So., 08.03.2009

Steinfurt Frömmler, Reformer und Bermudashorts

Burgsteinfurt - Vor 500 Jahren wurde der berühmte Reformator Johannes Calvin in der Picardie geboren. Deshalb erinnert die Christenheit in diesem Jahr an die Person und das Werk des Genfer Reformators.

Calvin hat mit seiner Theologie den evangelischen Kirchen in Deutschland und weltweit viele Impulse geben können. Auch die Burgsteinfurter Kirchengemeinde steht in der Tradition des Calvinismus. Viele CVJM-Mitglieder, aber auch Gäste aus der Burgsteinfurter Nachbarschaft kamen ins Martin-Luther-Haus, um sich in das Leben und Werk Calvins einführen zu lassen.

Diese Einführung gab Wilfried Mahler, Vorsitzender des CVJM. Mahler führte zunächst durch die Lebensstationen des Reformators, von der Wiege in der nordfranzösischen Picardie bis zum Tode 1564 in Genf. Sein Werk und die Widerstände in Genf wurden herausgearbeitet und schließlich die Wirkung in vielen Ländern bis heute angesprochen.

Calvin wurde bisher immer als der unbeugsamen, verknöcherte Zeitgenosse dargestellt. Natürlich war er kein Biertrinker wie der gesellige Martin Luther, aber als Franzose sagte er keinesfalls nein zu einem Glas Rotwein. Sein späterer Gegner, der Genfer Rektor Castellio, der zeitweise mit Calvin unter einem Dach lebte, beschwerte sich oft, dass im Hause Calvins zu viel gescherzt würde.

Calvin kam in seinen Studienjahren in Paris hauptsächlich mit dem herrschenden Humanismus in Verbindung. Hier lernte er die alten Sprachen zu schätzen, wurde ein Meister in der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache. Die Humanisten betonten nicht nur den freien Willen der Menschen, sie übten auch vehement Kritik an den damaligen Fehlentwicklungen der katholischen Kirche.

Als die Verfolgungen der Lutheraner in Paris einsetzte, musste auch Calvin fliehen. Rein zufällig gelangte er 1536 nach Genf, wurde dort erkannt und von dem Reformator Wilhelm Farel genötigt, in Genf zu bleiben, um das kleine Pflänzchen der Reformation zu begießen.

Alle Reformen, die Calvin einführte, waren biblisch begründet. Alles , was sich in der Kirche nicht auf die Bibel zurückführen ließ, wurde von ihm abgelehnt und aus dem kirchlichen Alltag entfernt. So sah er die Gottesdienstform durch und führte eine schlichte Form ein. Die Predigt stand im Mittelpunkt, dazu kam der Psalmengesang, die Lesungen, das Schuldgebet und die Fürbitte.

Wie nachhaltig das Werk Calvins bis heute ist, verdeutlichte Wilfried Mahler an den fehlenden Gardinen in den holländischen Häusern (genehmer Lebenswandel musste ersichtlich sein); die Bermudashorts (Amerika wurde geprägt vom Calvinismus der Puritaner, die eine sittliche Herrenbekleidung verlangten); die Ersetzung der Weihnachtsfeier in Schottland durch das Hogmanayfest, (Silvester) und , wie Jürgen Stahlhut noch hinzufügte, die Uhrenindustrie im Umfeld von Genf, denn Schmuck durfte nicht angelegt werden, Uhren aber, selbst teure, waren halt ein reiner Gebrauchsgegenstand.

Gestreift wurde auch der Vorwurf, Calvin sei der Vater des Kapitalismus und damit auch für seine derzeitigen Verirrungen verantwortlich . Dagegen steht allerdings der Ausspruch des calvinistischen Kapitalisten Andrew Carnegie, dass „wer reich stirbt, stirbt in Schande.“

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