Di., 20.06.2017

Initiative Stolpersteine stellt Installation „Spuren“ vor Erinnern und Zukunft gestalten

Der Abriss der Villa Heimann ist für die Mitglieder der Initiative Stolpersteine eine schmerzende Entscheidung der Politik.

Der Abriss der Villa Heimann ist für die Mitglieder der Initiative Stolpersteine eine schmerzende Entscheidung der Politik. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Für die Mitglieder der Initiative Stolpersteine sind die Spuren immer noch viel zu klein, die die Villa Heimann hinterlassen hat. Aber immerhin, es gibt sie. Rund 100 Mauersteine des vor drei Jahren abgerissenen historischen Gebäudes erinnern nicht nur an den Standort, sondern sind jetzt selbst zu Spurengebern geworden. Eingemauert in den Bürgersteig an der Anton-Wattendorff-Straße führen sie den Betrachter ausgehend von den sechs Stolpersteinen für die Familie Heimann hin zum Borghorster Bahnhof. Dort informiert eine neue Tafel über das Schicksal der Juden unter der Naziherrschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Heimanns, die am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert wurden. Am kommenden Freitag (23. Juni) wird die Initiative Stolpersteine das Gesamtensemble der Öffentlichkeit übergeben. Überschrift: „Erinnern und Zukunft gestalten“. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Von Axel Roll

Wie wichtig den Mitgliedern der Initiative der Bezug zur Gegenwart ist, wird beim Blick auf das Programm der Veranstaltung deutlich: Im Mittelpunkt steht der Historiker Michael Sturm aus Münster, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Villa ten Hompel über die Erscheinungsformen des Rechtspopulismus referieren und im Anschluss mit den Zuhörern diskutieren wird.

Wie Josef Bergmann für die „Stolpersteine“ erläutert, sieht die Initiative Steine und Info-Tafel als einen „kleinen Ausschnitt aus dem inzwischen riesigen Netzwerk der verlegten Stolpersteine, die in Europa zu Zehntausenden an konkrete Opfer des Nationalsozialismus erinnern“.

Bei der öffentlichen Feierstunde werden Werner Bülter und Jupp Ernst die Installation von Stolper- und Mauersteinen sowie Infotafel unter der Überschrift „Spuren 2017“ vorstellen. Zuvor werden Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer sowie Beate Kater sprechen. Letztere stellt die „Lebenslinien der Familie Heimann“ vor. Im Bahnhofsgebäude, wo ein Schweigegang enden soll, präsentiert Mechthild Upmann eine Fotoausstellung zum Thema. Dort findet auch das Referat von Michael Sturm statt. Für die musikalische Begleitung zeichnet Johanna Bülter verantwortlich.

Künstler Gunther Demnig hatte 2006 vor der Villa Heimann sechs Stolpersteine für einzelne Familienmitglieder verlegt. Für den Bau der Feuerwache nebenan mussten die Messingquader entfernt werden. Im vergangenen Jahr konnten sie dann wieder eingesetzt werden. Im Zuge der Straßenarbeiten wurden dann auch die gelben Mauersteine der Villa Heimann als Band eingearbeitet werden.

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