Mittlere Jahrgänge sind stark
Mi., 22.02.2012
Nur 50 Babys im Jahr
Saerbeck -
Saerbeck wird älter: Im vergangenen Jahr sind genau so viele Kinder geboren worden wie alte Menschen gestorben sind – nämlich 50. Vor zehn Jahren war die Sterberate genau so hoch, die Geburtenzahl mit 99 aber deutlich höher.
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In Saerbeck sind im vergangenen Jahr genau so viele Kinder geboren worden wie alte Menschen gestorben sind – nämlich 50. Vor zehn Jahren war die Sterberate genau so hoch, die Geburtenzahl mit 99 aber deutlich höher. Schon diese Zahlen zeigen: Saerbeck wird älter. Der demografische Wandel, andernorts schon lange spürbar, hat das Dorf erreicht.
Ein Blick auf die Alterspyramide zeigt: Bei den 40- bis 50-Jährigen hat sie einen deutlichen „Bauch“ – die „Babyboomer“ aus der Zeit vor dem Pillenknick lassen grüßen. Deren Kinder sind mittlerweile zwischen zehn und 20 Jahre alt – ein kleines „Hüftpolster“ in dieser Altersgruppe beweist es. Doch für die Zukunft dürfte der Kinderreichtum eher zurück gehen: Die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen, also die Gruppe der „jungen Eltern“, ist eher jahrgangsschwach. Dafür wird die Zahl der Älteren und Hochbetagten wachsen – nicht zuletzt auch wegen der steigenden Lebenserwartung.
Wie reagiert ein Dorf auf diese Herausforderung? Nun, in den vergangenen Jahrzehnten lockten neue Baugebiete immer noch junge Familien von außen nach Saerbeck – das Dorf wuchs weit über dem Landesdurchschnitt. Damit ist es seit einiger Zeit vorbei. Im vergangenen Jahr war die Einwohnerzahl sogar leicht rückläufig. Zählte das Standesamt Ende 2010 noch 7322 Einwohner, so waren es ein Jahr später 65 weniger. Mit der Ausweisung des Baugebiets Bevergerner Damm III mit 32 Bauplätzen dürfte dieser Trend nicht zu stoppen sein. Denn hier kommen in erster Linie Bauherren zum Zug, die sowieso schon in Saerbeck wohnen. Außerdem lässt das Interesse an Bauplätzen auf dem Lande nach – die Großstadt lockt sowohl junge Familien als auch Senioren mit ihren Angeboten.
Die Gemeinde wird sich also darauf einstellen müssen, dass ihre Bevölkerung älter wird – und erste politische Weichen sind bereits gestellt. Man wird beispielsweise weniger Kindergärten brauchen, dafür mehr Tagesangebote für Pflegebedürftige, mehr kleinere, seniorengerechte Wohnungen statt Einfamilienhäuschen im Grünen. Überlegungen, auch konkrete Projekte dafür gibt es schon. Die aktuellste Herausforderung dürfte für die Schulen bestehen. 50 Neugeborene – das sind gerade einmal zwei Grundschulklassen. Eine Gesamtschule könnte allein mit den Kindern aus dem Dorf langfristig niemals existieren – gerade jetzt, da überall ähnliche Schulen wie Pilze aus dem Boden schießen, eine gewaltige Herausforderung.
Aber auch ganz andere Fragen stellen sich: Welches Alter erwartet die heute 50-Jährigen? Werden die „jungen Alten“ Verantwortung für die Hochbetagten übernehmen? Welchen Beitrag kann die Gemeinde leisten? Fragen, denen die WN in den nächsten Wochen in einer Serie nachgehen werden.
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