Ochtruper wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht
„Aber angefasst habe ich sie nicht“

 Ochtrup/ Rheine / Wettringen  -

Gegen einen 45-jährigen Angeklagten aus Och­trup wurde bereits am 10. Juli 2017 wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines zwölfjährigen Kindes verhandelt (wir berichteten). Am Mittwoch ging die Verhandlung nun weiter.

Freitag, 15.06.2018, 07:00 Uhr

Wegen sexuellen Missbrauchs stand am Mittwoch ein Mann aus Ochtrup vor Gericht.
Wegen sexuellen Missbrauchs stand am Mittwoch ein Mann aus Ochtrup vor Gericht. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, seine sexuellen Bedürfnisse bereits in einem Chat mit dem Mädchen deutlich gemacht und es unter Druck gesetzt zu haben. Schließlich sollen sie sich am 14. August 2016 in einem Wäldchen am Kindergarten St. Martin in Wettringen getroffen haben. Dort habe er sie laut Anklage unter der Kleidung berührt und beischlafähnliche Handlungen an ihr vollzogen. Das Gericht verurteilte ihn wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen zu einem Jahr und sechs Monaten mit Bewährung. Die beischlafähnlichen Handlungen konnten ihm nicht urteilssicher nachgewiesen werden. Zudem muss der Ochtruper 1 000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Der Richter sagte in der Urteilsbegründung: „Kinder müssen in ihrer sexuellen Entwicklung geschützt werden. Man kann nicht einfach Kontakte zu ihnen aufnehmen, die auf sexuelle Handlungen ausgerichtet sind.“

Der Angeklagte räumte den Versuch im Chatroom nach vielem Hin und Her ein und sagte immer wieder: „Aber angefasst habe ich sie nicht“. Dabei ging deutlich aus den Nachrichten hervor, dass er sie zumindest geküsst zu haben scheint. Zudem schrieb er: „Ich will ja nicht deinetwegen in den Knast kommen“. „Warum sollten Sie in den Knast kommen, wenn Sie sie nicht einmal angefasst haben?“ fragte der Staatsanwalt. Der Angeklagte hatte dafür keine plausible Erklärung.

Im Gegensatz zur ersten Verhandlung bestätigte der 45-Jährige nun, dass er im Chatroom von dem Mädchen erfahren hatte, dass es erst zwölf Jahre alt war. Sie sprachen über Sex. Er fragte, ob sie die Pille nehmen würde. Als sie sich nicht näher auf diese Gespräche einlassen wollte, drohte er, Kontakt zu anderen Frauen aufzunehmen. Das wollte die Zwölfjährige aber nicht. Es folgten kontroverse Gesprächen, die der Richter verlas.

Schließlich sei es zu zwei Treffen zwischen dem 11. August und dem 31.Oktober 2016 in Wettringen gekommen. Laut Anklage berührte der Anklagte das Mädchen unsittlich unter der Kleidung. Als er noch zudringlicher wurde, rief sie: „Lass das!“ und stieß seine Hand zurück. Daraufhin habe er von ihr abgelassen, verlas der Staatsanwalt. Der Angeklagte bestritt jedoch vehement bis zum Schluss jede Berührung. Die Geschädigte hatte in ihrer polizeilichen Vernehmung bei der Anzeige aber genau den Tathergang wie angeklagt beschrieben. Nach dem Protokoll stellte die Vernehmungsbeamtin dazu jedoch keine gezielten Fragen, was der Staatsanwalt kritisierte.

Die Eltern des Mädchens waren aufmerksam geworden, weil die Zwölfjährige plötzlich ein neues Handy mit nach Hause brachte, das der Angeklagte ihr geschenkt hatte. Sie fragten nach und ließen nicht locker. So erfuhren sie von ihrer Tochter, was geschehen war und gingen zur Polizei.

Die Strafe des Angeklagten wurde zur Bewährung ausgesetzt, da dieser nicht einschlägig vorbestraft war und einen festen Arbeitsplatz hat.

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