Fr., 05.12.2008

Saerbeck Dorf im Ausnahmezustand

Von Marlies Grüter

-grü- Saerbeck. Das Dorf im Ausnahmezustand: Eine gefährliche Windhose ist am Vormittag über die Gemeinde hinweggezogen und hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Seniorenheim, Kindergärten und Schulen sind betroffen. Die Rettungskräfte der Feuerwehr sind pausenlos im Einsatz. Ein Szenario, dass am vergangenen Mittwoch jedoch nur auf dem Papier existierte, um den Rahmen für eine erste „Trockenübung“ des SAE (Stab für außergewöhnliche Ereignisse) zu bieten.

Dazu gehören Verwaltungsmitarbeiter, Verbindungsleute zur Feuerwehr und Ärzte, die im Fall des Falles im Rathaus zusammen kommen und von hier das regeln, was Experten den „administrativen Bereich“ nennen.

Der SAE koordiniert bei „Großschadensereignissen“ die Hilfsmaßnahmen, sorgt für die Evakuierung von Menschen, unterrichtet die übergeordneten Behörden (etwa das Umweltamt) und informiert die Bürger. „Die Rettungskräfte können sich dann auf den operativen Bereich konzentrieren“, erläutert Dirk Tepper, stellvertretender Gemeindebrandinspektor, der das Konzept erarbeitete. „Mehr als ein Jahr hat die Vorbereitung gedauert“, schildert Bürgermeister Wilfried Roos, der im SAE die Leitung innehat. „Alles ist so weit vorbereitet, dass im Notfall der SAE schnell einsatzbereit ist, um Gefahren von der Bevölkerung abzuwehren.“

Schaltzentrale ist im Ernstfall das Rathaus, das über eine Notstromversorgung verfügt. „Alles, was sonst gebraucht wird, vom Bleistift bis zur funktionstüchtigen Telefonanlage, liegt in Notfallkoffern bereit“, so Tepper. Wie das SAE-System funktioniert, erlebte die Verwaltung am Mittwoch und fand sich schnell in die „Rollen“ ein, die Jedem zugewiesen sind.

„Natürlich hoffen wir alle, das der SAE, der über eine eigene Handyschleife alarmiert wird, nie zusammen kommen muss“, macht Tepper deutlich, betont aber, dass gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels Unwetterereignisse zunehmen und mit dem starken Lkw-Verkehr, der sich über die B 475 durchs Dorf quält, auch die Gefahr eines Unfalls mit Chemikalien wächst. „Wir sind jetzt gut gerüstet und können im Ernstfall schnell reagieren, denn oberste Priorität muss der Schutz der Bevölkerung haben“, sind sich Roos und Tepper einig.

Anstoß für die Überlegungen, einen Krisenstab in der Gemeinde einzurichten, war das Schneechaos, von dem Saerbeck zwar nur mittelbar betroffen war, das aber deutlich machte, wie schnell eine Großschadenslage entstehen kann. „Saerbeck hat mit der Einrichtung des SAE eine Vorreiterrolle im Kreis eingenommen“, unterstreicht Tepper.

Eine der wichtigen Aufgaben, die der SAE wahrnimmt, ist die Information der Bevölkerung. Deshalb ist Teil des Konzeptes auch eine besondere Notrufnummer. Die Nummer 89-111 sollten sich alle Saerbecker merken: Sie ist die „Hotline“ zum Krisenstab ins Rathaus, wenn dieser tatsächlich wegen eines schlimmen Ereignisses zusammenkommen muss. Die Nummer ersetzt aber nicht die „normalen“ Notrufnummern 110 und 112.

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