Jugendleiter sehen sich als Vorbilder
Mi., 01.02.2012
„Trinken ja, saufen nein“
Die alkoholfreien Partys des Jugendrotkreuzes Tecklenburger Land in der Aura beweisen: Spaß geht wunderbar ohne Promille. Und echte Freunde gewinnt man nicht mit beschwipstem Kopf.
Saerbeck -
Karneval, Jugendliche und Alkohol: Diese Mischung sorgt immer wieder für Diskussionen. Für die Jugendverbände in Saerbeck ist die Sache klar: Kein Alkohol für Jugendliche unter 16. Und die Gruppenleiter haben eine Vorbildfunktion.
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Heute wird mit dem Sturm der Narren aufs Rathaus die heiße Phase des Karnevals eingeläutet. Und es werden wieder die Kronkorken zischen und die Pinnchen herum gehen. Dann treffen auch Alkohol und Jugendliche zusammen. Wie wird das Thema Alkohol in Saerbecker Jugendverbänden eingeschätzt? Um diese Frage zu beleuchten, hat sich die WN beim jüngsten Treffen des Arbeitskreises (AK) Jugend, dem Dachverband der Jugendverbände und –einrichtungen im Dorf, dazu gesetzt. Einige Tage zuvor hatte der AK Jugend eine Gruppenleiterfortbildung zum Thema durchgeführt.
In der täglichen Arbeit, den Gruppenstunden und Aktionen sehen die AK-Mitglieder kaum Berührungspunkte mit dem Thema Alkohol. Die Aussage ist eindeutig: „Wenn einer unter 16 Jahre ist, darf der bei der Kolpingjugend kein Bier trinken“, sagt zum Beispiel Anna-Lena Leiting. Und von der Jugendfeuerwehr heißt es: „Bis 16 Jahre gibt es gar nichts.“ Florian Bücker (Kolping) unterstreicht: „Im Verein habe ich als Leiter die Aufsichtspflicht“. Auf das Alter der Gruppenmitglieder achten, merken, wenn jemand unter 16 Jahren schon einmal mit Alkohol in Berührung gekommen ist, das hält Anna-Lena Leiting für wichtig. Der Einstieg ins Trinken ist nicht selten mit 14 Jahren schon passiert, so die Erfahrung der ehrenamtlichen Jugendarbeiter.
Verein ist allerdings nicht immer und überall, und die Festzelt-Party im Karneval ist keine Gruppenstunde. Die Gruppenleiterrolle gilt trotzdem weiter, meint Eike Spieker von den Pfadfindern. „Man bleibt Vorbild in dem Sinn, dass man nicht besoffen herum torkelt“, stellt er die Forderung an sich selbst und seine Kollegen. „Trinken ja, saufen nein“.
Bei alldem ist man sich im AK Jugend einig, dass sich die Trinkgewohnheiten verändern, weg vom Bier und hin zu Mixgetränken mit Hochprozentigem. „Jugendliche wählen mit Cola-Korn die billigste Möglichkeit, schnell besoffen zu werden“, meint die Diplom-Sozialarbeiterin Theresia Welchering. Sie sagt aber auch, dass man Alkohol „nicht komplett verteufeln“ sollte. „Wenn du es ganz verbietest, machen sie es heimlich“, setzt auch Werner Heckmann auf einen teil-offenen Umgang mit dem Thema. „In Jugendverbänden wird bei entsprechendem Alter verantwortlicher getrunken als anderswo“, benennt er den Unterschied zwischen Verein und freier Piste. Genau hier sieht Heckmann den Beitrag zum angemessenen Umgang mit Alkohol, den die Jugendverbandsarbeit im Dorf kontinuierlich leistet: „Sie trägt dazu bei, dass Jugendliche starke Persönlichkeiten werden, die zwar auch mal trinken, aber nicht verantwortungslos.“ Junge Leute nicht vor dem fast unvermeidlichen Alkohol bewahren wollen, sondern ihnen rechtzeitig den richtigen Umgang damit beibringen, so versteht auch Theresia Welchering ihre Aufgabe. Die Eltern will sie aber nicht aus der Verantwortung entlassen. „Mit zwölf oder 13 Jahren zu Silvester Sekt – da hört´s auf“, zieht sie eine Grenze. Ihr Ratschlag für Karneval: „Aufeinander achten und Grenzen beachten.“
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