Di., 02.02.2016

Gesamtschüler lesen aus Erinnerungen von Kindern, die den Holocaust überlebten Nur einen Schritt vom Tod entfernt

Thomas Geve  überlebte die Vernichtungslager der Nazis. Als Kind einer jüdischen Familie war er im Alter von 13 Jahren in verschiedenen KZ inhaftiert. So entstanden 82 Buntstiftzeichnungen des „kindlichen Historikers”, wie er sich selbst bezeichnet.

Thomas Geve  überlebte die Vernichtungslager der Nazis. Als Kind einer jüdischen Familie war er im Alter von 13 Jahren in verschiedenen KZ inhaftiert. So entstanden 82 Buntstiftzeichnungen des „kindlichen Historikers”, wie er sich selbst bezeichnet. Foto: Thomas Geve

saerbeck - 

„Das ist hier kein Theaterstück“, sagte Werner Engels zu Beginn der Stunde, „das sind erlebte Traumata, die alle, die sie durchlitten haben, bis zu ihrem Lebensende mit sich tragen.“ An den Wänden hingen Fotos und Kinderzeichnungen, und die fünf Schreckensprotokolle wechselten sich ab mit historischen Filmausschnitten, die ohne Ton zeigten, was mit Wörtern eh nur schwer zu beschreiben ist: Kinder im Ghetto, Kinder in Sträflingskleidung, Kinder hinter Stacheldraht, Kinderaugen, die Schlimmeres gesehen haben als den Tod.

Von Hans Lüttmann

Nur wenige jüdische Kinder haben den Holocaust überlebt. Sie konnten keine Sklavenarbeit leisten und wurden von den Nazi-Schergen allesamt zum Tode verdammt.

Das Mädchen Juneta ist eines von fast einer Million jüdischer Kinder, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen lebten; nach der Befreiung waren es noch 5000. Meistens schickte man die Kleinen nicht einmal in die Gaskammer. Sie wurden an Ort und Stelle erschossen, ihre Köpfe an den Wänden erschlagen, sie wurden lebendig begraben oder ins Feuer geworfen. Einige Kinder aber haben überlebt und sind von der „Jüdischen Historischen Kommission in Polen“ befragt worden. 55 der 7300 so entstandenen Protokolle wurden veröffentlicht; fünf daraus haben Werner Engels und sein 13er Geschichtskurs für eine Lesung ausgewählt, die anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz an Leid und Schrecken erinnert, für das es in der Sprache nur unzulängliche Wörter gibt.

Eine Schule, die den Namen Maximilian Kolbe trägt, muss im Blick zurück immer wieder auch mahnen, und das tun die Schüler jedes Jahr wieder mit sehr ernsthaftem Engagement; da ist es weder leicht, zu lesen, noch zuzuhören, wie Kinder ihre Angst beschreiben, nur einen Schritt vom Tod entfernt.

An den Wänden hingen Fotos und Kinderzeichnungen, und die fünf Schreckensprotokolle wechselten sich ab mit historischen Filmausschnitten, die ohne Ton zeigten, was mit Wörtern eh nur schwer zu beschreiben ist: Kinder im Ghetto, Kinder in Sträflingskleidung, Kinder hinter Stacheldraht, Kinderaugen, die Schlimmeres gesehen haben als den Tod.

„Das ist hier kein Theaterstück“, sagte Werner Engels zu Beginn der Stunde, „das sind erlebte Traumata, die alle, die sie durchlitten haben, bis zu ihrem Lebensende mit sich tragen.“

Als am Ende der Veranstaltung das Licht wieder angeschaltet wurde, blieb es noch eine ganze Weile still wie in einem Sterbezimmer. Und auch Geschichtslehrer Engels wollte nichts weiter sagen als: „Das spricht ja für sich selbst.“

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