Do., 17.07.2014

Neue WN-Serie: Unternehmer im Porträt „Ich bin dann mal weg“

Im Gronauer Unternehmen Bolz ist David der Chef: Hier erklärt er seinem Vater Hubert den Unterschied der verschiedenen Walzentypen, die dort produziert werden.

Im Gronauer Unternehmen Bolz ist David der Chef: Hier erklärt er seinem Vater Hubert den Unterschied der verschiedenen Walzentypen, die dort produziert werden. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Es ist noch nicht ganz ein Jahr her. Da stand David Uhlenbrock im zarten Alter von 30 Jahren vor knapp 100 gestandenen Mitarbeitern des gerade insolvent gegangenen Walzenherstellers Bolz in Gronau und stellte sich als neuer Geschäftsführer vor. Die Frage stand vielen ins Gesicht geschrieben: „Der soll das jetzt machen?“ Die junge Führungskraft spürte die Skepsis, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen und sprach nur von der Zukunft, Vergangenes blieb Vergangenes. Und was ganz wichtig war: David Uhlenbrock war nicht allein nach Gronau gekommen.

Von Axel Roll

Vater Hubert, Geschwister und sogar seine 81-jährige Großmutter waren da. Dieses Bild von Einigkeit hatte Symbolkraft: Wir sind ein Familienunternehmen. „Und als solches schmeißen wir niemanden so einfach raus“, erläutert Vater Hubert. Der ist für David besonders wichtig. Als Geschäftsführer der Borghorster Anton Uhlenbrock GmbH ist er in vielen unternehmerischen Fragen engster Berater. Aber, und das ist vielleicht das Besondere an dieser Vater-Sohn-Beziehung. Der 58 Jahre alte Hase kann von seinem Sohn fürs eigene Geschäft auch eine Menge lernen. . .

David Uhlenbrock verkörpert die dritte Generation, die in der Uhlenbrock-Familie Führungsaufgaben übernimmt. Die Firma gegründet, damals in einem Borghorster Hinterhof, hat Großvater Anton. Er reparierte die Elektromotoren in den örtlichen Textilunternehmen. Das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her. An der Firmen-Philosophie hat sich nichts geändert. Hubert Uhlenbrock: „Wir wollen nicht das schnelle Geschäft. Wir wollen die Bilanz des Kundens auf Dauer verbessern.“ Und dazu gelte es, die Bedürfnisse des Geschäftspartners genau zu verstehen. Im eigenen Betrieb bedarf es dazu selbstständig handelnder und denkender Mitarbeiter. David Uhlenbrock: „Darum will ich die Kollegen mitnehmen, jeder ist ein Individuum.“

Der heute 31-Jährige hätte es einfacher haben können. In der Uhlenbrock-Zentrale an der Siemensstraße in Borghorst war er als Ein- und Verkaufsleiter die Karriereleiter schon ziemlich weit nach oben geklettert, als er durch die Bolz-Insolvenz die Möglichkeit bekam, etwas ganz Neues anzufangen. „Uhlenbrock ist ein Dienstleister, in Gronau wird produziert. Das war es, was mich gereizt hat“, erklärt der gelernte Elektromaschinenbauer, der seine Ausbildung mit einem Wirtschaftsingenieur-Studium an der FH krönte. Nach langen Beratungen mit Vater Hubert, einem tiefen Blick in die Bolz-Bilanzen und intensiven Verhandlungen mit den Banken war klar: „Ich bin dann mal weg.“ Ein Schritt, den David Uhlenbrock trotz einer völlig neuen Materie, 16-Stunden-Tagen und Wochenendarbeit bislang nicht bereut hat.

Ebenso wenig wie Vater Hubert. Der kennt die Industrie nur aus der Sicht eines Serviceanbieters: Geht irgendwo eine Maschine kaputt, muss er sie möglichst schnell wieder zum Laufen bringen. Was solche Ausfälle für einen Produktionsbetrieb im Detail bedeuten – in Gronau kann er es hautnah miterleben. Dort werden Walzen in allen Variationen produziert, für Druckmaschinen, aber auch für Folienhersteller oder Stahlwalzwerke.

David Uhlenbrock wiederum will den in Borghorst inhalierten Servicegedanken seinen Mitarbeitern in Gronau näher bringen. Ein Beispiel dafür parkt vor dem Hallentor: Auf dem gerade angeschafften Lkw liegen Walzen für einen Kunden nahe der Schweizer Grenze. Kein Spediteur wäre kurzfristig für die Fahrt zu gewinnen. David Uhlenbrock: „Gleich fährt ein Mitarbeiter los, in acht Stunden ist er beim Kunden.“ Nach einem ähnlichen Fall, bei dem Bolz an einem Wochenende helfen konnte, kam bereits montags der Anruf für Folgeaufträge.

David Uhlenbrock hat sich nach den ersten Erfolgen hohe Ziele gesetzt. Kurz nach der Weltmeisterschaft erklärt er es mit einem Bild aus dem Fußball: „Wir spielen derzeit in der Regionalliga. Und wir wollen unbedingt in die Champions League.“ Den richtigen Trainer hat er dafür. Einen, der trotz seines Alters auch immer noch auf dem Spielfeld aushelfen kann. . .

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