So., 31.01.2016

Boulanger-Trio in der Steinfurter Konzertgalerie Wunderbare Leichtigkeit

Das Boulander-Trio legte am Freitagabend in der Steinfurter Bagno-Konzertgalerie einen fulminanten Auftritt hin. Das Publikum spendierte reichlich Applaus für ein durchdachtes Musizieren und eine hoch interessante Programmzusammenstellung.

Das Boulander-Trio legte am Freitagabend in der Steinfurter Bagno-Konzertgalerie einen fulminanten Auftritt hin. Das Publikum spendierte reichlich Applaus für ein durchdachtes Musizieren und eine hoch interessante Programmzusammenstellung. Foto: Martin Fahlbusch

Steinfurt - 

Mit einem famosen Auftritt hat das Boulanger-Trio am Freitag die Konzertreihen in der Steinfurter Bagno-Galerie fortgesetzt. Die Musikerinnen überzeugten ihr Publikum mit einem hoch interessanten Programm.

Von Martin Fahlbusch

Man kennt den Spruch: Beifall ist das Brot des Künstlers. Gehen wir einmal davon aus, dass es am Freitagabend in der Konzertgalerie für das bemerkenswerte Boulanger-Klaviertrio eine angemessene Gage gab, sodass schlichte Ernährungsfragen in den Hintergrund treten konnten.

Mit Applaus sparte das aufmerksame Publikum nun wirklich nicht, aber es war eher die atemlose Anerkennung für einen fulminanten Auftritt von Karla Haltenwanger am Flügel, Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Violoncello). Und die galt sowohl für fabelhaftes und durchdachtes Musizieren als auch für ein hoch interessantes Programm. Wer nach einer heftig geforderten Zugabe mit dem „Soir“ von Mel Bonis, einer zu Unrecht wenig bekannten französischen Komponistin, die an der Schnittstelle zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert lebte und der Musik stets verpflichtet war, als weitere Zugabe ein Nocturne von Ernest Bloch spendierte und die Zuhörer erneut restlos überzeugte, der weiß um die Vielfalt viel zu wenig gespielter, mitunter neuerer Musik.

Genau das ist bei den drei Musikerinnen auch ein inhaltliches Anliegen, die seit 2006 das Boulanger-Trio bilden, das sich auf Lili und Nadia Boulanger bezieht und Persönlichkeit und Selbstbewusstsein von Frauen in der Musik explizit betont wissen will. Die drei am Freitag im Bagno begeisternden Künstlerinnen tun das aber nicht verkrampft-sendungsbewusst oder gar engstirnig-ideologisch.

Sie haben untereinander bestens kommuniziert und mit bestechend durchdringenden Interpretationen der Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, dem 1955 geborenen Japaner Toshio Hosokawa und Franz Schubert überzeugt. So gelingt das E-Dur Klaviertrio KV 542 von Mozart als völlig eigenständige Sicht auf ein durchaus auch von anderen Musikern, sagen wir eher vorhersehbar gespieltes Stück. Und dieser kluge Einstieg bereitete bestens vor auf eine flirrend-sphärische Komposition des Japaners Toshio Hosokawa, die Ahnungen und Erinnerungen an Klosterklänge von der asiatischen Insel mit eher europäischen, aber eben modernen Musik- und Instrumentenspielweisen verschränkt.

Zum Verständnis hilfreich war die Anmoderation von Birgit Erz, schärfte aber auch die Bereitschaft des Publikums, sich moderner musikalischer Schaffensweise ein Stück zu öffnen.

Mühelos meisterten die Musikerinnen das hohe technische Anforderungsprofil dieser vielschichtigen und mitunter ungewöhnlichen Klangkollagen, dem das Klavier ein gewisses, vielleicht sogar metrisches Fundament zu verleihen suchte.

Nach der Pause dann das Monster-Trio B-Dur op. 99 von Franz Schubert, das Haltenwanger, Erz und Kindt aber mit eleganter Leichtigkeit, wunderbarer Musikalität und frappierender Stimmigkeit bis in den kleinsten Takt ausleuchteten.

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