Bürger einen Teil der Entsorgung. Bislang hat keine Kommune im Kreis Steinfurt diese Tonne. Eine Einführung sei höchstens möglich, „wenn alle mitmachen“, so Eva Witthake.

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