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Di., 18.10.2016

Die Nachfrage steigt Gewerbefläche: Discountpreise sind passé

Die Nachfrage nach Grundstücken im Erweiterungsareal des Gewerbegebiets Seller Esch ist groß: Viele Grundstücke sind verkauft bzw. reserviert. Das freut Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, der Handlungsbedarf aber bleibt weiter bestehen.

Die Nachfrage nach Grundstücken im Erweiterungsareal des Gewerbegebiets Seller Esch ist groß: Viele Grundstücke sind verkauft bzw. reserviert. Das freut Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, der Handlungsbedarf aber bleibt weiter bestehen. Foto: Plan: Stadt Steinfurt

Steinfurt - 

Als sie vor gut einem Jahr als Bürgermeisterin der Stadt Steinfurt angetreten ist, hat sie es sofort zur Chefsache erklärt: Das Thema Wirtschaftsförderung liegt Claudia Bögel-Hoyer am Herzen. Und so freut sich die Rathauschefin, wenn sie den Fortschritt der Erschließungsarbeiten für die Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Seller Esch sieht. Rund 60 000 Quadratmeter neue Gewerbefläche stehen der Stadt im Burgsteinfurter Westen zur Verfügung, Zwei Drittel davon sind bereits vermarktet. Das Projekt nimmt so etwas Druck aus dem Kessel des chronisch knappen städtischen Gewerbeflächenpools.

Von Ralph Schippers

„Die Nachfrage ist definitiv da – gerade auch im Seller Esch“, erklärt die Bürgermeisterin, die in diesem Fall sogar von einem „echten Filetstück“ spricht. Die herausragende Verkehrsanbindung, Glasfaseranschluss, eine große Tankstelle direkt vor der Tür und auch die Fachhochschule beinahe noch in Sichtweite – dies alles hat sich unter potenziellen Investoren herumgesprochen. Wenn die Erschließung in wenigen Wochen abgeschlossen ist, werde es nicht lange dauern, bis sich die ersten Baukräne auf dem Areal drehen, kündigt Bögel-Hoyer an.

Indes: Der Gewerbegrund, den die Unternehmer erwerben, ist nicht mehr zum „Schleuderpreis“ von unter 20 Euro wie einst zu bekommen. Der Quadratmeter, voll erschlossen, kostet 39 Euro. Zudem werden lokale Betriebe – so die Vorschläge der Verwaltung von der Politik auch abgesegnet werden – künftig tiefer in die Tasche greifen müssen, was die Gewerbesteuer anbelangt. Wie bereits berichtet, regt die Stadt an, die Abgabe 2017 um 22 auf 450 Prozentpunkte anzuheben. Rund 580 000 Euro würde das zusätzlich in die leere Haushaltskasse spülen. Sind das nicht falsche Signale, wenn man die Wirtschaft vor Ort ankurbeln möchte? Claudia Bögel-Hoyer verneint. „Steinfurt ist es wert“, sagt sie selbstbewusst und verweist auf die Vorzüge der Kreisstadt wie das gute Wohnumfeld, die Versorgung mit Kita-Plätzen und Schulen, Naherholungsmöglichkeiten und die attraktiven Innenstädte.

In die Karten spielt der Verwaltung aber auch der Markt: Die Zinsen sind weiter niedrig und nicht zuletzt hat sich aufgrund der langjährigen Gewerbeflächenknappheit auch ein Nachfragestau gebildet, der abgearbeitet werden will. „Da ist einiges ins Hintertreffen geraten“, weiß die Bürgermeisterin, spricht von „Befindlichkeiten“ und der „Dominanz großer Industriezweige“, die Gründe dafür gewesen seien.

Doch die Rathauschefin schaut nicht zurück. Sie will die Stadt als Wirtschaftsstandort stärken. Ein Schwerpunkt soll der Bereich Neue Technologien bilden. Mit dem Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Fachhochschule und mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises hat die Stadt daher ein Projekt initiiert, das genau in diese Kerbe schlägt. Wie lassen sich am besten Kontakte zu Entscheidungsträgern knüpfen? Wie können diese Unternehmen nach Steinfurt gelockt werden? Eine achtköpfige Studierendengruppe des Masterstudienganges beschäftigt sich seit diesem Monat mit solchen Fragestellungen. „Ich denke, dass dieser Expertenblick von außen uns viele Impulse geben kann“, so Bögel-Hoyer. Erste Ergebnisse erwartet sie Anfang kommenden Jahres.

Und was ist mit den vor Ort ansässigen Betrieben? Die Rathauschefin verweist auf die Unternehmensbesuche, die sie mit der Ersten Beigeordneten Maria Lindemann durchführt. „Bei den Unternehmen kommt das sehr gut an“, berichtet sie. Und auch die Verwaltung profitiere davon.

Bleibt das Problem der Gewerbeflächenknappheit, dass die neuen Flächen in Sellen nur kurz mindern können. Claudia Bögel-Hoyer und das Wirtschaftsförderungs-Team im Rathaus wollen verstärkt auf Altbestände und Brachflächen in bestehenden Gebieten zurückgreifen. Perspektivisch indes müssen neue Flächen her: Konkret in Gesprächen ist die Verwaltung zum Beispiel im Gewerbegebiet Ostendorf, wo eine Ausdehnung stadtauswärts entlang der Emsdettener Straße angedacht ist. Auch in Wilmsberg soll diese Strategie gefahren werden. Doch es gilt, dicke Bretter zu bohren: Die Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes sind nicht nur zu berücksichtigen, sondern stehen oft den Plänen entgegen.

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