Do., 07.12.2017

Ökumenisches Sozialbüro stellt sein Angebot ein Das „Offene Ohr“ wird geschlossen

Das Team vom „Offenen Ohr“ hört auf.  Die Ehrenamtlichen stellen das Beratungsangebot an der Emsdettener Straße zum Jahresende ein.

Das Team vom „Offenen Ohr“ hört auf.  Die Ehrenamtlichen stellen das Beratungsangebot an der Emsdettener Straße zum Jahresende ein. Foto: pbm/gun

Steinfurt - 

Sie haben vielen Menschen in Not geholfen. Ganz unbürokratisch und schnell. Doch inzwischen sind neue Einrichtungen von Caritas und Diakonie gegründet worden und haben diese Aufgabe übernommen.

Deshalb hat das ehrenamtliche Team des ökumenischen Sozialbüros „Das offene Ohr“ in Steinfurt beschlossen, Ende Dezember nach fast 15 Jahren das Beratungsangebot im Ladenlokal an der Emsdettener Straße aufzugeben.

„Wir sind damals zur richtigen Zeit für die Menschen da gewesen“, schaut Teamsprecher Alfred Brunstermann zufrieden zurück. Mittlerweile sei die Zahl der Ratsuchenden stetig weiter zurückgegangen – von über 200 auf rund 80 im Jahr.

Das war 2000 noch anders. Den vielen Menschen, die für ihre sozialen Probleme keine Anlaufstelle fanden, wollten die Kirchengemeinden vor Ort eine regelmäßige Beratung anbieten.

Die Idee hatten der inzwischen emeritierte Pfarrer von St. Nikomedes, Heinrich Wernsmann, und der damalige evangelische Pfarrer Joachim Erdmann.

Im Frühling 2003 wurde das Café der ehemaligen Bäckerei Badde angemietet. Dort hörten sich Maria Pelken, Resi Schenk, Josef Wachsmann, Elisabeth Hünteler und Gaby Beuing nicht nur die Sorgen der Klienten an – sie packten auch an.

Bis heute ist es oftmals die finanzielle Not, die Menschen ins „Offene Ohr“ kommen lässt. „Wenn nichts mehr ging, haben wir Warengutscheine ausgeteilt“, berichtet Brunstermann. Die Zahl der ehrenamtlichen Teammitglieder ist über die Jahre konstant geblieben, wenn auch mit wechselnden Gesichtern.

„Wir haben niemanden weggeschickt“, erinnert sich Brunstermann. Das galt auch für Hilfesuchende aus den umliegenden Kommunen: „Manche wollten bewusst die Anonymität.“

2008 zog das Sozialbüro ein paar Meter weiter Richtung Innenstadt. Die Familie Bittner stellte ihre ehemaligen Fleischerei-Geschäftsräume zur Verfügung.

Besonders stolz sind die Ehrenamtlichen vom „Offenen Ohr“ auf den „Dialogpreis für gute Taten“, den sie 2009 vom Bistum Münster bekommen haben. Das Kunstwerk aus der Benediktinerabtei Königsmünster hat einen Ehrenplatz im Büro. Wer es am letzten Tag mitnehmen darf, das wird noch zu klären sein ...

Langweilig war es im „Offenen Ohr“ nie. Neben den Sprechstunden starteten die Teammitglieder immer neue Aktionen – wie beispielsweise die adventliche Lebensmittelsammlung für die Steinfurter Tafel.

Und nicht nur einmal hatten die Ehrenamtlichen prominenten Besuch. Karl-Josef Laumann, heute NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, war ebenso zu Gast wie die heutige Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking.

Kontinuierlich bildeten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter. So konnten sie den Ratsuchenden beim Ausfüllen von Formularen helfen. Aber auch die Begleitung bei Arztbesuchen wurde immer wieder angefragt. Egal, was es zu tun gab, auf die Unterstützung des städtischen Sozialamts und der Kirchengemeinden konnten die Helfer setzen: „Das hat vieles vereinfacht“, lobt Brunstermann die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Brunstermann war es auch, der mit Pfarrer Markus Dördelmann und Pfarrer Holger Erdmann die zurückgehenden Klientenzahlen besprochen und eine Entscheidung getroffen hat: „Das Ende der Einrichtung ist uns nicht leichtgefallen.“ Aber Brunstermann sieht auch die anderen Hilfs- und Beratungsangebote in der Stadt, die gute Arbeit leisten.

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