Zu nass zum Düngen
„Güllesilvester“ fällt ins Wasser

Steinfurt -

Der fast schon liebevoll „Güllesilvester“ genannte Tag, nach dem die Landwirte mit dem Düngen ihrer Felder beginnen dürfen, fällt diesmal ins Wasser: Eigentlich darf ab dem 1. Februar Gülle auf den Feldern ausgebracht werden. Aber derzeit macht der viele Regen den Landwirten einen Strich durch die Rechnung.

Mittwoch, 31.01.2018, 15:01 Uhr

Das braune Gold des Münsterlands muss noch in den Tanks bleiben: Unmittelbar nach dem Ende der Sperrzeit am 1. Februar sind die Böden noch viel zu nass, um den Dünger aufnehmen zu können.
Das braune Gold des Münsterlands muss noch in den Tanks bleiben: Unmittelbar nach dem Ende der Sperrzeit am 1. Februar sind die Böden noch viel zu nass, um den Dünger aufnehmen zu können. Foto: dpa

„Wir brauchen noch etwa acht Tage ohne Regen, ehe wir überhaupt daran denken können, auf die Felder zu fahren“, sagt Borghorsts Ortslandwirt Alfred Renger . Zum einen, weil die nassen Böden die in mehr oder weniger flüssiger Form aufgebrachte Gülle gar nicht aufnehmen können – und sie deshalb einfach in den nächsten Graben abfließen würde.

Zum anderen aber auch, weil jede Tour über das Feld mit dem tonnenschweren Gerät bleibende Schäden verursacht: „Die Gerätschaften werden ja immer größer und schwerer“, sagt Renger. „Wenn wir uns da jetzt viel zu tiefe Spuren anlegen, bleiben die das ganze Jahr über.“

Güllebehälter sind randvoll

Dennoch scharren viele Landwirte schon mit den Hufen – vor allem die mit Tierhaltung. Deren Güllebehälter sind um diese Jahreszeit randvoll. „Einige warten sehnlichst darauf, endlich fahren zu können“, weiß Renger. Allerdings wüssten auch die, dass es jetzt noch wenig Sinn macht, den natürlichen Dünger aufs Feld zu bringen. „Bei diesen Temperaturen braucht die Pflanze noch nicht so viele Nährstoffe.“

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Entsprechend wenig effektiv sei die Düngung derzeit. Und später fehle die Gülle dann – und müsse durch teuren Dünger aus dem Handel ersetzt werden. „Alles, was wir so düngen können, müssen wir nicht zukaufen“, macht der Ortslandwirt eine einfache Rechnung auf.

Um die Güllebehälter nicht überquellen zu lassen, tauschen sich die Landwirte untereinander aus – wer Kapazitäten frei hat, stellt sie seinen Kollegen zur Verfügung. Selbst ein plötzlicher Frosteinbruch würde den Landwirten nur unter günstigen Umständen aus der Bredouille helfen. „Auf tief gefrorenem Boden dürfen wir nicht fahren“, erklärt Renger.

Kontrolle durch Landwirtschaftskammer

Weil dann die ganze Jauche nicht in den Boden eindringen könnte, sondern einfach abfließen würde. Lediglich bei leichten Nachtfrösten, auf die Tagestemperaturen im Plusbereich folgen, darf der angefrorene Boden zum Fahren genutzt werden. Für die Einhaltung der Vorgaben der Düngeverordnung ist die Landwirtschaftskammer zuständig. Deren Mitarbeiter fahren raus, wenn der Verdacht besteht, dass trotz ungeeigneter Bodenverhältnisse Gülle ausgefahren wird.

Das komme aber eher selten vor, sagt die Geschäftsführerin der Kreisstelle Steinfurt, Dorothee Gerleve-Oster. „Die Landwirte schaden sich ja auch selber.“

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