Mi., 18.03.2015

Kubendorff-Nachfolge Hemker will Landrat werden

Kreis Steinfurt - 

Falls die Partei ihn rufe, stehe er bereit, versichert Dr. Reinhold Hemker. Der langjährige SPD-Bundestagabgeordnete kann sich gut vorstellen, neuer Landrat im Kreis Steinfurt zu werden, trotz seines Alters von 70 Jahren. Die Parteispitze zeigte sich irritiert.

Von Achim Giersberg

Der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Reinhold Hemker will Landrat im Kreis Steinfurt werden. Das kündigte Hemker gestern gegenüber dieser Zeitung an. „Nachdem ich verschiedene Gespräche mit einzelnen Vertretern von SPD-Ortsvereinen, auch Ortsvereinsvorsitzenden, geführt habe, kann ich jetzt sagen, dass ich für das Amt des Landrats im Kreis Steinfurt kandidieren würde“, schreibt er in einem Brief an unsere Zeitung. Das Problem: Ob die SPD ihn überhaupt nominieren würde, ist offen.

Das ist auch Hemker klar. „Die Mitglieder der SPD-Findungskommission müssten mich den Gremien des Unterbezirks vorschlagen und auch ein klärendes Gespräch über politische Inhalte und Aufgaben mit den Schwerpunkten für den Kreis Steinfurt führen,“ erklärt er und wünscht sich ein „Signal der Leitungsgremien“. Doch geduldiges Abwarten ist Hemkers Stärke nicht. Im Hintergrund arbeitet er bereits kräftig an einer innerparteilichen Unterstützung für seine Kandidatur. Er habe nicht nur mit diversen Ortsvereinsvorsitzenden über eine Kandidatur gesprochen, sondern auch bereits mit „Mitgliedern anderer, dem Kreistag angehörenden Parteien“. Ziel sei, dass „eine Kandidatur meinerseits von einem breiten, bunten Bündnis der im Kreistag vertretenen Parteien mitgetragen würde“.

Auch auf sein Alter – Hemker ist 70 – als mögliches Hindernis für eine Kandidatur geht er ein: Sein Entschluss sei auch dadurch beeinflusst worden, dass der Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft 60plus u.a. darauf verwiesen habe, dass ältere Menschen „gerade auch für leitende Aufgaben in der Gesellschaft gebraucht werden“. Hemker verweist in diesem Zusammenhang auch auf andere „alte“ Politiker wie Wolfgang Schäuble , Joachim Gauck oder Christian Ströbele. Und natürlich fehlt auch nicht der Hinweis darauf, dass er gerade für den Ironman in Hawaii trainiere.

Beim SPD-Kreis-Vorsitzenden Jürgen Coße kommt indes Hemkers Selbst-Nominierung überhaupt nicht gut an. „Ich kommentiere keine Namen“, sagte er gestern auf Anfrage und verwies darauf, dass er Hemkers Brief nicht kenne. Dann gab er aber doch noch ein Statement ab: „Es gibt Spielregeln, an die sich alle halten sollten. Wenn Hemker tatsächlich Landrat werden will, sollte auch er sich an diese Spielregeln halten.“ Wann die SPD ihren Landrats-Kandidaten vorstellen werde, wollte Coße nicht sagen. Offiziell aufgestellt werde er erst im Mai im Rahmen einer Wahlkreis-Delegierten-Konferenz.

Elisabeth Veldhues, Sprecherin der SPD-Kreistagsfraktion, reagierte gestern „überrascht und sprachlos“, fand dann aber doch noch Worte: „Das glaube ich nicht. Ist das schon ein Aprilscherz?“ Sie selber sei ja auch auf eine Kandidatur angesprochen worden, habe dann aber mit Hinweis auf ihr Alter abgesagt. „Wenn wir schon eine Chance haben, dann sollte es jemand machen, der 2020 mit dem Amtsbonus in die Vollen gehen kann“. Allerdings halte sie Hemker für „hochgeschätzt in der Bevölkerung“ und „Wahlkampf machen, das kann er.“ Letzten Endes glaube sie aber, dass seine Kandidatur ein „Appell an die Partei“ sei „endlich zu Potte zu kommen“.

Auch das „breite, bunte Bündnis“, das sich Hemker wünscht, steht noch lange nicht. Jan-Niclas Gesenhues, Sprecher der Grünen Kreistags-Fraktion, sagte gestern auf Anfrage: „Wir haben noch nicht intensiv mit Herrn Hemker gesprochen. Ich weiß aber, dass er zur Zeit jede Menge Gespräche führt und eine Kandidatur vorbereitet.“ Für die Grünen habe ein eigener Kandidat weiterhin erste Priorität. Man sei aber grundsätzlich für Gespräche mit Hemker offen. Dessen Agieren im Streit um das ökologische Jagdgesetz habe aber bei den Grünen „einige Hürden aufgebaut“. Wenn Hemker nun am SPD-Kreisvorstand vorbei seine Kandidatur betreibe, dann sei das zudem „kein guter Stil“. Die Grünen würden eher einen „jungen dynamischen Kandidaten“ der SPD bevorzugen, mit dem es auch eine längerfristige Perspektive gebe.  

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