Fr., 22.01.2016

Neue Ausstellung im Stadtmuseum Der morbide Charme des Vergänglichen

Bei der Ausstellungseröffnung:  Elisabeth ten Berge (Heimatverein), Annette Kock und Fotograf Michael Johann Dedeke (v.l.).

Bei der Ausstellungseröffnung:  Elisabeth ten Berge (Heimatverein), Annette Kock und Fotograf Michael Johann Dedeke (v.l.). Foto: rs

Burgsteinfurt - 

Farbreste, die von Wänden abblättern, rostige Versorgungsleitungen, zerschlagene Fensterscheiben – die Fotografien von Michael Johann Dedeke zeigen auf eindrucksvolle Weise den Charme morbider Industriearchitektur. Der Berufsfotograf aus Münster ist eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Museumswerkstatt-Gruppe des Heimatvereins Burgsteinfurt eingegangen. Das Ergebnis ist seit gestern im Stadtmuseum an der Hohen Schule zu sehen: Im Rahmen der Präsentation „Vergessene Welten 2016“ werden acht großformatige Arbeiten gezeigt, die den Zustand der alten Baumwollspinnerei Franz Rolinck vor dem Abriss im Jahr 2015 zeigen.

Mit Zustimmung der letzten Besitzer Alfred und Annette Kock durfte der 54-Jährige die Ruinen betreten und ausgewählte Szenerien ablichten. „Ein echtes Abenteuer“, wie Dedeke gestern anlässlich der Eröffnung der Ausstellung betonte.

Die gezeigten acht Aufnahmen sind alles andere als „gewöhnliche“ Fotografien. Mittels digitaler Bildbearbeitung – unter anderem durch Kontrastierungen und Farbüberzeichnungen – hat Dedeke sie künstlerisch aufgewertet. Die dadurch vermittelte Surrealität eröffnen dem Betrachter interessante Perspektiven. Hinzu kommt natürlich auch das Bestreben, Zeitgeschichte für die Nachwelt zu erhalten.

Ein Aspekt, auf den auch Elisabeth ten Berge von der Museums-Werkstattgruppe des Heimatvereins einging. „Die Fotografien sind wertvolle Erinnerungsstücke an eine industriell blühende Zeit“, sagte die Mitinitiatorin, die zudem auf die weiteren Bestandteile der Ausstellung zur Industriekultur, die in den kommenden Wochen im Stadtmuseum zu sehen sein wird, hinwies. Erwähnung fanden unter anderem Exponate, die die Brauerei Rolinck sowie das Sauerstoffwerk Howe zur Verfügung gestellt haben. Abgerundet wird die Präsentation durch alte Briefköpfe von Burgsteinfurter Unternehmen sowie eine Fahne der Arbeiter der Tabakfabrik Rotmann, die sich Ende des 19. Jahrhunderts als Vorläufer heutiger Verbände gegründet hat.

Heimatvereins-Vorsitzender Dr. Reinhold Dankel sprach nicht nur Fotograf Dekede und Annette Kock Dank aus, sondern ausdrücklich auch den Mitgliedern der Heimatvereinsgruppe. „Sie sind mit viel Herzblut dabei – und das komplett ehrenamtlich.“

Das anerkannte auch Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, die zudem betonte: „Bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven ist es wichtig zu wissen, wo die Wurzeln sind.“ Die Ausstellung leiste dazu einen wichtigen Beitrag.

Die Dedeke-Arbeiten werden über einen längeren Zeitraum im Stadtmuseum zu sehen sein. Die Familie Kock hat sie als Leihgabe für bis zu zwei Jahre zur Verfügung gestellt.

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