So., 04.12.2016

Depot wird zum Bioenergiepark Symbol des Kalten Krieges

Gut gelaunt und sehr anschaulich  erzählt der ehemalige

Gut gelaunt und sehr anschaulich  erzählt der ehemalige Foto: slü

Saerbeck - 

Der Bioenergiepark ist nicht nur ein Aushängeschild des lokalen Klimaschutzes, sondern auch ein Ort mit Geschichte. Das Munitionsdepot war Teil der militärischen Strukturen der Bundeswehr – und ist heute ein Zeugnis der Epoche, die als Kalter Krieg in die Geschichte eingegangen ist. Genau diese Zeit will die Uni Münster nun lokal- und regionalgeschichtlich im Rahmen ihrer Aktivitäten unter dem Titel „Expedition Münsterland“ aufarbeiten. Am Samstag fand ein erster Workshop statt.

Von Sandra Lüttmann

„Ich stand bei den Friedensdemonstrationen auf der anderen Seite“, erzählt Jürgen Schulze, der damalige Standortkommandant des Saerbecker Munitionsdepots in der Vorstellungsrunde des Workshops „ Kalter Krieg im Münsterland “. Dabei traf am Samstag im Außerschulischen Lernstandort „Energiewelten“ im Bioenergiepark tatsächlich eine interessante Mischung an Teilnehmern aufeinander: ehemalige Verwaltungsmitarbeiter und Offiziere der Bundeswehr , Aktivisten der Friedensbewegung, Ratsmitglieder, Historiker, Mitglieder des Heimatvereins und der Heimatverbände, Lehrer und Schüler der Gesamtschule sowie interessierte Bürger, die sich vom Thema angesprochen fühlten.

Das Projekt „Expedition Münsterland“ der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster hatte wieder einmal Mitarbeiter, Fachleute und Zeitzeugen eingeladen, die eigene Heimat neu zu entdecken, Wissen zu sammeln und Ideen zu generieren. Das Munitionsdepot Saerbeck war hier stellvertretend für Orte im Münsterland mit Bezug zum Kalten Krieg gewählt worden.

Nach einer Einleitung von Bürgermeister Wilfried Roos zur Geschichte des Depots und Erläuterungen von Dr. Wilhelm Bauhus über die Expedition Münsterland, wurden die Teilnehmer durch eine Vorlesung von Dr. Alexandra Bloch-Pfister über die grundlegenden Eckpunkte des Kalten Kriegs aus heutiger Sicht informiert.

So erläuterte sie, dass die Darstellungen der USA als große Streiterin für die Freiheit oder als unfähige Macht und spätere ideologische Nutznießerin nicht ganz der Realität entspräche. Stattdessen sähen Historiker den Kalten Krieg heute differenzierter, als eine Reihe von Missverständnissen und unglücklichen Entwicklungen mit Agitatoren auf beiden Seiten der verhärteten Fronten. Bloch-Pfister zeigte auch auf, wie sich die internationalen Geschehnisse auf Deutschland auswirkten und sich der Kalte Krieg im Alltag zeigte. Beispielsweise sei die Flurbereinigung von 1971 bis 1991 auch ein gezieltes Mittel zur Schaffung von Freiflächen für die militärische Nutzung gewesen.

Der Saerbecker Standortkommandant führte danach die Teilnehmer zu den Bunkern und erläuterte, wie diese genutzt und wie die enthaltene Munition gesichert wurde. Dr. Bauhus nahm die Gruppe dann mit in die zwei von der Expedition Münsterland als Schulungs- und Lagerraum genutzten Bunker, um dort einen vertieften Eindruck vom Projekt zu geben.

Nachmittags ging es dann an den Kern des Tages, das Ideen-Mining. Das Institut für Forschungstransfer der WWU wollte der Frage nachgehen, welche Fakten, Zeitzeugen und Orte mit Bezug auf den Kalten Krieg aufgetan werden und wie das gesammelte Wissen dann am Besten vermittelt werden kann.

In den Gruppen wurde daher lebhaft und mit hohem Anspruch diskutiert, die Ergebnisse präsentiert und in einem mehrstufigen Prozess weiter ausgearbeitet. So kam man zu dem Schluss, dass sich Saerbeck als Kern und Schwerpunkt für das Thema tatsächlich eigne und dass ein Netzwerk geschaffen werden solle. Ergebnisse könne man in Form eines Filmfestivals und einer Wanderausstellung vermitteln und in einer digitalen Dokumentationsstelle im Internet sammeln. Die erstellten Charts werden nun von der WWU ausgewertet und danach der Gemeinde Saerbeck zur Verfügung gestellt.

Josef Berkemeier, der als Mitglied des Heimatvereins am Projekttag teilnahm, zieht ein durchweg positives Fazit. „Es wurde ein weiteres Tor aufgemacht, um jüngere Geschichte zu erschließen“. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema halte er für wichtig, denn die Informationen seien gerade bei den Jüngeren auf großes Interesse gestoßen, während noch genügend Zeitzeugen vor Ort sind, die befragt werden können. „Das macht Geschichte noch ein Stück lebendiger.“

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