Fr., 11.03.2016

Grubenwasser unter Verdacht PCB: CDU drängt auf Aufklärung

Was ist drin im Grubenwasser?

Was ist drin im Grubenwasser? Foto: Jan-Peter Kasper

Kreis Steinfurt - 

Ist das Gubenwasser aus der Zeche Ibbenbüren mit hochgiftigem PCB belastet? Ein Experte hatte von „signifikanter Belastung“ gesprochen und es gibt anscheinend drei widersprüchliche Messungen. Die CDU im Kreistag drängt jetzt massiv auf Aufklärung. Der Kreis Steinfurt aber meint, er sei nicht zuständig und „völlig überfordert“ in dieser Frage.

Von Achim Giersberg

Gelangt hochgiftiges, krebsauslösende PCB, eine seit 1989 weltweit verbotene organische Chlorverbindung, über das Grubenwasser der Ibbenbürener Zeche in Oberflächengewässer und dann möglicherweise auch ins Grundwasser? Darüber forderte der CDU-Fraktionschef und Landtagsabgeordnete Wilfried Grunendahl am Mittwochabend im Bau- und Verkehrsausschuss Aufklärung von der Kreisverwaltung. Die erklärte sich in Gestalt des Baudezernenten Franz Niederau als „nicht zuständig“ und ohnehin in dieser Frage“ „völlig überfordert“. Dennoch gab sie eher Entwarnung.

Nach einer Messung der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg aus den Jahren 2010 und 2013, so Niederau, gebe es „keine relevante Belastung“. Eine Vorklärung der Grubenwässer halte der Kreis nicht für notwendig, antwortete er auf eine entsprechende Frage der CDU-Fraktion.

Grunendahl zeigte sich „sehr irritiert“ darüber, dass es offenbar parallele Messungen der Bezirksregierung Arnsberg, des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz LANUV, und der RAG gebe, die alle drei zu unterschiedlichen Messergebnissen kommen. „Alle, außer der Bezirksregierung haben was festgestellt“, meinte Grunendahl und verwies darauf, dass es um „gewaltige Mengen“ kontaminierten Wassers gehe: Bis zu 40 000 m³ täglich oder 15 Millionen Liter pro Jahr. Auch die Mengen des vor allem in Hydraulik-Öl bis 1986 verwendeten PCB seien mit 12 000 Tonnen „ganz erheblich“. Grunendahl verwies auf jüngste Aussagen des ehemaligen Abteilungsleiters im NRW-Umweltministerium, Dr. Harald Friedrich, wonach 95 Prozent des PCB unter Tage verblieben sind – auch in Ibbenbüren. Auch spreche Friedrich im Gegensatz zu den Behörden von „signifikanten Belastungen“ durch PCB im Grubenwasser. Der Kreis dürfe sich nicht auf seine formale Nicht-Zuständigkeit zurückziehen, meinte Grunendahl und forderte: „Wir als Kreis müssen ganz genau gucken, ob eine Belastung des Grundwassers wirklich ausgeschlossen werden kann.“ Er persönlich habe da Zweifel, vor allem wegen des geplanten Ausbaus des Wasserwerks Dörenthe. „Das muss zu 100 Prozent geklärt werden, was da los ist“, forderte Grunendahl die Untere Wasserbehörde zum Handeln auf.

Ob dem Kreis bekannt sei, dass unvorbehandeltes Grubenwasser in die Ibbenbürener Aa eingeleitet werde, wollte Grunendahl weiter wissen. Die Einleitung erfolge über Teichanlagen, wo sich chemische Stoffe ablagerten, antwortete Niederau, verwies aber nochmals auf die oberere Bergbaubehörde als zuständige Behörde. Auch auf die Frage „Welche Möglichkeiten hat der Kreis Steinfurt, um unser Grundwasser vor PCB zu schützen?“ gab es keine befriedigende Antwort. Niederau verwies darauf, dass Grubenwasser viel tiefer gelegen sei als das Grundwasser und es bis jetzt keine Hinweise darauf gebe, dass Grubenwasser, das an die Oberfläche gepumpt werde, ins Grundwasser gelange.

Jan-Niklas Gesenhues (Grüne) erinnerte daran, dass neben der möglichen PCB-Belastung die Ibbenbürener Aa extrem mit Chlorid-Salzen verseucht sei. Die Aa müsse die unglaubliche Menge von täglich (!) 700 000 Kilogramm Chlorid verkraften, womit der Grenzwert um das 50-fache überschritten werde und die Aa „völlig tot“ sei, zitierte er Aussagen von Werner Wenker, dem Leiter der Unteren Wasserbehörde des Kreises. Dieser hatte schon im vergangenen Jahr Alarm geschlagen, dem Kreis drohe eine „Grundwasser-Katastrophe“ durch die zunehmende Belastung durch intensive Viehhaltung und den zunehmenden Flächendruck durch Biogas-Anlagen. Es gebe „sofortigen Handlungsdruck“ hatte Wenker damals gefordert – bislang vergeblich. 

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