Di., 10.02.2015

Steinfurter Sprachpreis feiert das Poesiealbum / Ideenwerkstatt im Bürgerhaus „. . . aber unsere Freundschaft nicht“

„Gesundheit webe Ihre Tage, Zufriedenheit vergolde sie. . .“ Günter W. Denz vom Verein Deutsche Sprache (VDS), Schulamtsdirektorin Karin Kindervater, Schulleiterin Dr. Ulrike Itze und Ludger Kordt (VDS) stellen mit dem „Steinfurter Sprachpreis“ an das gute alte Poesiealbum in den Mittelpunkt.

„Gesundheit webe Ihre Tage, Zufriedenheit vergolde sie. . .“ Günter W. Denz vom Verein Deutsche Sprache (VDS), Schulamtsdirektorin Karin Kindervater, Schulleiterin Dr. Ulrike Itze und Ludger Kordt (VDS) stellen mit dem „Steinfurter Sprachpreis“ an das gute alte Poesiealbum in den Mittelpunkt. Foto: Hans Lüttmann

Saerbeck - 

Zusammengehalten wird das poetische Projekt unter der Schirmherrschaft von Landrat Thomas Kubendorff vom „4. Steinfurter Sprachpreis“, der jetzt für den Poesiealbum-Wettbewerb ausgeschrieben wird. Im Kaminzimmer des Bürgerhauses trafen sich dazu Grundschullehrerinnen und veranstalteten eine Ideenwerkstatt, in der sie das weitere Vorgehen besprachen. Bislang haben 17 Grundschulen ihre Mitarbeit an dem Projekt zugesagt, in das auch jetzt noch weitere Schulen einsteigen können.

Von Hans Lüttmann

Jedes Mädchen hatte eins. Manchen ist das heute peinlich. Das Poesiealbum. Glanzbilder, Aufkleber, selbst gemalte Blümchen. Dazu kurze, manchmal kitschige Verse oder Sinnsprüche, mit Füller auf Bleistiftlinien geschrieben oder leicht schräg auf die weiße Seite gekrakelt: „Ein Körbchen voll Rosen, zwei Täubchen dazu, das Liebste von allen bist nur du.“ „Lebe deine Träume, aber verträume nicht dein Leben.“ Oder der Klassiker: „In allen vier Ecken soll Freundschaft drin stecken.“ Komplett mit vier Eselsohren.

Heute gibt’s doch Facebook, Playstation und Streicheltelefon – wer soll sich denn da noch für Ur-Omas pubertäre Peinlichkeiten interessieren? Die Saerbeckerin Margit Kordt vom Vorstand des Vereins Deutsche Sprache (VDS) weiß die Antwort und hat eine Idee: „Viertklässler“ heißt die Antwort und „Gestaltung einer Poesiealbum-Seite“ die Idee. Mit dieser Idee steckte der VDS-Vorstand im Steinfurter Kreishaus Schulamtsdirektorin Karin Kindervater an, und zwar so gründlich, dass sie inzwischen schon eine erkleckliche Sammlung alter Poesiealben zusammengetragen hat.

Die spezielle, altertümlich anmutende Art der Freundschaftsbekundung über flotte Sprüche und zu Herzen gehende Reime stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die damaligen Poesiealbum wurden meist von Studenten geführt, die darin Autogramme ihrer berühmten Lehrer sammelten. Martin Luther und auch der große Humanist Melanchthon signierten viele solcher Bücher. Bis ins 18. Jahrhundert waren Poesiealben reine Männersache, erst im Zeitalter der Empfindsamkeit (etwa 1740 bis zur Französischen Revolution 1789) entdeckten auch Frauen den Reiz der feinfühligen Freundschaftsbeweise.

Für Jungs ist das eher nichts. Was nicht heißen soll, dass die nicht auch ihre Büchlein haben: Freundschaftsbücher, die aber mit Poesie nicht viel gemein haben. In Poesiealben werden eher Gedichte für Freunde aufgeschrieben, während in Freundschaftsbüchern persönliche – oft vorformulierte – Eintragungen zu Vorlieben des Eintragenden niedergeschrieben werden: Name, Spitzname, Hobby, woher wir uns kennen, und was ich am besten kann.

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