Mi., 13.09.2017

Dr. Bruno Kahl und Jens Spahn im Gespräch Ka(h)lauer mit Spahn

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Dr. Bruno Kahl (l.), sprach mit Jens Spahn über Nordkorea, Cyberangriffe, Fluchtursachen in der Subsahara und Tarnnamen beim BND. Der CDU-Ortsverband hatte dazu in die ehemalige Reithalle des Steinfurter Schlosses geladen.

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Dr. Bruno Kahl (l.), sprach mit Jens Spahn über Nordkorea, Cyberangriffe, Fluchtursachen in der Subsahara und Tarnnamen beim BND. Der CDU-Ortsverband hatte dazu in die ehemalige Reithalle des Steinfurter Schlosses geladen. Foto: Vera Szybalski

Burgsteinfurt - 

Es ist eine Weltreise in 60 Minuten. Von Nordkorea über China, Russland, Syrien, Türkei, Nordafrika und die Subsahara bis in die USA – Bundesnachrichtendienst-Präsident Dr. Bruno Kahl äußert sich im Gespräch mit CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn zur sicherheitspolitischen Lage der Welt und lässt dabei keinen Krisenherd aus.

Von Vera Szybalski

Es ist Wahlkampf, Spahn ist in seinem Wahlkreis, im Mittelpunkt steht in der ehemaligen Reithalle des Steinfurter Schlosses, die die Fürstenfamilie zur Verfügung gestellt hat, aber die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes (BND). Spahn führt das Gespräch, das auf Einladung des CDU-Ortsverbands zustande kam, bindet die Besucher in die Veranstaltung ein und dirigiert mit seinen Fragen den Fahrplan.

Bevor Kahl und Spahn tiefer in die Materie einsteigen, werden allgemeinere Fragen abgehakt. Tarnnamen wie früher gibt es beim 6500 Mitarbeiter starken Bundesnachrichtendienst nicht mehr, die Aufgabe als Präsident, die Kahl seit dem vergangenen Jahr inne hat, sei die „bisher spannendste“ in seiner Berufslaufbahn und Vergleiche mit dem wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt sind nicht restlos auszuräumen: „Würde man Kalauer mit h schreiben, würde ich sagen: Was James Bond und der BND gemeinsam haben, sind besonders viele Affären.“

Tatsächlich sei die Arbeit „weniger spektakulär“ als in den 007-Filmen, sagt Kahl. Die zentrale Aufgabe klingt dennoch schlichter als sie es ist: Beschaffung von Informationen. Allein die vier aktuell größten Themen des BND versprechen Spannung: Terrorismus, Cyberangriffe, Russland, China.

Im Zusammenhang mit Terrorismus als Gebiete im Fokus des Bundesnachrichtendienstes: Syrien und Irak, wo sich der sogenannte Islamische Staat und Al-Qaida ausbreiten. Afghanistan, nicht zuletzt, weil dort Truppen der Bundeswehr stationiert sind. In Nordafrika und der Subsahara geht es auch um Informationsbeschaffung zu Fluchtursachen und Wanderungsbewegungen.

Eins stellt Kahl auch klar: Eine gute Zusammenarbeit mit den Nachrichtendiensten anderer Länder ist Pflicht. Dabei spielen amerikanische Geheimdienste eine zentrale Rolle. Die Zusammenarbeit mit der Türkei sei zwar schwierig, sagt Kahl, aber: „Wenn es um die Wurscht geht, wird man nicht hängen gelassen.“ Dass sich die Probleme im deutsch-türkischen Verhältnis schnell bessern, glaubt der BND-Präsident nicht.

Russland? Davon sieht Kahl nach wie vor eine Gefahr ausgehen mit dem Ziel, Europa zu destabilisieren: „In den Augen von Herrn Putin ist Frau Merkel ein Störfaktor. Deutschland bleibt im russischen Fokus.“ Cyberangriffe wie vor zwei Jahren auf den deutschen Bundestag oder Fake-News-Kampagnen seien im restlichen Wahlkampf noch möglich: „Da muss man bis zum Schluss die Luft anhalten.“

Nordkorea? Trotz der Abschottung habe der BND ein „ziemlich genaues Bild“ von den technischen Fähigkeiten in puncto Raketenentwicklung und atomare Sprengsätze: „Das sind genau die Fähigkeiten, die man Korea nie geben wollte. Wir befürchten, dass es in nicht absehbarer Zeit Nordkorea möglich ist, Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen zu verbinden.“

China? Als Wirtschaftspartner werde das Land immer bedeutsamer, aber auch in der sicherheitsrelevanten Zusammenarbeit. Allerdings würden die Chinesen auch keine Hemmungen haben, sehr dreist wirtschaftliche Zusammenhänge auszuspionieren. „Wir müssen die Entwicklung sehr genau im Blick halten“, sagt Kahl. „Die Chinesen haben Zeit, die blicken in die Zukunft. Die wollen 2050 die unangefochtene Weltmacht sein und tun bis dahin alles, an dem sie nicht gehindert werden.“

In Bezug zum momentan daueraktuellen Thema Terrorismus mahnte Kahl, keine Angst vor Menschenmengen oder Reisen in beliebte Städte zu haben: „Es wird immer wieder Terroristen gelingen, zum Erfolg zu kommen. Aber es macht keinen Sinn, sich davon sein ganzes Leben kaputt machen zu lassen. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.“

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