Start der Fußball-WM in Russland
WM-Bazillus grassiert nicht überall

Ochtrup -

Der Ball rollt wieder: Was trauen die Ochtruper der deutschen Mannschaft zu? Und lassen sie sich überhaupt vom WM-Bazillus anstecken? Wir haben uns in der Töpferstadt umgehört.

Donnerstag, 14.06.2018, 12:00 Uhr

In Russland startet die Fußball-WM.
In Russland startet die Fußball-WM. Foto: dpa

Lukas und Pia Wülker fiebern der Fußball-Weltmeisterschaft erwartungsvoll entgegen. Klar, dass sie der deutschen Mannschaft ganz fest die Daumen drücken. Und sie sind optimistisch, dass Jogis Elf den WM-Titel verteidigt.

„Aber das können die nur schaffen, wenn sie viel, viel besser sind als beim Spiel gegen Österreich. Da haben die Deutschen richtig schlecht gespielt. Und verloren haben sie auch“, bemerkt Lukas mit Kennermiene. Als aktiver E-Jugendspieler kennt sich der Neunjährige aus in Sachen Fußball. Die Deutschlandspiele werden Lukas und Pia sich natürlich im Fernsehen anschauen. Gemeinsam mit Freunden und Eltern. „Wir bauen ein Zelt auf und möchten die WM als kleines Nachbarschaftsevent erleben“, erzählt Mama Stephanie Wülker bei einer Umfrage dieser Zeitung.

Was trauen die Ochtruper der deutschen Mannschaft zu? Und lassen sie sich überhaupt vom WM-Bazillus anstecken? Auf diese Frage hat Hans-Jürgen Lahme eine knappe und klare Antwort: „Nein.“ Weil Fußball seiner Meinung nach kein Sport mehr ist, sondern reine Geldhascherei.

Willi Rößmann bemängelt ebenfalls die kommerzielle Seite der WM. Nur eine spezielle Sportzeitschrift, die werde er sich während dieser vier Wochen kaufen. Und sein Weltmeistertipp? „Brasilien, Spanien oder Deutschland könnten es schaffen. Aber manchmal gibt es auch Überraschungen. Ich wünsche mir jedenfalls, dass der Titel an die Mannschaft geht, die am besten und fairsten gespielt hat“, sagt Rößmann.

Werner op de Bekke traut dem deutschen Team nicht zu, dass es den WM-Titel verteidigt. In den letzten fünf Spielen hätte die Mannschaft keinesfalls mit Leistung geglänzt. „Dieses Mal“, vermutet op de Bekke, „könnte Frankreich es schaffen. Die haben eine ausgewogen besetzte Mannschaft. Oder die Spanier. Die sind auch gut. Man kann es nun mal nicht vorhersagen.“

Hermann Oelerich findet, dass in der deutschen Mannschaft zu viele ältere Spieler dabei sind. Daher glaubt auch er nicht, dass der WM-Pokal erneut nach Deutschland geht. „Bis zum Viertelfinale werden sie es aber wohl schaffen“, schätzt er.

Markus Feldkamp indes möchte keine Prognose abgeben. „Ich kenne mich zu wenig aus, um da mitreden zu können. Aber viele meiner Fahrschüler vermuten, dass Deutschland höchstens das Viertelfinale erreicht“, sagt der Fahrlehrer, der sich aus einem ganz besonderen Grund auf die WM freut. „Während der WM-Übertragungen werde ich mich aufs Motorrad setzen und ein paar Runden fahren. Weil es dann so schön ruhig auf den Straßen ist“, meint er lachend.

Auch Helmut Janning bekennt, dass er „für Fußball eigentlich nix übrig hat“. Aber WM-Spiele, bei denen hochkarätige Mannschaften am Ball sind, werde er wohl verfolgen. „In aller Ruhe zu Hause. Mit einer gut gekühlten Flasche Bier“, verkündet er. Berthold Kuhmann ist ebenfalls kein heißer Fußballfan. „Ein paar Spiele schaue ich mir eventuell an. Je nachdem, wie weit die Deutschen kommen“, sagt er. Ob sie es denn bis ins Endspiel schaffen? „Vielleicht. Deutschland ist ja eine typische Turniermannschaft“, bemerkt Kuhmann.

Der 17-jährige Lucas kann es kaum erwarten, dass die WM startet. Gemeinsam mit Freunden wird er die Spiele vor dem heimischen Bildschirm verfolgen. Deutschland und Brasilien sind seine Favoriten, wobei er der deutschen Elf den WM-Sieg am ehesten zutraut. Trotz der Schlappe gegen Österreich. „Das muss nichts zu bedeuten haben. Da waren ja etliche gute Spieler nicht eingesetzt“, sagt er. Der achtjährige Fabio erzählt, dass er WM-Sticker sammelt und zwei Lieblingsmannschaften hat: „Deutschland sowieso und Brasilien, weil ich den Neymar so gut finde. Und wenn keine WM ist, dann bin ich ein Fan von Schalke und Gladbach“, erklärt er und grinst verschmitzt.

Und wie beurteilen die Ochtruper das umstrittene Austragungsland Russland? „Politik sollte ja eigentlich mit Sport nichts zu tun haben. Aber in diesem Fall wohl. Wie der Putin mit den Leuten umgeht und wie der bei der Krim vorgegangen ist, das ist haarsträubend. Man kann nur hoffen, dass die deutschen Politiker ein Zeichen setzen und der WM fernbleiben“, bemerkt Heinrich Evers. Ähnlich argumentieren auch andere Befragte, die allerdings anonym bleiben wollen. Und eine Och­truperin, die ebenfalls nicht genannt werden will, ist der Meinung: „Das ist nun mal so entschieden. Und vielleicht dient es ja auch der Völkerverständigung.“

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