So., 03.02.2013

Postkarten-Poesie polarisiert Preisträger lesen moderne Lyrik und Kurzprosa in der Stadtbücherei

Literarisches Terzett: Thorsten Krämer, Rhea Simone Winand, Marie T. Martin (v.l.).

Literarisches Terzett: Thorsten Krämer, Rhea Simone Winand, Marie T. Martin (v.l.). Foto: Claudia Mertins

Burgsteinfurt - 

Seit einigen Monaten liegen in der Stadtbücherei schöne, bunte Postkarten mit Gedichten zur kostenlosen Mitnahme aus. „Postpoetry“ heißt die Aktion, die die Gesellschaft für Literatur NRW und der Verein Aura 09 vor drei Jahren gestartet haben, um Lyrik populär zu machen, sie im wahrsten Sinne des Wortes mittels der guten, alten Postkarte unters Volk zu bringen.

Von Claudia Mertins

Am Freitag waren drei Autoren und Preisträger des Wettbewerbs auf Einladung des Bücherei-Teams nach Steinfurt gekommen, die 20-jährige Abiturientin Rhea Simone Winand aus Solingen , der professionelle Schriftsteller Thorsten Krämer und als Moderatorin die renommierte Lyrikerin Marie T. Martin , beide aus Köln.

Die junge Preisträgerin Rhea Simone Winand begann ihre Lesung mit ihrem Sieger-Gedicht „Inventur“, das sehr poetisch das Regal eines alten Mannes beschreibt. Anhand der Sammelstücke, die sich darin befinden, skizziert sie die Träume und Leidenschaften eines ganzen Lebens: „Oben liegt eine Welle, stürmisch und glitzernd, darunter ein säuselndes Lindenblattlächeln, och immer heiße Lavaasche, gelbe Gewürze und ganz unten versteckt komprimierte Liebesschwüre“.

Auf die Frage der Moderatorin, was der Wettbewerbserfolg für sie bedeute, sagte die sehr geerdet wirkende Schülerin, dass der Preis eine schöne, aber nicht notwendige Ermutigung zum Weiterschreiben sei.

Dann las der freie Schriftsteller Thorsten Krämer sein prämiertes Gedicht „Zazen (= Sitzmeditation) in der Metro“: „Das Öffnen und Schließen der Türen wären dein Mantra, bräuchtest du eines“, konnten die Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs gut nachvollziehen und mit dem Vers: „Das sind die Sätze, die später das Unfassbare zu fassen versuchen“ lieferte er eine mögliche Definition dessen, was moderne Lyrik ausmacht.

In der anschließenden Diskussionsrunde debattierte das erfreulich junge und jung gebliebene Publikum über „willkürliche Aneinanderreihung substanzloser Worthülsen“, abstrakte Kunst, Gedichtinterpretationen, die Musikalität von Sprache, und es wurde so munter diskutierte wie damals im Literarischen Quartett. Die Moderatorin Marie T. Martin fand dann ein schönes Schlusswort mit dem Zitat: „Ein Gedicht zu schreiben ist, wie einen Kiesel im Mund zu formen“.

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