Do., 30.06.2016

Überlebender des Holocausts erzählt von der Zeit im KZ „Liebe ist größer als Hass“

Leslie Schwartz ist einer der letzten Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben. Angefangen in Auschwitz ging seine Reise über Dachau und Amerika, bis er wieder hier nach Deutschland kam.

Leslie Schwartz ist einer der letzten Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben. Angefangen in Auschwitz ging seine Reise über Dachau und Amerika, bis er wieder hier nach Deutschland kam. Foto: Matthias Ahlke

Die Taten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg gehören zu den schlimmsten in der Gesichte der Menschheit. Leslie Schwartz hat sie selber mitbekommen und überlebt. Deswegen reist er durch Deutschland und erzählt von seinem Schicksal.

Die Gräueltaten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg waren grausam. Nicht umsonst ist es ein ausführliches Thema auch außerhalb des Geschichtsunterrichts. Eine ganz besondere Stunde zum Thema Holocaust durften einige Schüler des Gymnasiums Borghorst jetzt erleben. Leslie Schwartz , ein Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs und Holocaust-Überlebender, besuchte die Geschichtskurse.

Der heute 86-Jährige berichtete den Schülern von seiner Gefangenschaft im Dritten Reich und entführte seine Zuhörer in eine andere Zeit. Besonders anschaulich war ein Dokumentarfilm, der seine Geschichte erzählt und den Schülern die Möglichkeit gab, sich die damaligen Verhältnisse besser vor Augen führen zu können.

Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Schwartz in Ungarn in einem Ghetto mit 7000 Juden zusammengepfercht, nur um dann mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert zu werden. Dort wird er von seiner Mutter und seiner Schwester getrennt. Durch Zufall entkommt er dem Tod und landet im nächsten Konzentrationslager in Dachau .

Im neuen Lager wartet Knochenarbeit bei zu wenig Essen und Schlaf auf ihn. Hinzu kommt der psychische Terror, der von den Nazis ausgeübt wurde.

Als die Alliierten 1945 das Lager räumen, wird Schwartz nach Bayern gebracht. Dort ließen ihn die SS-Männer frei und er und ein Freund von ihm konnten sich zu einem Bauernhof durchschlagen. Dort gab es nach der vielen Arbeit „das leckerste Butterbrot, was ich jemals gegessen habe“. Doch auch hier ist das Glück nicht auf seiner Seite. Ein Junge aus der Hitlerjugend schießt auf ihn und Leslie Schwartz wird am Hals getroffen. Doch auch das hat er überlebt. Zurück in Ungarn fühlte es sich aber nicht mehr so an, als wenn das seine Heimat wäre. Deswegen holte sein Onkel ihn nach Amerika. Dort baute er sich ein neues Leben mit Frau und Familie auf und kam später nach Deutschland zurück.

Heute ist der gebürtige Ungar mit einer Münsteranerin verheiratet und hat es sich zur Aufgabe gemacht Schulen zu besuchen. Dadurch will er seine Botschaft verbreiten, dass sich so etwas niemals wiederholen darf. Über 1000 Schulen hatten schon die Ehre, Leslie Schwartz in Empfang zu nehmen und Fragen zu der Zeit als KZ-Häftling im Arbeitslager Birkenau und Dachau zu stellen. Für seine Arbeit bekam er das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Auf die Frage, wie es ihm möglich sei, die Deutschen nicht zu hassen, antwortet er damit, dass Liebe das Einzige sei was größer als Hass ist und er durch die Helfer bei seiner Flucht erfahren durfte, dass nicht alle Deutschen gleich sind.

Mit diesem Lebensmotto verabschiedete er die Schüler nach der wohl bewegendsten Geschichtsstunde, die sie jemals erleben durften.

Inga Jöken

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