So., 13.08.2017

Heinrich von den Driesch Der Künstler und sein Reich

Heinrich von den Driesch druckt und malt für seine neue Ausstellung auf dünnem Baumwollbatist. Zu sehen sind unter anderem eine immer wieder auftauchende Figur, die der Künstler bereits 2015 in etlichen Skizzen entwickelt hat.

Heinrich von den Driesch druckt und malt für seine neue Ausstellung auf dünnem Baumwollbatist. Zu sehen sind unter anderem eine immer wieder auftauchende Figur, die der Künstler bereits 2015 in etlichen Skizzen entwickelt hat. Foto: Theresa Gerks

Burgsteinfurt - 

75 Jahre ist er jüngst geworden – kein Grund für Heinrich von den Driesch seine Künstlertätigkeit ruhen zu lassen. Im Gegenteil: Die Ikone der lokalen Kunstszene sprüht nahezu vor Kreativität: Bei seiner kommenden Ausstellung will er Werke der jüngsten Vergangenheit seines Schaffens präsentieren.

Von Theresa Gerks

Ein großer, freigeräumter Maltisch mit beklecksten Pappunterlagen, Farbtöpfe, sorgsam untereinander gereiht im Wandregal, Kittel und Stofffetzen mit festgetrockneten Farbresten, die über Stühlen und Schrankkanten hängen. Der Skizzenschreibtisch direkt am Fenster, ein Holzbalkengerüst, über dem etliche Schablonen aus Papier hängen. Hohe Decken, unter denen der Künstler verpackte Bilder gehievt und verstaut hat. Und an der rechten Wand: das Herzstück des Ateliers, die 60 Zentimeter breite Druckpresse mit Schiffssteuerrad und Fahrradgriffen. Alles steht eng an eng im Reich von Heinrich von den Driesch an der Ochtruper Straße.

Gerade arbeitet von den Driesch an Bildern für seine Ausstellung „ Che Bellezza“, die am 19. August (Samstag) um 18 Uhr im Kulturspeicher Dörenthe eröffnet wird. Von den Driesch ist nämlich letztes Jahr 75 geworden – Grund genug für eine neue Ausstellung. „Ich möchte deswegen aber nicht retrospektiv meine Tätigkeit aufrollen, sondern neuere Arbeiten aus den letzten zehn Jahren präsentieren“, sagt der Künstler. Und dafür schafft er gerade vier Großformate mit den Maßen 2,40 mal 1,35 Metern, auf denen eine zu eigen gemachte Figur aus Raffaels „Brand des Borgo“ zu sehen ist. „Ich suche mir für meine Arbeiten prägnante, monumentale Figuren aus, die irgendwann in der Kunstgeschichte aufgetaucht sind. Und die mache ich mir zu eigen. Das heißt: Ich baue sie mir zurecht, wie ich sie für meine Kunst brauche.“ Und das geht mit Skizzen, Skizzen, Skizzen. „Ich versuche, die Figur zu verstehen, indem ich sie erst paraphrasiere, dann drehe, von vorne oder hinten male. Wie könnte die Figur sein und aussehen? Das ist mein Prozess des Begreifens.“

In vielen Schritten entsteht aus den Skizzen dann eine konkrete Form als überlebensgroße Figur aus Sperrholz – die von den Driesch wieder zersägt. So schafft er seine Druckformen. Alles Einzelteile, die er quasi als Stempel auf seine Bilder setzt, und die er dann durch seine Druckpresse zieht. Und mit seinen Druckarbeiten kombiniert er die Malerei. Für seine neuen Werke nutzt er eine Untermalung aus dünner Ölfarbe, die sehr wesentlich für seine Bilder ist und weiche, fließende Grenzen schafft. Darauf treffen die Konturen des Holzschnitts. „Ich arbeite viel mit markanten Schwarzlinienschnitten. Die haben eine unerbittliche Härte – etwas, was Zeichnungen nicht haben.“

Das es kniffelig ist, Druckteil an Druckteil richtig zu pressen, daraus macht der 75-Jährige keinen Hehl. „Es bleiben immer Ungenauigkeiten, aber diese Differenzen sind nicht schlimm, sondern stilbildend.“ Und so kommt es, dass sich die angeeignete Figur auch innerhalb eines Bildes identisch wiederholt; und doch niemals so ganz dieselbe ist.

Neben den Bildern zeigt die Ausstellung in Dörenthe aber auch gesteckte Plastiken aus Sperrholz und Möbel des Künstlers, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Die Ausstellung läuft bis zum 17. September, außerdem ist die Eröffnung eingebettet in das Dörenther Hafenfest.

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