Narren stürmen Rathaus

Fr., 03.02.2012

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Charmante Meisjes erobern die Macht

Narren stürmen Rathaus : Charmante Meisjes erobern die Macht

Weg ist der Schlüssel: Prinzessin Tina, Prinz Nicholas und Bürgermeister Roos. Foto: Gunka

Saerbeck - 

Die Narren haben in Saerbeck das Ruder übernommen: Am Donnerstag stürmten der Elferrat aus dem Kolping-Blasorchester und das Prinzenpaar Prinz Nicholas I. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Tina I. das Rathaus und eroberten mit Charme, Humor und Musik den Schlüssel zur Macht im Dorf.


Hüp, Holland, Hüp! Mit geballter „Oranje-Power“ haben die Meisjes und Jongens vom Kolping-Blasorchester die Ritter des Heiligen Bürokratius aus dem Rathaus hinweggepustet. Ritter Roos und seine Kumpane sind seit Donnerstagabend rat-los, bis Aschermittwoch schwingen die Narren mit Prinz Nicholas I., Ihrer Lieblichkeit Prinzessin Tina I. und dem Elferrat aus dem Kolping-Blasorchester das Zepter. „50 Jahre Blasi-Kasi: Ohne Musik ist alles Käse“ lautet das Motto der Session, in dem Karneval, Käse und Kolping quasi zu einem leckeren und lustigen Laib gerollt werden.

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Rathausmitarbeiter und Politiker schützten am Donnerstag mehr schlecht als recht Widerstand gegen die närrische Schar vor, die sich anschickte, das Rathaus im Sturm zu erobern. Der Bürgermeister hatte sich notdürftig mit einem Gebilde ausstaffiert, das als Hut durchgehen sollte; Annegret Raffel versuchte, im strahlend weißen Engelsgewand besänftigend zu wirken, Carsten Ausmann vervollständigte das Bürgermeister-Trio als Mexikaner, wahrscheinlich eine Anspielung auf die große revolutionäre Tradition dieses Volkes. Putzfrauen, eine hübsche Squaw, ein Hippie (dem Vernehmen nach: der Bauamtsleiter) und sogar ein ausgewachsener Bär (Roos: „den haben wir im Bioenergiepark eingefangen!“) wurden im Ratssaal gesichtet, konnten allerdings nicht das Geringste gegen die Kolping-Karnevalisten ausrichten, die sich, bevor sie das Rathaus eroberten, in der Kneipe „Markt 23“ zur Lagebesprechung versammelt hatten. Die närrischen Regenten der Session 2011, Prinz Christian (Entrup) und Prinzessin Jenny (Nauber), gaben wertvolle Tipps und genossen die letzte Huldigung ihrer karnevalistischen Untertanen. Dann wurde auch schon das regierende Prinzenpaar aus dem Hause Beermann ausgerufen und das Signal zum Aufbruch für die Narrenschar gegeben.

Die rückte mit klingendem Spiel in das Rathaus ein, vorneweg erstmals in der Geschichte des Rathaussturmes überhaupt der Spielmannszug Saerbeck-Dorf. Weil man als Elferrat sowieso schon genug zu tun hat – Orden verteilen, schunkeln und Küsschen geben – übernahm der Spielmannszug den musikalischen Part vom Blasorchester. Keine Frage, er machte seine Sache super, genau wie die beiden Debütanten in der Rolle der Sitzungspräsidenten: Julia Gilhaus und Tobias Liesenkötter führten locker, witzig und stets ergebnisorientiert (Liesenkötter: „Ich will euch jetzt küssen sehen! Küssen, küssen, küssen!“) durch den Abend. Die beiden, die sich ihre Meriten im Kolping-Kinderkarneval verdient hatten, waren spontan eingesprungen, als Roland Wilmes leider krankheitsbedingt absagen musste; ihn plagt ein Bandscheibenvorfall.

Keine Frage also, Politik und Verwaltung waren chancenlos in der Verteidigung des Rathausschlüssels. Die Finten des Bürgermeister – „links von mir sitzt die Schwarze, die ist heute weiß, rechts von mir sitzt der Rote, der ist heute bunt“ – konnten nicht verfangen und wurden weggeschunkelt. Als es dann wirklich ernst wurde, zeigten sich die überragenden Qualitäten des Prinzen. Schließlich hat Nicholas Beermann als Torwart der ersten Mannschaft des SC Falke mit ganz anderen Angreifern zu tun als dem Bürgermeister. Und Prinzessin Tina weiß ebenfalls, wie das närrische Geschäft funktioniert, sie saß schon 2002 auf dem Thron. Futsch war er, der Schlüssel. Weg waren sie, die bequemen Sitzplätze der Damen und Herren des Rates.

Nun regieren also die Meisjes und Jongens des Kolping-Blasorchesters, hübsch anzusehen in ihren adretten Hauben, ihren Bauernkitteln und goudagelben Holzschuhen. Ihre Statuten werden sich ohne Not umsetzen lassen: Holland-Fahrräder als Gemeinde-Fuhrpark, Tulpenzucht im Bioenergiepark, Windräder im Windmühlen-Design, das Sportzentrum als Trainingslager der holländischen EM-Kicker, darum werden sich Prinz Nicholas und Prinzessin Tina schon kümmern.

Ein Punkt des Regierungsprogramms soll ganz ohne Verzug umgesetzt werden: Der Bauhof wird den Mühlenbach in eine Gracht verwandeln. „Ich fang‘ sofort an!“, hörte man es aus den Reihen des Spielmannszuges. Wenn das mal nicht Markus Schäpermeier war . . .

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