Steinfurt
Do., 11.03.2010
Keine Windel-Wohltaten
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Steinfurt - Ein weiteres Kapitel der unendlichen Geschichte „Gerechtigkeit beim Wiegesystem“ hat die SPD aufgeschlagen. Eine „kostenlose Windelentsorgung für Familien mit Kindern bis zu vier Jahren und für alle an Inkontinenz leidenden Steinfurter“ forderte Ludgera Kessler am Mittwochabend im Sozialausschuss.
Die Sozialdemokratin bekam dafür nur spärlichen Applaus von den übrigen Fraktionen. Von der Gegenseite antwortete CDU-Fraktionsvorsitzende Doris Gremplinski: „Wir wollen jetzt keine Wohltaten verteilen.“ Auch wenn sie für die Situation der Betroffenen vollstes Verständnis habe. „Die CDU will in zwei bis drei Jahren, wenn die komplette Müllentsorgung auf dem Prüfstand steht, das Gesamtpaket diskutieren“, so die Christdemokratin. Regina Hemker-Möllering für die Freien Demokraten äußerte die Befürchtung, dass die Stadt bei solchen Geschenken schon bald „nix mehr zusagen hat, was wir ausgeben dürfen“. Und so wurde nicht einmal ein empfehlender Beschluss für die übrigen Beschlüsse gefasst.
Der Vorstoß der SPD hätte massive finanzielle Folgen. 21 000 Euro, so haben die Genossen eigenhändig nachgerechnet, würde die Windel-Wohltat kosten. Der Betrag müsste auf die Müllgebühren draufgeschlagen und dann durch alle Steinfurter Haushalte geteilt werden. Nach Auskunft der Verwaltung wurden in zehn Monaten 4400 Windelsäcke in der Größe von 70 Litern abgenommen, die 120 Liter großen Plastiktüten wurden 2900-mal verkauft.
Ausschussvorsitzender Klaus Meiers forderte für die SPD-Fraktion außerdem, dass die Windelsäcke von zu Hause aus abgeholt und nicht zum Wertstoffhof gebracht werden müssen. „Pflegebedürftige können nicht zum Wertstoffhof fahren“, so Meiers, der beruflich einen Pflegedienst leitet. Nach seinen Beobachtungen gibt es sogar Rentner, die die Windeln auf der Heizung trocknen, um Gewicht für die Abfallabrechnung zu sparen.
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