Anzeige

Fr., 05.02.2016

Am Krankenbett von Manfred Vallbracht Die Steine aus Simbabwe helfen noch

Manfred Vallbracht und seine Ehefrau Thandiwe zeigen zwei Skulpturen simbabwischer Künstler.

Manfred Vallbracht und seine Ehefrau Thandiwe zeigen zwei Skulpturen simbabwischer Künstler. Foto: Hans Lüttmann

saerbeck - 

Der Matopos-Nationalpark gehört zu den wichtigsten Naturschutzgebieten Simbabwes. Er liegt etwa 50 Kilometer östlich der Stadt Bulawayo. Seit 2003 gehört der Park zum Unesco-Welterbe. Granithügel bestimmen das Landschaftsbild und gaben dem Park seinen Namen: Matopos bedeutet schlicht „Steine“. Der Formenreichtum der Felsen ist faszinierend; und man brauch nur wenig Fantasie, um allerlei Figuren erkennen.

Von Hans Lüttmann

Matopos ist auch der Name eines gemeinnützigen Saerbecker Vereins, von dem man lange nichts mehr gehört hat. Aber es gibt ihn noch, und ja, die nackten Köpfe helfen auch heute noch – allerdings mit gebremster Kraft, denn Mitbegründer und Vorsitzender Manfred Vallbracht liegt seit Mitte Dezember 2015 im Pflegebett und kämpft mit Hilfe von Schläuchen, Maschinen und seinem unverwüstlichen, stets etwas bräsigen Humor gegen die lebensbedrohliche Lungenkrankheit COPD.

Sie zwingt oder schenkt ihm – je nach Standpunkt – Zeit und Gelegenheit zum Blick zurück, nach 2003, als der Verein gegründet wurde; oder noch etwas weiter zurück zum Dezember 2000, als seine simbabwische Ehefrau Faith Moyo ganz überraschend starb. „Das hat mich völlig umgehauen“, sagt Manfred Vallbracht, „aber es lenkte meinen Blick auch immer wieder nach Simbabwe.“ Das er aus ersten Besuchen schon seit den späten 80er Jahren kennt: „Dem Land irgendetwas Gutes tun, das war die Idee, die letztlich zur Vereinsgründung führte“, sagt er und hängt noch einen Nachsatz dran: „Ich habe nicht nur die Anschubfinanzierung gezahlt, ich hab mich richtig reingehängt.“

Er knüpfte Kontakte zu Künstlern, kaufte ein Haus in Bulawayo und holte im Laufe der Jahre an die 400 Steinskulpturen her, von denen 350 verkauft und die Erlöse den Künstlern überwiesen wurden. (50 künstlerisch behauene Steine stehen seit gut zehn Jahren im Park der Bad Bentheimer Kurklinik, zwei in der Saerbecker Bach­aue.)

Alles lief, wie es laufen sollte, bis es Ärger mit einem der Künstler gab, so argen Ärger, dass der Verein sich 2013 auflösen wollte. Er tat es nicht, „weil wir wegen eines Künstlers nicht unser ganzes soziales Engagement hinschmeißen wollten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Und nachdem die Staatsanwaltschaft den Verein und seinen Vorsitzenden von allen Vorwürfen freigesprochen hatte, „fanden wir auch bald wieder zwei junge Menschen in Simbabwe, die wir seitdem unterstützen: die Brüder Timothy und Charles Phiri, deren Mutter an Aids gestorben ist; der eine ist superfleißig, der andere sehr intelligent.“ Ihnen bezahlen sie die Schul- und Hochschulausbildung mit dem Erlös der Kunstverkäufe.

Irgendwo hinter Manfred Vallbrachts Bett pumpt eine Maschine irgendetwas Lebenswichtiges in einen Schlauch, hier liegen Tablettenblister, drüben Röhrchen und Flaschen, Krankenhausutensilien. Und das geht? Einem Verein vom Pflegebett aus vorzusitzen? „Warum denn nicht?“, fragt er zurück, „der Kopf funktioniert doch noch ganz gut, und ich hab ein Telefon.“ Was er nicht hat, oder nicht zeigt, ist Bitternis, Groll oder Verdruss darüber, dass sein Leben jetzt, wo er bald 72 wird, ihn ins Bett und nicht in seine zweite Heimat Simbabwe zwingt. „Ich bereue nichts“, sagt er, „außer, dass ich mit dem Rauchen zu spät aufgehört habe.“

 

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3787381?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F185%2F