Do., 17.03.2016

Sprengungen leichter als ein Bankraub Firma aus Borghorst arbeitet an besserem Schutz für Geldautomaten

Nicht selten entstehen Kollateralschäden,  wie bei dieser Sprengung kürzlich in Ahaus. Hier wurde fast der gesamte SB-Bereich des Geldinstitutes zerstört.

Nicht selten entstehen Kollateralschäden,  wie bei dieser Sprengung kürzlich in Ahaus. Hier wurde fast der gesamte SB-Bereich des Geldinstitutes zerstört. Foto: Detlef Held/Ralf Roeger

Steinfurt - 

Das Sprengen von Geldautomaten ist in Mode gekommen, vor allem in Deutschland. Bundesweit waren bis Anfang Dezember 104 Fälle registriert, davon allein 67 in NRW. In diesem Jahr sind es schon 24 Versuche, die fast auch immer erfolgreich waren, zumindest für die Täter.

Von Detlef Held

Ein Gegenmittel für die kriminellen Machenschaften kommt aus Borghorst: Die Firma Concept, die unter anderem Banken einrichtet, feilt an Schutzmaßnahmen für die Automaten. „Mit ein wenig Aufwand kann man ein Höchstmaß an Sicherheit erreichen“, sind Horst Frenking, Geschäftsführer des Borghorster Unternehmens „Concept International“ und Rainer Zimmermann, der bei Concept an der Entwicklung von Sicherheitslösungen mitwirkt, überzeugt.

Bereits vor fünf Jahren hat das Unternehmen ein Sicherheitsrollo entwickelt, mit inzwischen weiteren Verbesserungen. Eine rustikale Variante ist ein Eisengitter am Eingang des SB-Bereiches. „Das aufzubrechen verursacht Lärm, da dafür schweres Gerät benötigt wird“, erklärt Rainer Zimmermann. Da das SB-Foyer fast immer auch alarmgesichert ist, würde dieser Lärm die Anlage aktivieren, die Videoüberwachung schaltet sich ein und eine Nebelbank beeinträchtigt die Sicht so erheblich, dass der Einbruch abgebrochen werden muss. Nachteil: der Kunde kann den Geldautomaten nur zu bestimmten Zeiten nutzen. Das widerspricht dem Servicegedanken der Geldinstitute.

Mit ein wenig Aufwand wäre dies vermeidbar, sagen Concept-Geschäftsführer Horst Frenking (l.) und Mitarbeiter Rainer Zimmermann.

Mit ein wenig Aufwand wäre dies vermeidbar, sagen Concept-Geschäftsführer Horst Frenking (l.) und Mitarbeiter Rainer Zimmermann. Foto: Detlef Held

Aber die Firma hat auch andere Möglichkeiten parat. „Mit einer Metalljalousie wäre dies lösbar“, so Zimmermann: „Nach Geschäftsschluss verschließt diese den Automaten. Kommt ein Kunde, der mit seiner Karte Geld abheben will, meldet sich eine Leitstelle, die nach Überprüfung das Geldabheben möglich macht. Stellt sich dann heraus, dass der „Kunde“ unlautere Absichten hat, wird eine Nebelkartusche gezündet, gleichzeitig erstrahlen Stroboskop-Lampen, die den SB-Bereich verblitzen. Zusätzlich werden ein Sirenensignal und eine Videoüberwachung aktiviert.“ Zimmermann weiter: „Sollte es dem Täter dennoch gelingen, in den Ausgabeautomaten Gas einzuführen, wirkt ein eingebauter Gassensor, der stromunabhängig arbeitet. Der Sensor reagiert auf kleinste Mengen und bringt sie sofort zum Verpuffen. Dadurch ist nicht nur das Bargeld geschützt auch werden kostspielige Kollateralschäden vermieden. Nicht auszuschließen ist auch, dass Menschen, die im Gebäude wohnen, betroffen sein könnten.

LKA fordert besseren Schutz für Automaten

„Der finanzielle Aufwand dieses Konzeptes ist im Verhältnis zu den sonst entstehenden Schäden gering“, sagt Horst Frenking. Die Concept-Lösungsvarianten wurden kürzlich in Hannover und Düsseldorf in Kooperation mit dem LKA Vertretern von Geldinstituten und Versicherungen vorgestellt. Frenking glaubt, dass bei den verantwortlichen Bankern ein Umdenken stattfindet – auch weil von Seiten des LKA die Institute aufgefordert sind, ihre Automaten besser zu schützen.

Es gab diese Art der Geldbeschaffung schon vor mehr als fünf Jahren in Italien und Frankreich. Dann schwappte diese Masche über Belgien und den Niederlanden nach Deutschland über, vor allem auch, weil die Geldinstitute in diesen Ländern inzwischen gesetzlich angehalten sind, diverse Schutzmaßnahmen in Eigenregie zu ergreifen.

Gefährliche Sprengwirkung

Hinter diesen Sprengungen stecken fast immer professionelle Banden. Ihre Mitglieder stammen aus verschiedenen Ländern und reisen zum großen Teil aus den Niederlanden ein, operieren grenznah und sind schnell verschwunden, weiß man beim Landeskriminalamt (LKA).

Sie kommen zumeist zwischen 2 und 4 Uhr morgens, leiten ein Gasgemisch in die Öffnungen der Automaten und zünden es über bis zu zehn Meter langen Lunte an. Die Täter beobachten aus sicherer Entfernung, ob es klappt, wie Videoaufzeichnungen zeigen.

Die Sprengwirkung des eingeleiteten Gases ist den Banden scheinbar egal, so die Erfahrung der Ermittler, denn neben dem Geldautomaten gehen nicht nur Fensterscheiben zu Bruch. Oft ist der gesamte SB-Bereich bei Banken und Sparkassen völlig demoliert, nicht selten auch das Gebäude schwer beschädigt. Eine sechsstellige Schadenssumme neben dem Verlust des Geldes ist keine Seltenheit. Und: Die ganze Aktion dauert nur wenige Minuten.

Fünf Minuten Angst, fünfstellige Beute

„Im Moment ist diese Art der Geldbeschaffung nach wie vor lukrativ“, so der Concept-Geschäftsführer. „Für maximal fünf Minuten Angst hat man fast immer einen fünfstelligen Betrag erbeutet“, ergänzt Rainer Zimmermann. „Da inzwischen jeder im Internet nachlesen kann, wie einfach die Masche funktioniert, lockt das auch immer mehr Nachahmer an. Denen können wir es mit unseren präventiven Maßnahmen schwer bis unmöglich machen.“

Die neue (alte) Masche

Geldauszahlungsautomaten – in Deutschland gibt es nach Schätzungen mehr als 60 000 – stehen zumeist im Kassenraum eines Geldinstituts und ermöglichen den Bankkunden rund um die Uhr Geld abzuheben. Bislang waren sie so konzipiert, dass ein Aufbrechen von außen sehr aufwendig ist. Gegen das Aufsprengen von innen heraus sind die bisher gängigen Automaten nicht konstruiert. Nach Erkenntnissen der Polizei bleiben die Geldkassetten dabei im Normalfall unversehrt. Die Beute liegt nicht selten im fünfstelligen Bereich. Für Täter ein lukratives Geschäft ohne großes Risiko. 

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige

immomarkt.ms Anzeigen

Wohnungen, Häuser, Grundstücke und gewerbliche Immobilien aus Ihrer Region



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3873222?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F186%2F