So., 25.06.2017

Stolpersteine „Echte Courage“

Entlang der im Bürgersteig verlegten Klinker der Villa Heimann gingen die Teilnehmer zum Bahnhof.

Entlang der im Bürgersteig verlegten Klinker der Villa Heimann gingen die Teilnehmer zum Bahnhof. Foto: Axel Roll

Borghorst - 

Die Initiative Stolpersteine gedenkt der Nazi-Opfer und erhält Lob aus Kanada

Von Axel Roll

Ein gewichtiges Wort der Anerkennung kam aus dem fernen Kanada. Claude Heimann würdigte die Arbeit der Borghorster Initiative Stolpersteine als ein Engagement, das „in Zeiten wachsenden Hasses echte Courage“ benötige. Der Nachfahre der Heimanns, die unter der Nazi-Herrschaft in Konzentrationslagern umgebracht worden waren, bezeichnete es in seiner E-Mail als große Ehre, dass seine Familie von der örtlichen Initiative als Symbol für die vielen Opfer des Nationalsozialismus ausgewählt wurde.

Beate Kater verlas die elektronische Post am Freitagabend an der Stelle, an der genau vor drei Jahren die Heimann-Villa abgerissen worden war. Die Stolpersteine hatten dorthin eingeladen, um sich anlässlich der Wiederverlegung der Messingquader von Bildhauer Gunter Demnig der Gräueltaten zu erinnern und gleichzeitig „Zukunft zu gestalten“, wie die Veranstaltung überschrieben war. Während der Feierstunde folgten die Teilnehmer den im Bürgersteig vor der Feuerwache verlegten Klinkersteinen der Villa zum Bahnhof, wo der münsterische Historiker Felix Sturm Gedanken zum Rechtspopulismus zur Diskussion stellte. Die gelben Steine auf dem Gehweg sollen an den letzten Weg erinnern, den die Heimanns von ihrem Zuhause 1941 in die Deportation gingen.

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer rief dazu auf, rechten Schergen entschieden entgegen zu treten. „Wehret den Anfängen. Wir bleiben eine freie Stadt“, zeigte sich die erste Bürgerin optimistisch. An die Initiative Stolpersteine gerichtet sagte Bögel-Hoyer: „Wir brauchen Sie.“

Künstler Jupp Ernst erläuterte am Bahnhof die neue Schautafel. Darauf zu sehen ist ein Foto des Schaubildes, das dreimal vor dem Bahnhof von Unbekannten zerstört worden war. So war unter anderem das Porträt Albert Heimanns mit einem eingebrannten Hakenkreuz verschandelt worden.

Historiker Felix Sturm, Mitarbeiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel in Münster, warnte in seinem Grundsatzreferat: Die Rechtspopulisten säßen schon unmittelbar an den Kabinettstischen der europäischen Regierungen. In Deutschland machte er ein ganzes Netzwerk aus, das auf verschiedenen Ebenen eine diffuse Programmatik in aggressivem Stil in die Öffentlichkeit bringe: Pegida, Reichsbürger, die AfD, Hooligans gegen Salafisten, Zeitschriften, Facebook und Internet-Blogs.

Den Bezug zur Gegenwart hatte zuvor schon Beate Kater hergestellt: „Auch heute fliehen wieder viele Menschen aus ihrer Heimat.“ Darum der Aufruf der Initiative: „Zukunft gestalten.“

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