Di., 28.11.2017

Konzertkritik Intensiv und charismatisch

Marco Vassalli mit Stephan Lutermann am Klavier.

Marco Vassalli mit Stephan Lutermann am Klavier. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Saerbeck - 

Feinste Gesangskultur auf hohem Niveau hielt am Sonntagnachmittag Einzug in das Bürgerhaus.

Von Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Dem Verein Deutsche Sprache ( VDS) in Kooperation mit der Gemeinde Saerbeck ist es gelungen, die beiden hochkarätigen Künstler Marco Vassalli (Bariton) und Stephan Lutermann (Klavier) für ein erstes hiesiges Engagement zu gewinnen. Gemeinsam mit der bekannten Rezitatorin Ricarda Cronemeyer gestalteten sie unter dem Motto „Lied und Lyrik“ zwei unvergessliche Stunden.

In seiner Begrüßung lobte Bürgermeister Wilfried Roos die Veranstaltungen des VDS „in lockerer Atmosphäre“ und sah den Nachmittag als „vorweihnachtliches Geschenk, das wir jetzt auspacken können“. Wie immer gekonnt, mit adäquaten Informationen im Gepäck führte Günter W. Denz, erster Vorsitzender des Vereins, in gewohnt charmanter Manier durch das Programm. „Heute reichen sich hier Lyrik und Lied die Hand. Die Begegnung dieser beiden darf man getrost einen Glücksfall nennen“, erklärte Denz. Und das war er zweifellos.

Nicht gerade leicht war die Kost, die die drei dem überaus zahlreich erschienenen Publikum präsentierten, aber es lohnte sich jeder Moment. Passend zum Totensonntag erklangen die „Vier ernsten Gesänge“ von Johannes Brahms. Intensiv, charismatisch, mit einem samtenen Timbre, das ein wenig an den legendären Dietrich Fischer-Diskau erinnerte, ließ Vassalli bei den Worten „O Tod, wie bitter bist Du“ so manchen erschauern. Stephan Luter-mann entpuppte sich als einfühlsamer, technisch versierter Begleiter.

Franz Schubert habe in seinem Zyklus „Die Winterreise“, bestehend aus 24 Liedern, den er ein Jahr vor seinem Tod 1827 komponierte, laut Denz seine ganze Trostlosigkeit hineingelegt. Die vier, die auf dem Programm standen, hatten eher volksliedhaften Charakter, den Vassalli vorzüglich traf. Auch hier zeigte sich Lutermann als ebenbürtiger Partner und ließ das Posthorn mit exakten Staccati und Portati ertönen.

In neun von 20 Liedern aus „Die schöne Müllerin“, 1823 entstanden, kreierte Vassalli eindrucksvolle Szenen mit den vielfältigsten Emotionen. Da war mit jedem Ton zu spüren, dass er auch auf den internationalen Opernbühnen zu Hause ist. Während es in der „Winterreise“ stellenweise noch ein wenig mehr Glanz hätte sein dürfen, eroberte er nun den Diskant mit großer Souveränität und einzigartiger Klangqualität. Die große Variabilität seiner Stimme sowie der differenzierte Umgang mit ihr, vom hauchzarten pianissimo bis zum energischen fortissimo, gepaart mit großer Musikalität und Technik zeichnen Marco Vassalli aus. Die „Märchenfee“ Ricarda Cronemeyer, wie Denz sie liebevoll nannte, erfüllte die Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe und dem Schubert’schem Textdichter Wilhelm Müller mit Kraft, Lebendigkeit und Charakter.

Die Zuhörer bedankten sich mit begeistertem Applaus für einen denkwürdigen Nachmittag.

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