Sa., 19.08.2017

Melitta, Mercedes und Grundka Nostalgische Bürohelfer

Schwarzglänzender, feinmechanischer Leckerbissen aus Stahl: Die kompakte Melitta-Rechenmaschine aus dem Baujahr 1931 mit Kurbelgriffen gehört zum Fundus der aktuellen Ausstellung „Büro – einst und jetzt“ im Stadtmuseum.

Schwarzglänzender, feinmechanischer Leckerbissen aus Stahl: Die kompakte Melitta-Rechenmaschine aus dem Baujahr 1931 mit Kurbelgriffen gehört zum Fundus der aktuellen Ausstellung „Büro – einst und jetzt“ im Stadtmuseum. Foto: Hermann-Josef Pape

steinfurt - 

Josef Haves kennt sich aus: Der Borghorster ist langjähriger Chef eines bekannten Büroeinrichtungshauses und damit im Besonderen mit nostalgischen Büromaschinen vertraut. Aus Anlass der neuen Ausstellung „Büro – einst und jetzt“ im Stadtmuseum plaudert der 83-Jährige aus dem Nähkästchen.

Von Hermann-Josef Pape

„Büro einst und jetzt“ – so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum, die den industriegeschichtlichen Bestand ergänzt. Darin werden vorhandene historische Exponate und private Leihgaben gezeigt (wir berichteten). „Drüben steht eine Melitta“, sagt Josef Haves. „Daneben eine Mercedes.“ Wovon der 83-Jährige mit spürbarer Begeisterung spricht, sind nicht etwa Frauen – nein, Josef Haves Leidenschaft gilt historischen Schreib- und Rechenmaschinen. Als Firmengründer des gleichnamigen Büroeinrichtungshauses an der Lechte-straße in Borghorst hat den heutigen Rentner die filigrane Technik schon immer fasziniert.

Die Welt der Bürotechnik ließ den Borghorster auch im Ruhestand nicht mehr los. Josef Haves hat in seinem Beruf auch Schreib- und Rechenmaschinen repariert. Er erkannte schnell, dass diese Jahrhunderte alte Technik bald obsolet werden würde und begann, Antiquitäten zu sammeln. „Ich habe die Maschinen nur mit unterschiedlichen Aufschlagsystemen und das auch nur bis zum Jahr Herstellungsjahr 1949 zusammengetragen, denn danach sind die Gerätearten explodiert“, berichtet er über seinen 20 Exemplare umfassenden Fundus.

Nun hat er einige Maschinen dem Stadtmuseum zur Sonderausstellung leihweise zur Verfügung gestellt. Alle Geräte seien schreibfähig, versichert der Spezialist. In seinen Sammelobjekten vereinigen sich wundervoll die beiden Facetten seines Berufslebens. Aus allen Blicken und Wörtern spricht die Liebe zu diesen alten Schreib- und Rechenmaschinen. Sie spielten im Büroalltag dereinst wichtige Rollen.

Eine serienmäßige Fertigung von Rechenmaschinen begann erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, erklärt der Liebhaber. Die Geräte aus den 20er bis 50er Jahren des 20. Jahrhunderts dokumentieren den rasanten Wandel der Bürotechnik. Die Grundka ist für ihn eine Schönheitskönigin. „Sie ist eine der ersten Schreibmaschinen mit Kugelkopftechnik aus dem Jahr 1924“, erklärt der 83-Jährige und beschreibt auch gleich die Besonderheiten dieser Maschine. Die Additionsmaschinen Melitta und Continental kennen die meisten nur noch aus alten Filmen; ein ratterndes Gerät, vor dem die Buchhalter mit ernstem Gesicht und weißen Armschonern saßen.

Bei manch älterem Besucher wird der Gang durch die Ausstellung sicher Erinnerungen an den längst vergangenen Arbeitsalltag wecken. Aber auch die junge Generation ist angesprochen, einmal einen Blick in die Präsentation zu werfen, damit sie die Schritte der Entwicklung bis zum Stand der Technik verfolgen kann.

Für Haves selbst stehen die alten Maschinen für eine Welt, die er den Nachkommen unbedingt erhalten möchte. „Auch ich schreibe natürlich mit dem Computer, aber ich finde es schade, dass so viele Menschen heute nicht einmal mehr wissen, wie eine Schreibmaschine funktioniert“, sagt der gelernte Büromaschinenmechaniker.

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