Di., 12.01.2016

Erstes Plädoyer im Drogenprozess „Sie wussten genau, was Sie taten“

Burgsteinfurt/Münster - 

Als die Polizisten am 2. Juli die Wohnung in Burgsteinfurt stürmten, saß der 24-Jährige am Tisch und tütete gerade die nächsten Rauschgift-Bestellungen ein. Im Eisfach des Kühlschranks lag das Amphetamin neben dem Vienetta Knuspereis. Und auch sonst lagen die Drogen „überall offen rum“, wie der Staatsanwalt aus den Polizeiprotokollen zitierte. Für vier Jahre soll der Burgsteinfurter ins Gefängnis. Außerdem soll er nach dem Willen des Anklagevertreters wegen seiner Drogensucht eine Therapie machen. Ein Urteil in dem spektakulären Prozess, bei dem außerdem die zwei Jahre jüngere Schwester sowie ein 27-jähriger Niederländer wegen bandenmäßigen Handelns mit Rauschgift vor Gericht stehen, wird Ende des Monats von der achten Strafkammes des münsterischen Landgerichts erwartet.

Von Axel Roll

Die Anklage hält es für erwiesen, dass die Drei Mitglieder einer Bande waren, die harte wie weiche Drogen über das Internet an Kunden bis nach Australien und in die USA verkauft hat. In den Niederlanden soll das Netzwerk zahlreiche Cannabisplantagen unterhalten haben. Bei der Festnahme stellten die Ermittler Heroin, Kokain, Amphetamine, Ecstasy und Cannabis im Marktwert von einer Million Euro sicher.

„Leute wie Sie machen unsere Gesellschaft kaputt“, ging der Vertreter der Anklage mit dem 24-Jährigen hart ins Gericht. „Sie wussten genau, was Sie taten“, ist der Staatsanwalt überzeugt. Dass die von ihm geforderte Strafe nicht höher ausfiel, begründete er mit dem umfangreichen Geständnis des Burgsteinfurters sowie mit seinem Mut, damit auch seine Schwester und den mitangeklagten Niederländer schwer zu belasten.

Wie aus den am Dienstag verlesenen Ermittlungsakten hervorgeht, gingen die Drogenhändler beim Verschicken der heißen Ware äußerst professionell vor. So nutzten sie als Absender auf den gepolsterten Umschlägen Firmenadressen, oft mit Original-Logo, aus dem ganzen Bundesgebiet. Das hatte allerdings manchmal den unerwünschten Nebeneffekt, das nicht zustellbare Rückläufer bei diesen Unternehmen landeten. . .

Auch bei der Verpackung des Stoffs gaben sich die Anbieter offensichtlich sehr viel Mühe. Oft packten sie die Tütchen in leere DVD-Hüllen von Pornofilmen. Das kam nicht bei allen Kunden gut an. Ein weiblicher Abnehmer teilte den Versendern über das Bewertungsportal mit, künftig doch bitte anderes Verpackungsmaterial zu verwenden.

Auf die Spur des offensichtlich weit verzweigten Drogennetzwerkes hatte die Polizei ein 26 Jahre alter Student aus Gronau gebracht. Der junge Mann war am 26. April zur Bank in der Stadtmitte gefahren, um sich Geld zu holen, als ihm erst ein finster dreinblickender Mann in einem schwarzen Mercedes CLS und dann eine weitere Person, die mit einem Handschuh stapelweise Briefumschläge in den Postkasten stopfte, auffiel. „Das kam mir komisch vor“, erläuterte er dem Gericht. Also rief er die 110 an – und brachte damit ein „Riesen-Strafverfahren in Gang“, wie der Richter betonte.

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