Ehemaliger olympia-Skispringer lernt von Burgsteinfurter Hauptschülern

Mi., 08.02.2012

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Gas geben kann jeder – aber bremsen?

Ehemaliger olympia-Skispringer lernt von Burgsteinfurter Hauptschülern : Gas geben kann jeder – aber bremsen?

Marc Nölke war von Gerlinde Lambertys Methode sehr angetan – mehr aber noch von der unangestrengten Disziplin der Bagno-Schüler Foto: Hans Lüttmann

Burgsteinfurt - 

Was macht ein Skispringer im Münsterland? Skispringen ganz sicher nicht. Dass Marc Nölke die Schule am Bagno besucht, verwundert aber nicht, denn er will dort Entspannungsübungen kennenlernen, die Bagno-Schüler seit fast drei Jahren kennen. Nun aber droht das Aus.


Ein Skispringer im Münsterland? Der ist so genauso fehl am Platz wie ein Extremkletterer auf dem Buchenberg. Sollte man meinen; aber erstens springt Marc Nölke (38) schon seit seinem verheerenden Sturz beim Olympia-Training in Albertville von keiner Schanze mehr, zweitens hat er auch als Co-Trainer der österreichischen Skisprung-Nationalmannschaft den Dienst quittiert, und drittens kann man doch auch im Klassenzimmer Ski springen. Im Geiste, nicht in echt, aber immerhin.

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Aber nicht einmal deswegen ist Marc Nölke (der damals 1992 mit Jens Weißflog, Dieter Thoma und Christof Dufner im Olypia-Team war) nach Burgsteinfurt gekommen, sondern weil er lernen will: von Gerlinde Lamberty und vor allem von den Schülern der 5a, die ihm zeigten, wie das geht – innerlich auf die Bremse treten.

Marc Nölke, der in Köln ein ähnliches Institut betreibt wie Gerlinde Lamberty in Burgsteinfurt, wollte sich über ihr Projekt „Gesunde Schule – entspanntes selbstwirksames Miteinander“ informieren, das mit viel Erfolg seit drei Jahren an der Schule am Bagno läuft. Bald ist aber kein Geld mehr dafür da, weswegen auch Helene Walter, Klassenlehrerin der 5a, Reklame macht für das Projekt und Sponsoren sucht, die helfen könnten.

„Demnächst“, orakelt Gerlinde Lamberty angesichts des beschleunigten Mangels an Facharbeitern, „werden die Firmen sich bei künftigen Mitarbeitern vorstellen – nicht umgekehrt wie heute.“ (Und sie kann einen berühmten Fürsprecher zitieren, Automobilpionier Henry Ford, der schon im 19. Jahrhundert wusste: „Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer.“)

Aber auch für demnächst (und sogar für Sebastian Vettel) gilt der Satz; „Gas geben kann ja jeder – aber bremsen?“ Und eben darauf komme es mehr und mehr an in einer immer schleuniger werdenden Gesellschaft. „Wenn wir jetzt nicht die Chance geben, Ruhe kennenzulernen und wahrzunehmen“, sagt die Burgsteinfurter Stressmanagerin, „werden wir demnächst die Ruhe, die der Körper dann einfordert, teuer bezahlen müssen.“

Erst mal, oder besser: zum Schluss gab es etwas umsonst: Autogramme und ein Dankeschön, dass er im Geiste mit den Schülern mitfliegen durfte


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