Mi., 08.03.2017

Verein Deutsche Sprache Belgier spricht über das Deutsche

Prof. Roland Duhamel im Kreise der Besucher der Vortragsveranstaltung des Vereins Deutsche Sprache in Saerbeck.

Prof. Roland Duhamel im Kreise der Besucher der Vortragsveranstaltung des Vereins Deutsche Sprache in Saerbeck. Foto: tük

Saerbeck - 

Das alttestamentliche babylonische Sprachgewirr findet sich in Belgien in Form der drei Amtssprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch als der kleinsten. Ohne Pflege schwindet die Sprache dahin, erklärte der belgische Prof. Roland Duhamel jetzt bei einem Vortrag des Vereins Deutsche Sprache in Saerbeck.

Von T.-Kalotaszegi-Linnemann

Laut Altem Testament kam es einst zum babylonischen Sprachengewirr, heute gibt es europäische Länder, in denen mehrere Sprachen gleichberechtigt nebeneinander existieren. Wenn eine davon Deutsch ist wie in Belgien, ist es kein Wunder, dass sich der Verein Deutsche Sprache ( VDS) dafür interessiert. Um dieses Thema genauer zu reflektieren, konnte der renommierte belgische Germanist Prof. Roland Duhamel gewonnen werden, der unter anderem an der Universität Antwerpen lehrte und zurzeit Zweiter Vorsitzender des VDS ist. Vor einem Kreis von 15 Zuhörern sprach er am Dienstag im Pfarrheim nahezu akzentfrei über die Bedeutung der deutschen Sprache in Belgien.

Insgesamt verfügt das Land über drei staatskonstituierende Sprachen, Niederländisch, Französisch und Deutsch, was historisch begründet ist. Obwohl nur eine kleine Minderheit von etwa 75 000 Belgiern im Osten des Landes deutschsprachig ist, soll Deutsch genauso wichtig sein wie Niederländisch oder Französisch. Selbst der König richtet das Wort in allen drei Sprachen an das Volk. Allerdings scheint das eher die Theorie zu sein. „Dreisprachigkeit findet in der Praxis nicht statt“, so Duhamel. Also hängt die praktizierte Sprache von der Region ab, in der sich der Einzelne befindet. In Flandern verständigen sich die Leute hauptsächlich auf Niederländisch, in der Wallonie auf Französisch und in Ostbel-gien mit den Städten Eupen und Sankt Vith auf Deutsch. Insgesamt ist natürlich überall Englisch präsent.

Duhamel referierte über „Deutsch als Fremdsprache“ und „Deutsch im Unterricht“, mit dem Ergebnis, dass das Interesse an der deutschen Sprache in Belgien mit den Jahren abgenommen habe. Mit Zahlen untermauert und geografisch belegt, sei dieser Rückgang sowohl in Flandern als auch in der wallonischen Gemeinschaft zu vermerken, berichtete der Professor mit fast ein wenig Wehmut in der Stimme.

Warum ist das so? Dafür sah er verschiedene Ursachen. Offenbar erfreuen sich Englisch oder Spanisch einer größeren Beliebtheit als Deutsch, was teilweise an den Medien liege. Früher habe es viele deutsche Filme oder Musik in Belgien gegeben. Heute dominieren englischsprachige Produktionen. Auch sei Deutsch eine schwierige Sprache. Außer-dem habe die Globalisierung bei den Fremdsprachen zur Provinzialisierung geführt und die Dominanz des Englischen verstärkt. „Wenn aber die Deutschen selbst ihre eigene Sprache vernachlässigen, muss man sich nicht wundern, wenn sie im Ausland nicht mehr so beliebt ist“, zog Duhamel sein Fazit.

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