Dreimann im Bürgerhaus
Die Weltumsegler

Saerbeck -

DIe Dreimann-Musiker haben zum Konzert einen neuen Gitarristen mitgebracht, einen rockigeren Sound und Texte mit dieser dreimann-typisch widerständigen Haltung, die sich als Gegenentwurf zum liedpoetischen Zeitgeist versteht.

Mittwoch, 16.05.2018, 16:05 Uhr

Per Christian Stuwe und seine famosen Mitspieler boten eine erwachsene, lebenserfahrene Leistung.
Per Christian Stuwe und seine famosen Mitspieler boten eine erwachsene, lebenserfahrene Leistung. Foto: Kai Schenk

Ja schade, aber wahrscheinlich haben sie recht, wenn sie seemannselig singen: „Wir werden wohl die Letzten sein, die um die Welt gesegelt sind.“ Und all ihre Zuhörer singen sehnsuchtsvoll mit, weil sie wissen, dass Weltumsegeln aus der Mode gekommen ist. Rod Stewart sailt ja nur noch mit halber Kraft, Santiago sind hinter Madagaskar im Abendrot verschollen und my Bonnie, ach, my Bonnie.

Wohl deshalb haben die Dreimann-Musiker nur diesen einen Shanty mit ins Bürgerhaus gebracht; dafür aber einen neuen Gitarristen, einen rockigeren Sound und Texte mit dieser dreimann-typisch widerständigen Haltung, die sich als Gegenentwurf zum liedpoetischen Zeitgeist versteht.

Waren Liedermacher, Songwriter und Wandergitarrenzausel in den 70er und 80er Jahren noch durchweg unbequeme, politische Unruhestifter, stehen sie heute lieber niemandem mehr im Weg, tasten ihre Seelen nach Restbefindlichkeiten ab, besingen zuckerbrotsüße Wehwehchen, verführen untröstliche Romantiker zum Gruppenkuscheln oder jodeln schlimmstenfalls, wie Jürgen Drews und Mickie Krause, Altherrenwitze in mallorquinische Sangria-Eimer.

Schön, dass Dreimann uns das für eine Weile vergessen lässt. Wie am Samstag in Saerbecks guter Stube, in der Bandgründer, Texter und Melodienerfinder Per Christian Stuwe und seine famosen Mitspieler eine erwachsene, lebenserfahrene Leistung zeigen; die neben textstarker Warterei, kinderliederlichen Erinnerungen, Astronauten-, Spion- und Enttäuschungssongs, Frühling-, Sommer- und Herbstlieder vor allem musikalisch überzeugt. Hier ein Tango, da ein Chanson, mal ein Flamenco, dann ein Reggaestück und über allem die Vokalakrobatik der fabelhaften Heide Bertram: sie pfeift und säuselt, kiekst und grunzt, sie trillert und, kein Witz, sie maultrompetet gar – und singt, als ob sie Orpheus kopfscheu machen möchte.

Macht sie aber nicht, denn sie hat noch einen anderen Job: als Moderatorin; launig und pointiert kündigt sie die Lieder an.

Bevor die angeblich letzten Weltumsegler beifallssturmumtost wieder in ihren Heimathafen schippern, haben sie noch einen musikalischen Wunsch an alle Schwätzer und Labertaschen: „Haltet doch mal für fünf Minuten die Klappe!“ Ay, ay – und ahoi bis zum nächsten Törn, muss ja nicht gleich wieder um die ganze Welt gehen.

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