Fr., 28.03.2014

Kirchenkreis in Geldnot Jubi Nordwalde droht das Aus

Vor einer ungewissen Zukunft steht die Jugendbildungsstätte Nordwalde, die vor zwei Jahren ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. Superintendent Joachim Anicker und der Nordwalder Pfarrer Ulf Schlien (kleines Foto) stellten gestern die Sparpläne vor.

Vor einer ungewissen Zukunft steht die Jugendbildungsstätte Nordwalde, die vor zwei Jahren ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. Superintendent Joachim Anicker und der Nordwalder Pfarrer Ulf Schlien (kleines Foto) stellten gestern die Sparpläne vor. Foto: : Terstegge/Giersberg

Nordwalde - 

Die Jugendbildungsstätte Nordwalde gilt als Vorzeigeprojekt und eine der größten ihrer Art. Jetzt droht ihr das Aus. Denn der Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken als Träger muss kräftig sparen.

Von Achim Giersberg

120 Betten, davon acht Pflegebetten für Schwerstbehinderte, eine Vielzahl von hoch gelobten Bildungsseminaren für Jugendliche und Erwachsene 19 000 Übernachtungen pro Jahr: Eigentlich ist die Jugendbildungsstätte (Jubi) Nordwalde ein Vorzeigeprojekt, mit „hoher Strahlkraft weit über die Region hinaus“, wie Superintendent Joachim Anicker gestern befand. Und doch ist ihre Zukunft mehr als ungewiss. Denn der evangelische Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken muss sparen, mindestens 250 000 Euro im Jahr. Und eine Variante, dieses Ziel zu erreichen, wäre die Schließung der Jubi. Denn die wird zwar weit über den Kirchenkreis hinaus genutzt, aber alleine von ihm finanziert.

Doch noch ist es nicht so weit. Denn die Entscheidung über die Zukunft der Jubi trifft die Kreissynode – spätestens bis Sommer 2015.

Dabei kann sie, wie Anicker und der Nordwalder Pfarrer und Synodalassessor Ulf Schlien gestern vor der Presse erläuterten, aus drei Optionen wählen. Option eins: Der Kirchenkreis konzentriert seine Jugend- und Bildungsarbeit an einem zentralen Ort im Kirchenkreis. Dafür böte sich die Jubi Nordwalde an, die dann sogar besser ausgestattet werden könnte. In den Optionen zwei und drei spielt dagegen die Jubi keine Rolle mehr. Sie sehen eine Regionalisierung der Jugend- und Bildungsarbeit vor. Dabei könnte in jeder der vier Teilregionen des Kirchenkreises ein Büro entstehen, das mit je einer Vollzeitkraft für die Jugendarbeit und die Diakonischen Dienste besetzt ist. Option drei wäre eine noch weitere Regionalisierung mit Stellenanteilen auf Gemeindeebene.

Letztlich, so Anicker, gehe es um eine Entscheidung zwischen den Konzepten Zentralisierung und Regionalisierung. Im Laufe dieser Woche sei darüber bereits im Rahmen von vier Regionalkonferenzen diskutiert worden. Es sei zwar kein offizielles Meinungsbild erstellt worden, aber spürbar gewesen sei, dass die „Zustimmung zur Jubi im Quadrat zur Entfernung abnimmt“. Auf die Frage, ob er dem Fortbestand der Jubi schlechte Chancen einräume, sagte Anicker: „Ich denke ja. Der Trend läuft gegen die Jubi“.

Eine Schließung wäre allerdings erst die letzte Option. Am liebsten würde der Kirchenkreis die gesamte Einrichtung aus dem laufenden Betrieb heraus an einen anderen Träger übergeben. Auch eine Aufteilung in einen Tagungs- und einen Bildungsbereich könne man sich vorstellen, sagten Anicker und Schlien. Noch, so räumten sie ein, gebe es aber keine konkreten Interessenten. Vielleicht, so die Hoffnung, ergebe sich aus der jetzt beginnenden Diskussion eine Lösung. 156 000 Euro pro Jahr koste den Kirchenkreis die Jubi, ohne die derzeit vakante Stelle der Geschäftsführung.

Es habe auch Gespräche mit dem Kirchenkreis Tecklenburg über eine verstärkte Kooperation mit der Jubi Tecklenburg gegeben, sagte Anicker; ebenso Gespräche mit der Landeskirche in Bielefeld über eine Bezuschussung. Beides habe aber keinen Erfolg gebracht.

Von möglicherweise anstehenden betriebsbedingten Kündigungen könnten maximal rund 35 Mitarbeiter betroffen sein. Aber natürlich werde man nach sozialverträglichen Lösungen suchen, versprach der Superintendent.

Noch stehe der Kirchenkreis finanziell einigermaßen gut da, hatte Anicker zuvor erläutert. Dies werde sich aber in den kommenden Jahren ändern, hauptsächlich aus demografischen Gründen. So stehe eine Verrentungswelle bei den Kirchensteuerzahlern an, während die Personal- und Unterhaltungskosten permanent stiegen.

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