Klimaschutz

Mi., 01.02.2012

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Klimaschützer aus Überzeugung

Klimaschutz : Klimaschützer aus Überzeugung

Heute ist das Projekt Klimaschutzsiedlung am Bevergerner Damm Thema im Gemeinderat. Johanna und Elmar Schulte haben sich längst entschieden: Sie wollen auf jeden Fall ihr Passivhaus bauen. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

Elmar (68) und Johanna (66) Schulte wissen genau, wie ihr neues Haus sein soll: Eine dicke Passivhaus-Dämmung soll es haben und dreifach verglaste Fenster. Es soll nach Süden ausgerichtet sein und so die Sonnenenergie passiv nutzen. Das große Ziel der beiden: wegkommen von fossilen Energieträgern, Selbstversorger mit erneuerbaren Energien werden, loskommen von Monopolisten und Großkonzernen.


Das Projekt Klimaschutzsiedlung am Bever­gerner Damm hat durchaus Anhänger. Das Saerbecker Ehepaar Schulte zum Beispiel. Elmar (68) und Johanna (66) Schulte werden interessiert verfolgen, wie die Umfrage unter den Bauplatzanwärtern ausgegangen ist und was die Politik daraus macht, wenn heute der Gemeinderat zusammenkommt (18 Uhr, Ratssaal).

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CDU und UWG wollen Bauherren keine strengeren Vorschriften in Sachen Energie machen als gesetzlich nötig. Eine Klimaschutzsiedlung gemäß dem NRW-Projekt kommt für diese Ratsmehrheit nur in Frage, wenn eine ausreichende Zahl Bauwilliger das auch selbst will. Die Schultes wollen. Und sie wollen dafür werben, dass andere auch zu diesem Entschluss kommen.

Die Rentner wissen genau, wie ihr neues Haus sein soll. Die dicke Passivhaus-Dämmung soll es haben und dreifach verglaste Fenster. Es soll nach Süden ausgerichtet sein und so die Sonnenenergie passiv nutzen. Sie möchten eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Für Heizung und warmes Wasser sollen eine Wärmepumpe und Solarthermie auf dem Dach sorgen. Und auf den alten- und behindertengerechten Ausbau legen beide Wert.

Im Jahr 2009 haben sich Johanna und Elmar Schulte um einen Bauplatz im Dorf beworben. Sie waren elf Jahre zuvor aus Ibbenbüren nach Saerbeck gezogen, wo einer ihrer beiden Söhne, Christian, lebt. Das Haus an der Färberstraße, das sie damals kauften, ist Baujahr 1986. „Saerbeck ist sehr lebenswert, es gefällt uns hier gut“, sagt Johanna Schulte, „aber es lohnt sich einfach nicht, unser Haus energetisch zu sanieren und altengerecht umzubauen.“ Ein Neubau liegt für das Rentnerpaar also nahe. Aber warum freiwillig nach verschärften Energievorgaben des Programms „100 Klimaschutzsiedlungen“? Auf immerhin rund 20 000 Euro schätzt Elmar Schulte die Mehrkosten gegenüber herkömmlicher Bauweise.

„Die Erfahrung zeigt doch, dass die Energiepreise regelmäßig steigen und auch weiter steigen werden“, erklärt Elmar Schulte. Was das ausmacht, kann der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann in seinem Heizungskeller zeigen. Dort hat er auf einem Wandkalender den Gasverbrauch protokolliert und die Stromproduktion seiner Photovoltaikanlage auf dem Dach. Der Eigenverbrauch senkt die Kosten, ist der Hausbesitzer überzeugt, und deshalb soll eine solche Solarstromanlage auch auf den Neubau. Das große Ziel von ihm und seiner Frau: Sie wollen weg von den herkömmlichen, fossilen Energieträgern und Selbstversorger mit erneuerbaren Energien werden. Sie wollen auch loskommen von Monopolisten und Großkonzernen. Den Weg dahin sehen sie in höheren Investitionen in Technik, die aber die laufenden Energiekosten senken. „Zu Anfang 20 000 Euro teurer, aber das rechnet sich doch“, sagt Elmar Schulte voller Überzeugung.

Und klimafreundlicher wäre es auch, das ist den Schultes mindestens genauso wichtig wie der Geldbeutel. Regelmäßige Besuche beim Energiestammtisch, Wissenschaftssendungen im Fernsehen und die Zeitungslektüre haben das Paar zu dieser Einstellung geführt. „Man muss angesichts von Dürrekatastrophen in Afrika, schmelzenden Polkappen und der Atomkatastrophe von Fukushima auch an die nächste Generation denken“, sagen beide. Und: „Man muss anfangen zu handeln.“ Sie fänden es „schade, wenn es ausgerechnet in der Klimakommune Saerbeck mit einer Klimaschutzsiedlung nicht klappen würde“. Ihr eigenes Klimaschutzhaus wollen sie auf jeden Fall bauen, auch ohne Landeszuschüsse – Zuschlag beim Bauplatz vorausgesetzt.


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