Carsten Ausmann im Gespräch
Mi., 08.02.2012
„Es ist toll, etwas mitzugestalten“
Carsten Ausmann, SPD-Vorsitzender, Ratsmitglied und nun auch Vorsitzender des Verkehrsvereins.
Carsten Ausmann rührt in Saerbeck in vielen Töpfen – als SPD-Vorsitzender, als Ratsmitglied, als stellvertretender Bürgermeister und jetzt auch als Verkehrsvereins-Vorsitzender. Im Gespräch mit WN-Redakteurin Monika Gerharz sprach er darüber, was ihn an seinem ehrenamtlichen Engagement fasziniert, wo er seine Schwerpunkte sieht und wie die Klimakommune touristisch vermarktet werden kann.
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Herr Ausmann, Sie sind SPD-Parteivorsitzender, Ratsherr, Stellvertretender Bürgermeister und jetzt auch Vorsitzender des Verkehrsvereins – alles ehrenamtlich. Was motiviert Sie?
Carsten Ausmann: Den Betriebsratsvorsitzenden bei Feldhaus in Emsdetten haben Sie vergessen (lacht). Aber im Ernst: So genau habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Dass mich der Verkehrsverein interessiert, liegt daran, dass es einfach interessant ist, dessen Aufgaben mit der Klimakommune zusammen zu bringen. Das gilt übrigens auch für Markus Rahe und Ludger Hartken, die mit mir zusammen das Vorstands-Trio beim Verkehrsverein bilden.
Und die Ratsarbeit?
Ausmann: Da bin ich durch Zufall reingerutscht. Ich habe schon immer mit der SPD sympathisiert, mein Schwager hat mich dann 2004 in eine SPD-Versammlung mitgenommen, ich saß zwischen ihm und Herbert Neiße, die haben mich bearbeitet – und im gleichen Jahr war ich auch schon Ratsmitglied.
Haben Sie den Entschluss schon mal bereut?
Ausmann: Überhaupt nicht. Es ist toll, mitzugestalten. Ich finde auch die Persönlichkeiten im Rat, quer durch die Parteien, interessant. Ich wurde sehr gut aufgenommen – obwohl ich erst seit 2000 in Saerbeck wohne.
Hat solches ehrenamtliche Engagement auch Schattenseiten?
Ausmann: Auf jeden Fall. Die Öffentlichkeit sieht solche Ämter anders als man selbst. Wenn ich zum Beispiel im Betrieb mal einen halben Tag frei nehme für meine Arbeit in Saerbeck, heißt es schnell: Guck, der macht sich einen schönen Tag. Es wird verkannt, welche Arbeit damit verbunden ist. Die Leute kommen mit ihren Anliegen, beschweren sich, wenn etwas nicht so klappt wie sie wollen. Aber Anerkennung ist eher selten.
Politiker gelten gern als machtversessen. Ist das ein Vorurteil?
Ausmann: Ich kann mir vorstellen, dass die Machtgelüste stärker durchkommen, je höher es geht. Da geht es um Posten, um Berufstätigkeit, damit um Geld und, ja, auch um Macht.
Es ging das Gerücht, Sie wollten den SPD-Vorsitz abgeben.
Ausmann: Das war kein Gerücht. Ich habe es mal in die Runde geworfen. Wenn jemand aus dem Ortsverein ernsthaft bereit wäre, würde ich das Amt schon aufgeben. Aber dafür jemanden zu finden, ist schwer. Sich in der Öffentlichkeit hinstellen und zu sagen: Ich stehe für die SPD, das ist in Saerbeck nicht so einfach.
Dabei hat man den Eindruck, dass die SPD und die CDU sich in zentralen Themen auf Gemeindeebene ziemlich einig sind . . .
Ausmann: Ich könnte böse sagen, dass es rot-grüne Projekte waren, die in Saerbeck besonders erfolgreich sind – Bioenergiepark und Gesamtschule beispielsweise. Aber die Skepsis gegenüber den Roten ist jahrzehntelang gelegt worden. Das verschwindet nicht so schnell.
In der Frage der Klimasiedlung am Bevergerner Damm ist es nun vorbei mit der Harmonie.
Ausmann: Ich sehe mit Besorgnis, dass sich eine Skepsis gegen die Energiewende überhaupt entwickelt. Mit dem Bioenergiepark und der Genossenschaft funktioniert es in Saerbeck gut. Aber wenn es ans eigene Portemonnaie geht, sieht für viele die Sache anders aus. Meine Ansicht ist: Wir hätten die Bauwilligen auf der Warteliste bedienen und dann unabhängig davon eine Klimaschutzsiedlung ausschreiben sollen. Und dafür hätte man werben müssen. Man muss die Bürger von Ideen überzeugen wollen und nicht nur darauf schielen: Was wollen sie sowieso.
Im Großen und Ganzen sind sich die Fraktionen, abgesehen von der UWG, aber ziemlich einig. Ist es angesichts dieser Harmonie für die SPD nicht schwierig, ein eigenständiges Profil zu entwickeln?
Ausmann: In vielem sind wir einig. Aber die Akzente sind bei uns durchaus noch mal andere als bei den Grünen. Uns kommt es darauf an, die notwendige Haushaltskonsolidierung sozial abzufedern – ein Stichwort wäre beispielsweise die Elternbeiträge für die Kindergärten und die Offene Ganztagsgrundschule. Ganz wichtig ist uns auch, dass die Grund- und die Gewerbesteuer wieder auf den fiktiven Hebesatz gesenkt werden.
Seit drei Wochen sind Sie nun Vorsitzender des Verkehrsvereins, der die Klimakommune touristisch vermarkten will. Wie soll das gehen?
Ausmann: Der Verkehrsverein kann die Angebote nicht selbst machen. Wir wollen die Kommunikationsstelle sein, die die Angebote bündelt – angefangen von der Erstellung eines entsprechenden Faltblattes. Außerdem überlegen wir, ob wir vorhandene Fahrräder von der Fahrrad-AG der Gesamtschule, der Gemeinde und der CAJ-Werkstatt zu einem Pool zusammenfassen, um so für entsprechende Mobilität zwischen Heizzentrale, Energielehrpfad und Bioenergiepark zu sorgen. Denkbar wäre auch, dass wir einen Verleiher für Segways, wie sie Rheine für Stadtführungen verwendet werden, für ein Angebot in Saerbeck interessieren.
Wie profitiert das Dorf davon?
Ausmann: Der Verkehrsverein kann sich nicht hinstellen und die Brötchen schmieren. Das muss die Gastronomie übernehmen. Wenn die Leute mal im Dorf sind, sind sie auch schnell in der Eisdiele. Das Interesse an einer solchen Zusammenarbeit ist da, nicht nur in Saerbeck. Wir haben zum Beispiel eine Anfrage vom Tipi-Hotel in Birgte, das gerne den Bioenergiepark in sein Angebot einbauen will.
Sie rühren derzeit in vielen Töpfen. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ausmann: Eigentlich immer noch an derselben Stelle.
Keine Lust auf Bundes- oder Landespolitik?
Ausmann: Von Saerbeck weggehen? Auf keinen Fall. Wenn ich durchs Dorf gehe, sehe ich so viel, was ich mitgestaltet und mitentschieden habe. Das gibt es nirgends sonst.