Do., 20.04.2017

Leon Huesmann, Landtagskandidat der „Linken“, im Gespräch Soziales Profil ist unverhandelbar

„Ganz gut vermitteln“ könne er die Inhalte seiner Partei „Die Linke“, glaubt Leon Huesmann und will bei der Landtagswahl – ohne echte eigene Chancen auf den Einzug in den Landtag – kräftig Stimmen sammeln.

„Ganz gut vermitteln“ könne er die Inhalte seiner Partei „Die Linke“, glaubt Leon Huesmann und will bei der Landtagswahl – ohne echte eigene Chancen auf den Einzug in den Landtag – kräftig Stimmen sammeln. Foto: Peter Beckmann

Saerbeck - 

Ob Opposition oder Koalition nach den Landtagswahlen: „Wir geben das soziale Profil nicht auf“, schlägt Leon Huesmann Pflöcke ein. Er kandidiert für „Die Linke“ und glaubt, dass er die Inhalte seiner Partei überzeugend genug erklären kann, um ohne eigene Aussichten auf einen Einzug in den Landtag kräftig Stimmen zu sammeln.

Von Peter Beckmann

Leon Huesmann ist familiär vorbelastet. Denn: Er kommt aus einem „politischen Haushalt“, wie er es nennt. „Meine Eltern und ich haben uns am Küchentisch viel über Politik unterhalten“, erzählt der 23-jährige Emsdettener. Da habe sich bei ihm natürlich ein politisches Grundinteresse entwickelt. Aber: „Meine Eltern haben mir und meinen Geschwistern nie erzählt, was sie wählen“, erzählt der Veranstaltungskaufmann. Ihnen sei aber immer wichtig gewesen, dass ihre Kinder alles kritisch hinterfragen und sich eine eigene Meinung bilden.

Daran hat sich Huesmann gehalten, hat zwischen der Schulzeit und dem Beginn der Ausbildung so ganz nebenbei Parteiprogramme gewälzt und machte dann ein Praktikum bei der Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler (Linke). Anfang 2013 trat er in die Partei „ Die Linke“ ein. „Ich wollte mich einfach einbringen“, erzählt er.

Und dann ging es schnell. Huesmann wurde angesprochen, ob er nicht auf Listenplatz zwei für den Emsdettener Rat kandidieren wolle. „Ich habe lange darüber nachgedacht, das ist ja auch eine große Verantwortung.“ Er entschied sich für die Kandidatur – und wurde prompt gewählt. „Im Prinzip bin ich so in die Politik hineingestolpert.“

Die Zeit sei damals günstig gewesen. „Ich war zwar noch in der Ausbildung, aber ich hatte noch keine Familie“, verdeutlicht Huesmann. Denn schnell merkte er, dass Politik ein zeitaufwendiges Hobby ist. „Da muss man in vielen anderen Bereichen sicherlich Abstriche machen.“ Ratsarbeit sei ja schließlich auch Fleißarbeit. „Vorlagen lesen, Konzepte erarbeiten, repräsentative Aufgaben wahrnehmen – da kommt zeitlich einiges zusammen.“

Und dann wurde er, der mittlerweile Kreissprecher seiner Partei ist, gefragt, ob er sich nicht für den Landtag bewerben wolle. Das wollte er und setzte sich gegen einen anderen Kandidaten aus Hörstel durch. Und was kommt jetzt? Ein Direktmandat? „Daran ist nicht zu denken.“ Einzug über den Listenplatz? „Die Gefahr, dass ich in den Landtag gewählt werde, ist äußerst gering.“ Leon Huesmann ist Realist.

Aber: Er will Stimmen für die Partei holen. „Ich glaube, dass ich die Inhalte unserer Partei ganz gut vermitteln kann. Deshalb möchte ich möglichst viele Menschen erreichen, auf Probleme hinweisen und die Finger in die Wunden legen“, erklärt er.

Finger in die Wunde legen? Das machen viele Gegner der Linken, indem sie auf die DDR-Vergangenheit der Partei und Stasi-Karrieren einiger älterer Mitglieder anspielen. „Das wird in letzter Zeit aber weniger“, erzählt Huesmann. Die Linke habe sich sowieso sehr stark mit der eigenen DDR-Vergangenheit auseinander gesetzt – „stärker als alle anderen Parteien“. Die Linke beziehe dazu eine eindeutige Position, kritisiere die massiven Bürgerrechtseinschränkungen und Menschenrechtsverletzungen, die in der DDR passiert seien. „Aber in vielen Bereichen hat dies Thema keine Priorität mehr, weil viele Kandidaten und Mitglieder mit der DDR-Vergangenheit gar nichts mehr zu tun haben. Als ich geboren wurde, war die Mauer schon gefallen.“

Zurück zur aktuellen Politik: Bei der vergangenen Landtagswahl erreichte die Linke gerade einmal 2,49 Prozent der Stimmen. Trotzdem ist Huesmann optimistisch. „Alle bis auf eine Umfragen sahen uns über der Fünf-Prozent-Marke“, zeigt er sich siegessicher. Und was folgt dann? Opposition oder Koalition? „Man kann auch in der Opposition mit einer sozialen Stimme die Regierungsparteien vor sich her treiben und eine soziale Alternative bieten.“ Die Partei sei aber auch bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen. „Wir sind offen für Gespräche, wir sind kompromissbereit, aber wir werden unser soziales Profil nicht aufgeben, werden uns nicht verkaufen“, sagt Huesmann abschließend.

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